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Promis Joko über den Klimaschutz: „Es braucht noch massiv mehr Protest“
Nachrichten Promis Joko über den Klimaschutz: „Es braucht noch massiv mehr Protest“
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09:04 11.09.2019
Moderator Joko Winterscheidt.
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Joko Winterscheidt ist einer der populärsten Moderatoren Deutschlands. Mit Kollege Klaas Heufer-Umlauf geht er in seinen Sendungen oft an persönliche Grenzen – und darüber hinaus. Im RND-Interview spricht Winterscheidt darüber, wo diese Grenzen liegen, wie es ist, als berufsjugendlich zu gelten, und über Nachhaltigkeit.

Herr Winterscheidt, wollen wir beim Sie bleiben, oder werden Sie lieber geduzt?

Auf jeden Fall lieber du. Beim Sie bin ich noch nicht.

Nervt es nicht, wenn man mit 40 Jahren immer noch als der ewige Berufsjugendliche gilt?

Überhaupt nicht. Den Podcast, den ich mit Paul Ripke zusammen mache, haben wir aus guten Gründen „Karrierepodcast für Berufsjugendliche“ genannt. Wenn ich zum Beispiel den 40. Geburtstag meines Vaters als Referenz nehme, erinnere ich mich daran, dass ich da damals ein kleines Kind war, und – Entschuldigung – da saßen lauter alte Menschen. Jetzt bin ich selbst dieses Jahr 40 geworden, und ich habe noch lange nicht das Gefühl, tatsächlich so alt zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass man sich gut ernährt hat und deshalb körperlich fit ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass man im Geist offen geblieben ist. Die Flut von Informationen ermöglicht es einem heute, ständig den eigenen Horizont zu erweitern – wenn man das denn möchte.

Gehen wir also zum Du über. Erst vor einigen Wochen wurdest du von der Fridays-for-Future-Bewegung als Redner eingeladen. Hat das möglicherweise auch etwas damit zu tun, dass du dich von deren Generation noch nicht so weit entfernt hast?

Ich hatte schon länger Kontakt mit Luisa Neubauer, obwohl man den Protest nicht auf eine Person reduzieren sollte. Fridays for Future ist für mich eine unglaubliche Bewegung, die in meinen Augen auch komplett richtig ist. Die Einladung kam so zustande, dass wir uns in der Redaktion meines Magazins „JWD“ (Anm. d. Red.: „Joko Winterscheidts Druckerzeugnis“, wird laut "Meedia" Ende des Jahres eingestellt) darüber einig waren, dass wir Fridays for Future mehr Aufmerksamkeit geben wollen. Ich habe mich deshalb wahnsinnig gefreut, die Jugendlichen kennenzulernen, und war sprachlos, was das für eine riesige Organisation ist und wie unfassbar erwachsen da teilweise schon 17-Jährige sind. Da kann ich mit meinen 40 Jahren nach Hause fahren.

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Du hast auf dem Kongress gefordert, es müssten sich alle für den Klimaschutz einsetzen, nicht nur die Jugendlichen. Hat dich die anschließende Kritik daran überrascht?

Egal, wie groß die Kritik ist, ich habe mich da hingestellt, ich hab’s gesagt, ich werd’s nicht zurücknehmen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass es noch massiv mehr Protest braucht. Es müssen im Grunde alle da rausgehen. Gefühlt seit einem Jahr demonstrieren vor allem Schüler für den Schutz unseres Klimas, obwohl es sich dabei um ein gesamtgesellschaftliches Thema handelt, das eigentlich alle angehen sollte. Mir ist mittlerweile klar, dass ich das nicht nur den Schülern überlassen kann, sondern auch ich muss ein Teil der Bewegung werden. Wahrscheinlich ist den wenigsten klar, wie viel Druck man aushalten muss, wenn man sich mit einem solchen Satz in die Öffentlichkeit stellt.

Was hast du in deinem Alltag konkret verändert?

Ich versuche, soweit es geht, Flüge zu vermeiden. Das ist durchaus auch möglich, auch wenn es immer mal wieder Tage gibt, die einfach zu komplex dafür sind. Aber ich werde besser in meiner Organisation. Mein Ziel ist es, innerdeutsch gar nicht mehr zu fliegen. Wenn ich aber doch irgendwo hinfliegen muss, weil es einfach nicht anders geht, dann kompensiere ich das über einen freiwilligen Klimaschutzbeitrag an Organisationen wie beispielsweise Atmosfair. Das macht es nicht besser, aber es schärft mein Bewusstsein für den Schaden, den ich damit anrichte. Jeder Flug, den man nicht antreten muss, ist gut und richtig. Es gibt so viele kleine Bausteine, die jeder umsetzen kann.

