Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Aktuelle Beiträge Großbrand: 6,5 Millionen Euro Schaden
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Großbrand: 6,5 Millionen Euro Schaden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 26.07.2018
In Greifswald brannte am Pfingstsonntag in der Lomonossowallee der Rewe-Markt ab. Mehr als 100 Feuerwehrleute bekämpften den Großbrand. Quelle: Stefan Dinse
Anzeige
Greifswald

Ein winziges Feuer facht ein Brandinferno mit einem Schaden von 6,5 Millionen Euro an: Das Großfeuer in einem Rewe-Einkaufsmarkt im Greifswalder Stadtteil Schönwalde vom Pfingstsonntag hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat am Dienstag Ermittlungen gegen die zwei tatverdächtigen 14 und 15 Jahre alten Jugendlichen aufgenommen. Es werde „der Verdacht der Brandstiftung geprüft“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Sascha Ott. Zunächst würden die Aussagen der beiden Siebtklässler mit den Erkenntnissen des Brandursachenermittlers abgeglichen, sagt Ott. Danach werde geprüft, ob das Feuer fahrlässig oder vorsätzlich gelegt wurde, und ob es sich um eine einfache oder eine schwere Brandstiftung handele.

Zwei Schüler zündeln vor Greifswalder Einkaufszentrum. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Anklage.

Zwei Bäckerei-Mitarbeiterinnnen in Lebensgefahr

„Bei dem Brand ist ein Sachschaden von – vorsichtig geschätzt – etwa 6,5 Millionen Euro entstanden“, sagt Axel Falkenberg von der ermittelnden Polizeiinspektion Anklam. Als Motiv hätten die Jungen „Langeweile“ angegeben. Den von ihnen geschilderten Brandverlauf hätten zwei Mädchen, ebenfalls 14 und 15 Jahre alt, als Zeuginnen bestätigt, sagt Falkenberg. Auch die Erkenntnisse des Brandursachenermittlers lägen vor. Die Ermittlungen der Polizei seien so gut wie abgeschlossen, sagt Falkenberg. Schwer wiege, dass beim Brand zwei Mitarbeiterinnen einer Bäckereifiliale, die sich im Einkaufszentrum befand, in Lebensgefahr geraten waren.

Nach Abschluss der Ermittlungen werde entschieden, ob Anklage gegen die beiden Schüler erhoben werde, sagt Ott. Beide seien voll strafmündig im Sinne des Jugendstrafrechts. Die Jugendlichen waren am Sonntag noch am Brandort vorläufig festgenommen worden, sind jedoch wieder auf freiem Fuß. Sie hatten bei der Polizei zugegeben, in einem Unterstand für Einkaufswagen Papiertaschentücher und einen Stoffbeutel angezündet und wieder gelöscht zu haben.

Bei Fahrlässigkeit reicht Erziehungsmaßnahme

Im Strafgesetzbuch wird in Paragraf 306b geregelt, dass besonders schwere Brandstiftung mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft wird. Im Jugendstrafrecht sieht das natürlich anders aus. „Eine Jugendstrafe kann verhängt werden, wenn das Gericht bei den Angeklagten schädliche Neigungen feststellt oder wegen der Schwere der Schuld“, erklärt Rechtsanwältin Verina Speckin, Fachanwältin für Strafrecht in Rostock und Vorsitzende des Strafverteidigervereins von MV. Diese Gründe seien nicht gegeben, wenn es wie in diesem Fall wahrscheinlich eine fahrlässige Brandstiftung gewesen ist. Dann könnte eine Erziehungsmaßnahme ausreichen.

Eltern haften nicht automatisch

„Welche Strafen die beiden tatverdächtigen Jugendlichen zu erwarten haben, kann man vorhersagen“, sagt die Anwältin. Wenn sie nicht zuvor schon Brände gelegt haben, seien eine Geldstrafe oder Arbeitsstunden, etwa bei der Feuerwehr, möglich. Und: „Die Eltern haften nicht automatisch für Schäden, die ihre Kinder verursacht haben“, betont Verina Speckin. Das würde nur dann gelten, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hätten.

Neben einem strafrechtlichen könnte auf die mutmaßlichen Täter auch ein zivilrechtliches Verfahren zukommen. Zu Fragen um die Erstattung von Schadensersatzansprüchen äußere sich das Unternehmen nicht, erklärt eine Rewe-Sprecherin. Zunächst werde der genaue Schaden durch die Gebäudeversicherung ermittelt. Der Rewe-Markt sei komplett abgebrannt, der angrenzende Penny-Markt zumindest durch Wasserschäden betroffen. Im Rewe-Markt arbeiten 28, bei Penny 14 Mitarbeiter.

Strafmündig ab 14 Jahre

Für die Strafmündigkeit schreibt das deutsche Strafgesetzbuch das vollendete 14. Lebensjahr vor. Dabei wird jedoch der Begriff „Strafmündigkeit“ gar nicht verwendet. Im Paragraf 19 heißt es dazu: „Schuldunfähig ist, wer bei Begehung der Tat noch nicht vierzehn Jahre alt ist.“

Für Jugendliche (14 bis 17 Jahre) gilt laut Jugendgerichtsgesetz: „Ein Jugendlicher ist strafrechtlich verantwortlich, wenn er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln.“

Bernhard Schmidtbauer

Mehr zum Thema

Er kämpfte nach einem Giftanschlag wochenlang um sein Leben. Nun ist Sergej Skripal aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wird er Hinweise auf den Täter geben können?

19.05.2018

Wieder sterben Menschen an einer US-High-School: Nur rund ein Vierteljahr nach den Aufsehen erregenden Todesschüssen von Florida werden nun zehn Menschen in Texas getötet.

19.05.2018

Es ist fast schon zur tragischen Routine geworden: Nach dem jüngsten Schulmassaker in den USA versprechen Politiker entschlossenes Handeln. Ebenso Routine: Die Gegenwehr der Waffenlobby.

20.05.2018

Dutzende Beamte befinden sich seit Jahren in Bayern im Einsatz. Die SPD attackiert Caffier und Schwesig fordert den Bund.

23.05.2018

Zu schnell unterwegs. Bei Passee ist ein Motorradfahrer von der Straße abgekommen.

23.05.2018

Zehntausende Euro Schaden haben Kriminielle in der Nacht zum Dienstag in der Hansestadt angerichtet: Die Täter haben einen kompletten Tresor aus dem Souvenir-Shop des Zoos gestohlen - und den Laden dabei komplett verwüstet.

22.05.2018