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Aktuelle Beiträge Plüschow: Polizei fahndet weiter nach dem Angreifer
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11:22 11.04.2015
Auf der Dorfstraße in Plüschow hat sich der Vorfall ereignet, dort hatte ein Autofahrer die Mädchen angesprochen. Quelle: Fotos: Prochnow (2), Polizei
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Plüschow

Knapp drei Wochen nach der mutmaßlichen versuchten Entführung eines elfjährigen Mädchens in Plüschow hat die Polizei noch keine heiße Spur vom Täter. „Wir gehen den Hinweisen nach, aber es gibt noch keine neuen Erkenntnisse“, sagt Isabel Wenzel, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock auf Anfrage. Zuletzt hatte die Polizei zwei Phantombilder, die den mutmaßlichen Täter zeigen, veröffentlicht. Die wenigen Hinweise, die bisher eingegangen sind, „richteten sich sowohl gegen eine Person als auch gegen das von ihr verwendete Fahrzeug“, so die Polizeisprecherin weiter. „Etwas Gewinnbringendes war aber noch nicht dabei.“

Rückblende: Am 20. März sind Paula (11) und Frieda (10) auf der Dorfstraße in Plüschow unterwegs, als ein unbekannter Mann die Mädchen anspricht. Er packt Paula am Arm, die Schülerin wirft sich auf den Boden und wehrt sich. Der Mann lässt schließlich von dem Mädchen ab und fährt mit seinem Auto davon. Die völlig verstörten Schülerinnen berichten der Großmutter von Frieda von dem Vorfall, die Eltern alarmieren schließlich die Polizei.

„Es wird sehr kleinteilig ermittelt. Man muss sehen, was man aus den Hinweisen machen kann“, sagt Isabel Wenzel. Auch Befragungen im Dorf Plüschow haben wenig Erhellendes gebracht. Die Ermittlungen laufen laut Polizei in alle Richtungen. Isabel Wenzel: „Je weniger Infos es gibt, desto schwieriger ist es.“ Noch sei deshalb auch nicht klar, ob der Wagen des Täters aus einem anderen Bundesland als Mecklenburg-Vorpommern stammt, wie es ursprünglich angenommen worden war.

Die Mädchen entgingen Schlimmerem, auch weil sie in der Grundschule, die sie bis vor einem Dreivierteljahr besuchten, in Kursen entsprechend aufgeklärt worden waren, was in solch einem Fall zu tun ist. Allerdings sorgen solche Kurse bisweilen manchmal dafür, dass Kinder Situationen anders einschätzen. So hat sich beispielsweise die versuchte Entführung eines 15-Jährigen in Dummerstorf am selben Wochenende als Fehlschluss herausgestellt. Der dort gesuchte Täter hatte sich der Polizei gestellt und versichern können, dass es sich nicht um einen Übergriff gehandelt habe, hieß es von der Polizei. „Auch wenn so etwas vorkommt. Jeder Fall wird von uns sehr ernst genommen. Es wird mit Hochdruck daran weitergearbeitet“, sagt Isabel Wenzel.

Im Fall Plüschow geht die Polizei davon aus, dass die Schilderungen der beiden Mädchen den Tatsachen entsprechen. Auch wenn es bislang keine verwertbaren Zeugenaussagen gibt, bis auf den Umstand, dass mehrere Nachbarn die Schreie der Mädchen gehört hatten.

„Aber gesehen hat leider niemand etwas“, sagt Sandy Knauff, die Mutter von Frieda. Auch drei Wochen nach dem Vorfall sind die Mädchen immer noch traumatisiert. „Frieda kann nicht allein bleiben, wir haben inzwischen einen Fahrdienst, der die Mädchen zur Schule bringt und wieder abholt, organisiert. Es ist für alle von uns eine völlig neue Situation.“

Das berichtet auch Martina Schulz, die Mutter von Paula. „Auf den ersten Blick merkt man es ihr nicht an, aber wir können sie nicht einen Moment allein lassen, sie hat immer noch Angst.“ Inzwischen waren Betreuer des Weißen Rings bei den beiden Familien. Der Verein kümmert sich um Opfer von Verbrechen. Über die Organisation haben die Mädchen einen Termin in der Schweriner Klinik bekommen, um die Traumata behandeln zu lassen. Denn der Überfall hat Spuren in den Köpfen hinterlassen. „Die Ferien waren schon eine Herausforderung für uns“, sagt Sandy Knauff. „Es muss immer jemand bei ihr sein.“

Die Eltern hoffen darauf, dass sich auch jetzt noch Hinweise auf den mutmaßlichen Täter finden. „Auch wenn wir im Dorf schon jeden gefragt haben, vielleicht erinnert sich ja doch jemand an den Wagen“, so Sandy Knauff. Es handelt sich dabei um einen silber- beziehungsweise bronzefarbenen VW-Van.

Zeugen gesucht
Die Polizei fahndet mittlerweile mit Phantombildern. Der mutmaßliche Täter soll männlich, 25 bis 30 Jahre alt und etwa 1,75 Meter groß sein. Er trug am Tag des Vorfalls einen Drei-Tage-Bart und eine viereckige Brille mit blauem Rahmen. Bekleidet war er mit einer Jeans und einer schwarzen Lederjacke.
Das Auto soll silber- oder bronzefarben sein und einem VW Sharan (Van) ähneln. Nach Angaben der Mädchen soll der Wagen mit einer Werbeaufschrift aus dem Bereich Friseur oder Haare versehen gewesen sein.
Zeugen werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium Rostock unter der Telefonnummer 0382 08/8882222 oder mit jeder anderen Polizeidienstelle in Verbindung zu setzen.



Robert Niemeyer und Michael Prochnow