Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Aktuelle Beiträge Fall Schmidt: Droht der Uni-Klinik eine Millionen-Klage?
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Fall Schmidt: Droht der Uni-Klinik eine Millionen-Klage?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:45 06.07.2018
Christian Schmidt, der Vorstandschef der Universitätsklinik Rostock, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Er solle zum Opfer einer Rufmordkampagne gemacht werden, sagen seine Anwälte.
Christian Schmidt, der Vorstandschef der Universitätsklinik Rostock, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Er solle zum Opfer einer Rufmordkampagne gemacht werden, sagen seine Anwälte. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Rostock

Nimmt der Skandal an der Rostocker Uni-Klinik für das Land eine teure Wendung? Im Fall des freigestellten Rostocker Klinik- Chefs Christian Schmidt gerät nun der Aufsichtsrat der größten Klinik im Land in die Kritik. Die Anwälte Schmidts warnen in einem Schreiben nachdrücklich davor, ihrem Mandaten zu kündigen. Die Untreue-Vorwürfe seien allesamt unbegründet und – so heißt es in dem 21 Seiten langen Brief (liegt der OZ vor) sinngemäß – Teil einer Rufmordkampagne. „Eine fristlose Verdachtskündigung dürfte offenkundig rechtswidrig sein“, schreibt der Kölner Anwalt Rolf Bietmann an Aufsichtsratschef Sebastian Schröder (SPD), Staatssekretär im Schweriner Bildungsministerium. Sollte Schmidt dennoch rausfliegen, müsste Klinik und Land ihm für achteinhalb Jahre Gehalt zahlen – „weit mehr als drei Millionen Euro“, so Bietmann.

Schmidt bleibt freigestellt

Erst gestern hatte der Aufsichtsrat sich erneut mit dem Fall Schmidt befasst. „Das Gremium hat sich im Ergebnis darauf verständigt, dass der Vorstandschef weiterhin vorläufig von all seinen Aufgaben entbunden bleibt“, so Katrin Schwarz, Sprecherin des Bildungsministeriums. Aus der Stellungnahme Schmidts zu den Anschuldigungen hätten sich weitere Fragen ergeben, denen nun „unverzüglich und sorgfältig“ nachgegangen werde. Details nennt Schwerin erneut nicht.

Anwälte gehen in Offensive

Nach tagelangem Schweigen gehen nun aber die Anwälte Schmidts in die Offensive: In dem Schreiben an Schröder heißt es, der Aufsichtsrat habe Schmidt unlängst die Kündigung angekündigt. Doch sollte die tatsächlich erfolgen – und sollte sie rechtswidrig sein – müssten auch die „haftungsrechtlichen Konsequenzen für jedes Mitglied des Aufsichtsrates“ geprüft werden. Schmidt wolle Chef in Rostock bleiben, habe 2017 mit 14 Millionen Euro „Rohertrag“ den höchsten Gewinn aller UniKliniken in Deutschland erzielt. Die Anschuldigungen, die nach Angaben der Anwälte Ende Mai von einem Professor gegen Schmidt erhoben wurden, seien allesamt weder straf- noch dienstrechtlich relevant. So wird Schmidt vorgeworfen, einen Auftrag an einen Software-Unternehmen vergeben zu haben und im Gegenzug – auf eigene Rechnung – Vorträge vor den Mitarbeitern der Firma gehalten zu haben. Seine Anwälte sagen, es gäbe keinerlei „inhaltlichen Kontext“ zwischen diesen Vorgängen. Es werde ein Zusammenhang „konstruiert“.

Professor soll Schmidt gezielt beschuldigt haben

Auch die weiteren Vorwürfe meinen die Anwälte mit ihrer Stellungnahme entkräftet zu haben. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Versuch einer zielgerichteten Denunziation von einigen Beteiligten aus dem Mitarbeiterkreis initiiert worden ist, um den Vorstandschef der Uni-Klinik persönlich und menschlich zu schädigen“, schreibt Bietmann. Ein Professor habe zielgerichtet auch E-Mails mit Rechnungen im Klinikum verteilt. Der Mediziner sagt hingegen, die Mails seien im Zuge der Innenrevision aufgetaucht.

Andreas Meyer