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Aktuelle Beiträge Immer mehr Übergriffe auf Polizisten
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00:00 28.10.2015
Der Krankenstand ist sehr hoch.“Axel Falkenberg, Polizeisprecher
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Anklam/Greifswald Aufmärsche, Demonstrationen und der normale Schichtdienst: Die Polizei stößt an ihre Belastungsgrenze. Im OZ-Interview berichtet Polizeisprecher Axel Falkenberg (51) über die aktuelle Situation der Beamten.

OSTSEE-ZEITUNG: Die Polizei wird von der Anzahl der Demonstrationen, die sie abzusichern hat, massiv gefordert. Wie ist die Stimmung unter den Kollegen?

Axel Falkenberg: Die Kollegen sind aufgrund der aktuellen Einsatzlagen mit der Zunahme von Demonstrationen im Zusammenhang mit der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen zusätzlich stark belastet und gefordert. Zudem kommen Einsätze bei Fußballspielen in Rostock und die zu erwartenden weiteren Maßnahmen zur Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern hinzu.

OZ: Jede Woche finden Demonstrationen und Aufmärsche statt, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik stehen. Wie lange muss im Voraus geplant werden, damit überall genügend Polizisten im Einsatz sind?

Falkenberg: Die Polizei plant langfristig, mittelfristig und zeitnah die Durchführung der Einsätze. Dabei steht sie mit den Dienststellen und Behörden im ständigen Kontakt. Bei allen auch kurzfristig angemeldeten Versammlungen erhält die Polizeiinspektion Anklam Unterstützung, so auch von dem Landesbereitschaftspolizeiamt. Deutlich wird zudem, dass die Zusammenarbeit mit der Versammlungsbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald reibungslos funktioniert. Alle verstehen ihr Handwerk.

OZ: Werden da nicht massiv Überstunden aufgebaut? Falls ja, können die in Anbetracht der Lage überhaupt abgebummelt werden?

Falkenberg: Es kommt zum Aufbau von Überstunden, der durch Freizeit abgebaut wird, möglichst im laufenden Monat/Jahr. Sollte der Abbau der Mehrarbeit in einem Jahr nicht möglich sein, folgt die Barauszahlung.

OZ: Inwieweit schlägt sich die Arbeitsbelastung auf den Gesundheitszustand der Beamten nieder?

Falkenberg: Die Kollegen können sich jederzeit an den Polizeiärztlichen Dienst wenden. Die Landespolizei MV verfügt über einen sozialpsychologischen Dienst (Psychologen), der sich in speziellen Fragestellungen hochkompetent kümmern kann. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, Krankschreibungen aus den unterschiedlichsten Gründen vorzubeugen. Krankschreibungen bleiben jedoch auch in der Polizeiinspektion Anklam nicht aus. Der Krankenstand ist durchschnittlich sehr hoch.

OZ: Inwieweit hat sich die Arbeit der Polizei verändert? Bestreifen Sie zum Beispiel bei zunehmender Anzahl von Flüchtlingen die Umgebung von Unterkünften?

Falkenberg: Die gestiegene Anzahl der Versammlungen in Greifswald, Anklam, Pasewalk, Torgelow, Eggesin und demnächst in Wolgast sprechen für sich. Zudem gilt es, entsprechende Maßnahmen zum Schutz von Gemeinschafts- und Notunterkünften, wie zum Beispiel durch Streifen, umzusetzen und sich auf eine stärkere Anzahl von Abschiebungen, die durch die Polizei begleitet werden müssen, einzustellen — Aufgaben, die zu dem täglichen Einsatzgeschehen hinzu kommen.

OZ: Es hat den Anschein, als ob eine Hemmschwelle, Gewalt aus politischen Motiven einzusetzen, gesunken ist. Wie ist ihr Eindruck?

Falkenberg: Im Bereich der Polizeiinspektion Anklam kam es aus unterschiedlichen Motiven heraus zu Angriffen auf Polizeibeamte. Waren es im Jahr 2012 noch 52 Straftaten, steigerte sich die Anzahl zu 2013 um zehn auf 62. Im Vorjahr waren es schon 72. Und in diesem Jahr sind wir bislang schon bei 72 Übergriffen angekommen.

OZ: Kaum eine Woche vergeht, an dem nicht von irgendwo Hakenkreuzschmiererein oder Schlimmeres gemeldet werden. Die Tätersuche gestaltet sich schwierig.

Falkenberg: Die Polizei appelliert an Zeugen, sich bei möglichen Feststellungen bei der Polizei zu melden. Die Polizei stellte auch in jüngster Zeit Täter auf frischer Tat und richtet ihre Streifentätigkeit gezielt darauf aus.

OZ: Noch eine persönliche Frage: Macht der Job noch Spaß?

Falkenberg: Ja. Und ich ziehe den Hut vor meinen Kollegen, die sich jeden Tag neu motiviert in den Dienst begeben.

Interview:

Hannes Ewert, Kai Lachmann

Polizeidienst
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In den Sommermonaten unterstützen rund 200 Kräfte der Bereitschaftspolizei aus Rostock und Schwerin ihre Kollegen im küstennahen Bereich im Zuge des jährlichen Bäderdienstes. Auf der Insel Usedom waren 2015 rund 20 Polizisten im Bäderdienst im Einsatz.



OZ

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