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Aktuelle Beiträge Streit ums Ikuwo spitzt sich weiter zu
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22:04 06.07.2018
Das Ikuwo in der Goethestraße gibt es seit 17 Jahren. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Die Diskussion um die Rolle des Internationalen Kultur- und Wohnprojekts (Ikuwo) Greifswald schlägt weiter hohe Wellen in der Hansestadt. In einem kürzlich veröffentlichten Schreiben haben zahlreiche Einwohner, Vereine und politische Verbände ihre Unterstützung für das Ikuwo festgehalten und den unsachlichen Umgang mit den Vorfällen in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni kritisiert. Damals war ein 25-jähriger Verbindungsstudenten vor dem Ikuwo geschlagen worden, ausserdem wurde ihm sein Verbindungsband gestohlen. Die Täter flüchteten nach seiner Aussage in Richtung Ikuwo. Für Diskussionen sorgte die Tatsache, dass den eintreffenden Polizeibeamten der Zutritt zum Ikuwo verwehrt worden war.

Unterstützung für das Ikuwo auch aus der Bürgerschaft

CDU und Afd veröffentlichten daraufhin Ikuwo-kritische Stellungnahmen, Axel Hochschild (CDU) stellte eine kleine Anfrage an die Stadtverwaltung in der er unter anderem wissen will, welche finanziellen Verbindungen zwischen Stadt und Ikuwo bestehen, ob Beschwerden gegen das Projekt vorliegen und ob sich der Verein der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichte.Dieses Vorgehen erzürnt die Verfasser des Unterstützungsschreibens, zu denen unter anderem die Politiker Gregor Kochhan (Alternative Liste), Ulrike Berger (Grüne), die Bürgerschaftsfraktion der SPD Greifswald, der Nabu Greifswald und das Studierendenparlament der Universität Greifswald zählen. „Vielmehr hat es den Anschein, dass nur auf einen passenden Auslöser gewartet wurde, um die eigene Antipathie gegen das Ikuwo zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in dem Schreiben. „Wir finden es bedenklich, wenn politische Vertreter und Vertreterinnen fast schon kampagnenartig gegen einen Verein hetzen, der für sein kulturelles und politisches Engagement in Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern bekannt und anerkannt ist.“ Das Engagement, das diese Stadt und die Region so dringend brauche, solle stattdessen mit Respekt, Wertschätzung und Unterstützung gewürdigt werden. Die Stellungsnahmen von AfD und CDU, sowie die Anfrage zum Ikuwo von Axel Hochschild seien unsachlich, polemisch und diffamierten das Ikuwo, hieß es weiter.

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CDU wirft Bürgerschaftsmitgliedern undemokratisches Verhalten vor

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild reagierte prompt mit einer Pressemitteilung. „Es zeigt sich mal wieder deutlich, wessen Geistes Kindes die Grünen und Linken tatsächlich sind“, so der Politiker. Greifswald für alle habe es noch vor einigen Jahren geheißen, nun gehe es nur noch um „Greifswald für alle Linken“. „Dass Herr Kochan und Frau Berger nicht verstanden haben, dass Sachbeschädigung und Angriffe keine Äußerungsformen der Demokratie sind, ist uns ja nicht erst seit den Übergriffen auf den Verbindungstudenten bekannt“, so Hochschild. „Dass jedoch selbst die Bürgermeisterfraktionen von Bündnis 90/Grüne, SPD sowie das Bürgerschaftsmitglied der AL, Dr. Rose, den demokratischen Weg verlassen und die CDU Bürgerschaftsfraktion wegen der Anwendung eines demokratischen Mittels verunglimpfen, ist neu.“ Er habe gehofft, dass es bei allen Meinungsverschiedenheiten in der Greifswalder Bürgerschaft immer noch um das Wohl Greifswalds gehe. „Die Erklärung zum Ikuwo zeigt, dass Grüne, Linke und SPD daran wohl kein Interesse mehr haben.“

Ikuwo informiert auf seiner Internetseite über einige Anfragepunkte

Auf die offizielle Beantwortung seiner Fragen von Seiten der Verwaltung wird Hochschild allerdings noch etwas warten müssen. Es wurde um eine Fristverlängerung gebeten. Mit einer Antwort ist nun vermutlich am 11. Juli zu rechnen. Das Ikuwo veröffentlichte derweil auf seiner Internetseite eine eigene Beantwortung der Fragen Hochschilds. Hier informiert der Verein zum Beispiel darüber, dass weder die Stadt Greifswald noch der Landkreis Mitglied im Ikuwo sind. Der Verein betont auch, dass es keine Förderung von Seiten der Stadt für die Veranstaltung am 9. Juni gegeben habe, auch öffentliche Fördermittel seien seit dem Erwerb des Hauses im Jahr 2011 nicht in das Projekt Ikuwo geflossen. Ob es in der Vergangenheit Straftaten im Zusammenhang mit dem Ikuwo gegeben habe, sei dem Verein nicht bekannt. Stattdessen wird in der Stellungnahme auf eine andere Bilanz verwiesen, die in den Augen der Vereinsmitglieder strafrechtlich interessant sei. Es habe wiederholte Morddrohungen gegen Vereinsmitglieder gegeben, einen Brandanschlag auf das Ikuwo im Jahre 2011, Hakenkreuzschmierereien, einen Farb- und Buttersäure-Anschlag auf die Fassade, einen abgebrannten Rollstuhllift sowie eingeworfene Fensterscheiben.

Anne Ziebarth