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Aktuelle Beiträge Greifswalder Hauseigner klagen über „Brinke lebt“-Graffiti
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Greifswalder Hauseigner klagen über „Brinke lebt“-Graffiti
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00:00 13.02.2015
Bislang gibt es in diesem Fall kein Bekenner- schreiben.“ Axel Falkenberg, Polizeisprecher
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Greifswald

Horst Geitz versteht die Welt nicht mehr. Auf die Ostseite des heute von seinem Sohn Alexander geführten Hotels „Am Dom“ in der Langen Straße in Greifswald haben Unbekannte die Worte „Brinke lebt“ mit blauer Farbe aufgemalt. Genau wie das 1595 errichtete, denkmalgeschützte Gebäude wurden auch andere Häuser in der Stadt mit diesem Schriftzug beschmiert.

„Ich habe es kürzlich entdeckt. Jetzt müssen wir alles übermalen lassen, dabei haben wir erst vorigen Oktober diese Wandseite neu machen lassen“, beklagt der 75-Jährige. Seine Frau Waltraud (73), ehemalige Augenärztin, ist ebenfalls fassungslos. „Das ist mein Geburtshaus, meine Eltern haben es seit 1935 besessen“, sagt die Seniorin. Unklar ist weiterhin, ob die Schmierereien mit den Protesten gegen den Abriss von zwei im 19. Jahrhundert errichteten Gebäuden in der Brinkstraße zusammenhängen.

Heiko Pult von der Initiative „Brinke 16/17 erhalten“ ist ebenso überrascht von den Schriftzügen. „Wir sind nicht verantwortlich für das Geschehene. Unsere Bewegung setzt auf Diplomatie und Konsens“, erklärt deren Sprecher. Diese hatte sich in der Unistadt dafür stark gemacht, die historischen, rund 150 Jahre alten Häuser in der Brinkstraße zu erhalten. Statt des Abrisses hätte dort ein Vorstadttreff mit Kultur, Kreativwerkstätten und Wohnflächen etabliert werden sollen. „Durch das Engagement von ,Brinke 16/17 erhalten‘ haben wir hoffentlich den Bürgern vermittelt, sensibler im Umgang mit erhaltenswerten Gebäuden zu sein“, betont Pult. Jedoch könne er nicht für alle der etwa 1000 Brinke-Befürworter sprechen.

Merkwürdig bleibt die Situation für die Eheleute Geitz schon. „Wer auch immer das getan hat — warum sollte jemand historische Häuser erhalten wollen und gleichzeitig ein anderes, denkmalgeschütztes Gebäude verunstalten?“, fragt Waltraud Geitz. Zumal die Greifswalderin betont, dass sie und ihr Mann für den Erhalt alter Bauwerke seien. „Man sollte solche Objekte bewahren und nur dann abreißen, wenn es die Bausubstanz überhaupt nicht mehr hergibt“, sagt die Seniorin. Das sei in der Brinkstraße nun mal der Fall gewesen.

Mittlerweile hat Horst Geitz bei der Polizei Anklage gegen Unbekannt erhoben. Chancen, dass die Täter gefasst werden, rechnet er sich jedoch nicht aus. „Bleibt die Frage, was wir jetzt machen sollen.

Kameras darf man nicht aufstellen, einen Wachdienst zu engagieren, wäre zu teuer“, schätzt Horst Geitz. „Das ist eine optische Zerstörung, Gäste bleiben wegen solcher Schmierereien weg“, sagt seine Frau. Anzeige erstattet hat auch Axel Hochschild, CDU-Fraktionschef in der Greifswalder Bürgerschaft. Der Malermeister und seine Familie waren in der Vergangenheit bereits Übergriffen ausgesetzt — weil er die Hausbesetzung in der Brinkstraße als ungesetzlich angeprangert habe, glaubt er. „Die neuerlichen Anfeindungen sind nicht überraschend für mich. Privateigentum scheint in den Augen der selbsternannten Kulturhausschaffenden-Hausbesetzer ja eh keine Rolle zu spielen“, kommentiert Hochschild resignierend.

Bei der Polizei sind mittlerweile fünf Anzeigen weiterer Hauseigener eingegangen. „Es wird wegen Sachbeschädigung ermittelt. Das gestaltet sich aber schwierig wegen mangelnder Hinweise und fehlender Bekennerschreiben“, sagt Sprecher Axel Falkenberg.



Steffen Thimm