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00:01 24.02.2016
Ich war die ganze Zeit über sehr traurig und sogar kurz vor dem Weinen.“Janine Miekley (19), Berufsschülerin
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Ein Blick auf das Handy oder einmal vergessen, sich anzuschnallen: Ein solcher Fehler kann das Leben im Bruchteil einer Sekunde ändern oder beenden. „CrashKurs MV“ nennt sich das Verkehrssicherheitsprojekt der Polizei, das gestern die Schüler der Beruflichen Schule Wirtschaft der Hansestadt Rostock sichtlich tief berührte.

Entsetzte Blicke auf die Leinwand im Saal der Krusensternschule. Mit Tränen in den Augen ringen die jungen Leute um Fassung. Neun weiße Kreuze auf jeweils einem leeren Stuhl symbolisieren die jugendlichen Verkehrstoten des vergangenen Jahres. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Notfallseelsorger sind in die Schule gekommen und haben Videos, Fotos und ihre Erfahrungsberichte mitgebracht.

Mit drastischen Bildern der Patientin Nicki schockt Dr. Gernot Rücker, Notfallarzt von der Rostocker Uni-Klinik, das Publikum. Er hat das Mädchen monatelang betreut, nachdem es wegen Unachtsamkeit und zu schnellen Fahrens einen schweren Verkehrsunfall hatte. „Bei vollem Bewusstsein hat sie mit halb abgerissenem Bein auf Rettung gewartet“, sagt er. Der Hubschrauber musste seinen Landeplatz finden, sie wurde aus dem Auto geholt und kam im Krankenhaus in den Schockraum. Aufgewacht aus der Narkose sei sie mit einem verkürzten Bein und etlichen Schrauben in ihrem Körper. Weil sie einmal nicht aufgepasst habe, hat sich das Leben für das Mädchen und ihre Angehörigen komplett verändert. Rücker habe immer noch Kontakt zu seiner Patientin und immer die selben Bilder im Kopf, wenn er die Unfallstelle passiert. „Jeder Crash-Kurs, den wir durchführen, bedeutet eine neue Aufarbeitung der Erlebnisse — für uns alle“, so Rücker, der schon bei sämtlichen Kursen seine Erfahrungen schildern konnte.

Auch das persönliche Schicksal von Kriminalpolizist Ottmar Saffan berührt: Er lieh seinem Sohn Manuel (27) sein 185-PS-Motorrad, mit dem dieser tödlich verunglückte. Die 22-jährige Berufsschülerin Sarah Schwarz kann mitreden: „Meine Mutter hatte einen schweren Verkehrsunfall, deswegen fahre ich generell schon vorsichtig.“

Die Schüler sollen bei den regelmäßigen Crash-Kursen keineswegs verängstigt werden, sondern lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die Veranstaltung soll dabei helfen, dass es erst gar nicht zu Unfällen kommt, die vermeidbar gewesen wären. „Uns geht es vor allem darum, junge Verkehrsteilnehmer für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Und diese Gefahren sind eben nicht Bußgeld oder Fahrverbot — sondern Schwerverletzte und Tote“, so Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Verursachten im Jahr 2014 fünf junge Menschen tödliche Verkehrsunfälle, waren es zwölf im vergangenen Jahr.

Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen tödlich verunglückten, stieg von 83 im Jahr 2014 auf 89 im vergangenen Jahr. Nach der Veranstaltung verlassen viele Berufsschüler schweigend und aufgewühlt den Raum. „Man nimmt sehr viel mit. Ich war die ganze Zeit sehr traurig und sogar kurz vorm Weinen“, so die 19-jährige Janine Miekley.

Das Präventionsprojekt „CrashKurs“ entstand nach dem Kölner Vorbild und ging schließlich im Jahr 2013 in Mecklenburg-Vorpommern an den Start. Bisher wurden in MV bereits 31 Veranstaltungen durchgeführt. Für 2016 sind weitere elf Kurse für die jungen Fahranfänger geplant. Nachdem Rostock gestern den Auftakt für dieses Jahr machte, wird der nächste „CrashKurs“ dann am 10. März in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums in Neubrandenburg stattfinden.

Aktuelle Informationen gibt es unter www.crashkurs-mv.de.



Julia Graßmann

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