Im Doppel sehr erfolgreich: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Ist eine gesamtgesellschaftliche Bewegung denn realistisch?

Ich will niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hat, und wenn jemand es sich nicht leisten kann, freitags auf die Straße zu gehen, weil er beispielsweise in der Pflege arbeitet und dann Hilfsbedürftige zurücklassen würde, dann bin ich der Letzte, der das nicht versteht. Viele gehen aber auch während der Arbeit mal zum Arzt. Wenn der Chef das zulässt, dann sollte man auch mal in der Firma fragen, ob man nicht fürs Klima auf die Straße gehen kann. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass viele Menschen sich einfach aus Bequemlichkeit heraus eher gegen die Bewegung und die, die sich dafür engagieren, stellen, als sich zu fragen: „Was konkret kann ich dafür leisten?“

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Was auch etwas mit Klimaschutz zu tun hat, ist Deine Firmengründung Sushi-Bikes. Was hat es damit auf sich?

Ein Bekannter berichtete mir von Andy Weinzierl und seinem Projekt, ein E-Bike zu entwickeln, das bezahlbar ist, gut aussieht und möglicherweise zu einem Gamechanger in dem ganzen Markt der Elektrofahrräder werden könnte. Dann haben wir uns kennengelernt und ich fand die Idee einfach überzeugend, mit einem E-Bike mit einer Reichweite von 40 Kilometern eine echte Alternative für die Menschen in der Stadt zu schaffen. In der Stadt braucht man eben nicht das 600-PS-SUV, es reicht auch ein Smart – oder besser ein Sushi-Bike. Unser Wunsch ist es, Pendler mit kurzen Wegen weg vom Auto aufs Fahrrad zu bekommen, um damit viele CO2-Fußabdrücke zu verkleinern. Wenn man das Projekt mithilfe meines Namens größer machen und zum Erfolg führen kann, dann war es die richtige Entscheidung, sich dafür zu engagieren.

Könnte ich schon eins kaufen?

Klar. Wobei nur das produziert wird, was bestellt wird. Dadurch kommt es vielleicht zu Wartezeiten, aber dafür weiß man auch, dass keine unnötigen Transportwege generiert werden oder Müll produziert wird, den später keiner haben will.

Bist du schon mal E-Scooter gefahren?

Ich bin tatsächlich schon mal mit einem gefahren, weil ich neugierig war und es ausprobieren wollte. Doch ich merke da vielleicht auch wirklich mein Alter: Teilweise fahren die auf der Straße und das alles ohne Helm – zu gefährlich. Wenn ich dann auch noch lese, dass sie nur ein halbes Jahr den Belastungen standhalten und dann entsorgt werden müssen, wird da eine Menge Technikschrott produziert.

Du machst die Zeitschrift „JWD“, die E-Fahrräder und Mode, und du vertreibst Wein.

Mode mache ich nicht mehr. Das Ding ist gegen die Wand gefahren, weil wir entweder unserer Zeit voraus waren oder zu hässliche Sachen gemacht haben. Wein, Gin und Wodka mache ich. Ich bin sehr umtriebig, falls du darauf hinauswolltest.

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Ist Fernsehen denn nur noch eines von vielen anderen Hobbys?

Keine der Beteiligungen ist ein Hobby und vor allem nicht das Fernsehen, das ist mein Hauptberuf. Ich habe mit Klaas Heufer-Umlauf zusammen eine Produktionsfirma, wo wir mit wunderbaren Menschen zusammenarbeiten. Mitarbeiter klingt immer falsch, weil es mehr eine Familie ist, die wir da haben. Das ist das, wo ich mich kreativ komplett austoben kann. Und mit unserem Sender Pro7 haben wir einen Partner in Crime gefunden, mit dem wir schon beinahe verheiratet sind.

Gemeinsam mit Klaas Heufer-Umlauf hattest du erst vor Kurzem eine ziemlich aufsehenerregende Viertelstunde bei Pro7. Ihr habt nach einer gewonnenen Wette gegen den Sender Menschen auf die Bühne geholt, die in der Regel keine Sendezeit bekommen. War es schwer, Pro7 dafür zu gewinnen?

