Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Nachrichten Ska Keller fordert Abkehr von „absurder EU-Agrarpolitik“
Nachrichten Ska Keller fordert Abkehr von „absurder EU-Agrarpolitik“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:28 08.04.2019
Franziska (Ska) Keller stellte sich den Fragen von OZ-Chefredakteur Andreas Ebel und von Zuschauern. Quelle: Frank Söllner
Anzeige
Rostock

Mit einem klaren Bekenntnis zu einer nachhaltigen europäischen Landwirtschaft hat die Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller am Sonntag die Reihe der OZ-Foren zur Europawahl eröffnet. Dabei scheute sie auch nicht vor Positionen zurück, die bei vielen Bauern in MV kritisch gesehen werden: „Es ist absurd, Geld nur dafür zu bezahlen, dass jemand Land besitzt“, sagte Keller mit Blick auf die bisherige Förderpolitik, die sich vor allem an der Größe der Flächen bemisst. Dies sei das Kernproblem der EU-Agrarpolitik Eine Abkehr davon könnte vor allem die großen Betriebe in Ostdeutschland hart treffen.

Doch Keller zeigte sich kämpferisch: „Wir müssen in der Landwirtschaft neu denken.“ Sie bezog sich dabei auch auf die aktuelle Meldung, dass die weltweite Getreideernte im vergangenen Jahr nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Als Grund dafür wird unter anderem die Dürre 2018 in Europa genannt. „Das zeigt, dass der Klimawandel real ist und wir mehr dagegen tun müssen“, so Keller.

Gutes Essen für Alle

Ein wichtiger Schritt wäre daher die Abkehr von der Flächenförderung hin zu einer Unterstützung für Landwirte, die etwas für die Umwelt tun und dabei auch Arbeitsplätze schaffen. Die so produzierten gesunden Lebensmittel müssten für jeden erschwinglich bleiben, betonte Keller: „Wenn es mehr Förderung für nachhaltige Landwirtschaft gibt, muss es auch nicht teurer werden.“ Andererseits gehe es ihr auch um Wertschätzung: „Wollen wir billiges oder gutes Essen?“ Beim Thema Pflanzenschutz zeigte sich die Grüne resolut: „Stoffe, die Menschen schaden, müssen verboten werden, sei es im Baby-Spielzeug oder im Essen.“

Kleine Strukturen in der Landwirtschaft will Keller unterstützen: „Jungbauern, die sich etwas aufbauen wollen, finden heute keine Flächen mehr. Wir brauchen daher mehr Regeln dazu, wer Land kaufen darf“, sagte sie angesichts der zunehmenden Spekulation mit Anbauflächen. Dabei brachte Keller auch ein Vorkaufsrecht für ortsansässige Landwirte auf angrenzende Flächen ins Spiel. Auch in der Fischerei müssten die kleinen Fangunternehmen gestärkt werden, die in hiesigen Gewässern stark reguliert würden, während große Trawler bis nach Afrika führen, wo sie den Einheimischen den Fisch wegfangen. „Da läuft etwas ganz prinzipiell schief“, so die 37-Jährige.

Konkreter Klimaschutz

Beim Thema Klimaschutz stellte sich Keller hinter die Schüler- und Studenten-Initiative „Fridays for Future“: Auf die Frage von OZ-Chefredakteur und Moderator Andreas Ebel, ob diese Kampagne etwas bewirken könne, antwortete sie: „Absolut. Zumindest haben die Teilnehmer erreicht, dass keiner mehr an dem Thema vorbeikommt.“ Das könne aber nur der erste Schritt sein: „Was wir jetzt brauchen, sind ganz konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz.“

In der Migrationsdebatte trennte Keller zunächst zwischen Flucht und Einwanderung: „Wenn Menschen vor Krieg und Verfolgung flüchten, müssen sie geschützt werden, das steht für mich außer Frage.“ Bei der Einwanderung, etwa von Arbeitskräften, sei dagegen jedes Land selbst verantwortlich zu entscheiden, wie viele Menschen es hereinlassen will. Zur Integration von Flüchtigen sei es wichtig, sich gegenseitig besser kennenzulernen, um Vorurteile und diffuse Ängste abzulegen.

Ein bisschen weniger Drama

Sorgen machen Keller undemokratische Entwicklungen in mehreren EU-Staaten: „Früher haben wir gedacht, wenn ein Land der EU beitritt, können wir ein Haken hinter das Thema Rechtsstaatlichkeit machen. Heute merken wir, dem ist nicht so.“ Die EU müsse daher in der Lage sein, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in allen Mitgliedsländern durchzusetzen. Auch beim Brexit gelten laut Keller alte Regeln nicht mehr: „Bei Problemen gab es immer die Annahme: ,Die setzen sich zusammen und finden schon eine Lösung.’ Aber auch das ist nicht immer so.“ Die Fraktionsvorsitzende im EU-Parlament plädiert grundsätzlich für mehr Vernunft im Brexit-Gerangel: „Ein bisschen weniger Drama würde schon helfen.“

Axel Büssem

Bei Rechlin hat am Sonntag eine etwa 400 Quadratmeter Wald- und Ödlandfläche gebrannt. Laut Polizei war Feuerwehr mit 24 Kameraden im Einsatz. Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Die Höhe des Sachschadens war zunächst nicht bekannt.

08.04.2019
Nachrichten Südamerikanische Riesenvögel in MV - Paarunsgsfreudige Nandus erfreuen Touristen

Nandu-Safari in Mecklenburg-Vorpommern: Ausflügler kommen zum Ratzeburger See, um die einzige wildlebende Population der südamerikanischen Laufvögel in Europa zu sehen. So mancher stapft dafür über Felder und Weiden. Der Ärger der Bauern ist groß.

25.03.2019

Wegen rechtsextremistischer Bestrebungen wird die AfD ein Fall für den Verfassungsschutz. Die Ankündigung des Bundesamts für Verfassungsschutz, die Partei zum so genannten Prüffall zu erklären, sorgt in MV für ein geteiltes Echo.

15.01.2019