Man muss dazu sagen, dass der Sender vorher nicht wusste, was wir vorhaben. Als wir das Format konzipiert haben und irgendwann sagten: „Wenn ihr verliert, dann dürfen wir machen, was wir wollen“, war es kurz mal still am Tisch. Zehn Minuten nach der Ausstrahlung hat der Sender uns dann spontan gefragt, ob es uns stören würde, wenn entgegen allen Absprachen die Viertelstunde auf Youtube hochgeladen und auf allen Social-Media-Kanälen verlängert wird. Das zeigt, dass Pro7 da genauso tickt, wie wir ticken.

Ihr habt einer Rettungsschiffkapitänin, einem Obdachlosenhelfer und Birgit Lohmeyer, die sich seit Jahren in ihrem Dorf Jamel gegen rechts starkmacht, Sendezeit geschenkt. Warum ausgerechnet diese drei?

Die Frage hat sich so eigentlich nicht gestellt. Wir haben einfach drei Bereiche gesucht, die für uns relevant sind und die auch gesellschaftlich relevant sind. Unser Ziel war, diesen Menschen auf einem Sender wie Pro7, wo man das vielleicht nicht sofort erwartet, eine Plattform zur besten Sendezeit zu geben. Wir wollten aber, dass nicht über etwas gesprochen wird, sondern die Personen, die mittendrin und betroffen sind, reden dürfen. Diese drei Themen haben uns am meisten beschäftigt in dem Moment.

Wie sahen die Reaktionen aus?

Im Internet größtenteils positiv, aber natürlich findest du immer Menschen, die sich damit nicht identifizieren können und uns vorwerfen, wir hätten Europa verraten. Aber mein Gott, nur weil Leute lauter schreien, haben sie eben nicht unbedingt recht. Und nur weil Menschen aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund gegen etwas sind, werde ich nicht aufhören, für etwas zu sein, was ich für richtig und wichtig erachte. Im Gegenteil, je mehr Gegenwind, desto wichtiger ist es, sich klar zu positionieren.

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Du bist schon seit Jahren gemeinsam mit Klaas Heufer-Umlauf extrem erfolgreich. Konntet ihr euch selbst je die Frage nach dem Geheimnis eures Erfolges beantworten?

Das ist immer schwierig, das zu beantworten, wenn man selbst drinsteckt. Gleichzeitig ist die Erwartungshaltung, die man selbst an sich hat – auch vor dem Hintergrund, dass die mediale Nutzung sich so stark verändert – immer noch dieselbe wie vor ein paar Jahren.

Ihr seid auch dafür berühmt geworden, immer wieder die eigenen Grenzen auszutesten. Wo liegt deine persönliche Grenze, und hat sich diese vielleicht auch mit dem Älterwerden verändert?

Sicherlich frage ich mich heute schon manchmal, wie ich jemals den Mut aufgebracht habe, mir für „Joko und Klaas – Das Duell um die Welt“ den Mund zunähen zu lassen. Den Moment kann man einfach nicht erklären, ich mir auch selbst nicht. Wie eine komische andere Ebene, die sich über die Entscheidungen gelegt hat, die ich dann nicht mehr beeinflussen konnte. Ganz bizarr. Aber natürlich gibt es Dinge, die ich nie tun würde. Ich würde zum Beispiel niemals auf eine Bühne gehen und gegen die Grundsätze des gesunden Menschenverstandes oder der Ethik verstoßen.

Der Tabubruch gehört für euch trotzdem dazu.

Ja, aber es gibt beispielsweise kein Gesetz, in dem steht, dass man sich nicht den Mund zunähen lassen darf. Diese Form der Bodymodificationszene gibt es in fast jeder Stadt. Das kann man natürlich ignorieren, oder man begibt sich in diese Szene und zeigt einen Teil davon. Das sind die spannenden Momente: wenn man die eigene Komfortzone verlässt. Ich glaube, dass das viel mit mir selbst gemacht hat. Ich bin dadurch ein wesentlich offenerer und freierer Mensch geworden.

Und sollte Fernsehen Grenzen haben?

Natürlich gibt es gewisse Werte, die mein Leben bestimmen und sich in meinem Handeln wiederfinden. Auf der anderen Seite gibt es Tausende Menschen mit anderen Werten, über die ich gar nicht urteilen möchte. Und für genau diese Menschen ist dieses eine Programm möglicherweise genau richtig, auch wenn es für mich total abstoßend ist.

Hast du ein Beispiel?

Man muss sich nur gewisse Castingshows anschauen, aus denen noch nie ein Star hervorgegangen ist, in denen aber trotzdem monatelang mit eben genau diesem Traum der Teilnehmer gespielt wird. Wenn Menschen vorgeführt und benutzt werden, um im TV Geld mit ihnen zu verdienen, dann gehört ein großes Fragezeichen an die Show.

Von Nora Lysk/RND

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