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Wirtschaft Zusammenarbeit zwischen VW und Amazon kostet Jobs
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18:10 27.03.2019
Der Versandhändler Amazon und der Autoabeur VW schlossen eine langfristige Partnerschaft. Quelle: dpa/Fassbender/Stratenschulte
Wolfsburg

Zwei Weltkonzerne verbünden sich: Volkswagen heuert den Internet- und Logistikdienstleister Amazon an, um seine weltweit 122 Fabriken besser miteinander zu vernetzen. In einem Online-Dienst sollen Daten sämtlicher Maschinen, Anlagen und Systeme zusammengeführt werden. Erklärtes Ziel der Konzernspitze: die Produktivität der Werke steigern.

Vernetzung durch Cloud-Dienst

Bislang werden an den verschiedenen Produktionsstandorten von VW unterschiedliche Software-Systeme eingesetzt – eine zentrale Übersicht über Auslieferungen und Montagebänder fehlt.

Auf den Amazon-Servern sollen Maschinen und Daten innerhalb einer „Industrial Cloud“ vernetzt werden und von überall einsehbar sein. Lieferengpässe und etwaige Störungen ließen sich so schneller erkennen.

Druck vom VW-Chef

VW-Konzernchef Herbert Diess hatte vor Kurzem angekündigt, bis 2025 die Produktivität im gesamten Fabriknetzwerk – mit Ausnahme von China – um 30 Prozent erhöhen zu wollen. In der vergangenen Woche hatte Diess auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg gesagt, VW sei „im Wettbewerbsvergleich in unseren Fabriken und in der Verwaltung langsamer und weniger produktiv“. Die Traditionsfirma müsse „schlanker, beweglicher, schneller werden“.

Lesen sie auch: Die Zukunft von VW entscheidet sich in China

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer bewertet die neue Partnerschaft positiv: „Es ist ein sinnvoller und richtiger Schritt. Die Präzision der Werke und die Produktqualität werden dadurch besser, Kosten lassen sich reduzieren“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Für den Kunden würden sich dadurch Vorteile ergeben. „Die Zuverlässigkeit steigt. Kunden- und Auslieferungswünsche können schneller erfüllt werden.“

Dudenhöffer sieht Arbeitsplätze in Gefahr

Die erhöhte Effizienz werde allerdings Arbeitsplätze kosten, prognostiziert der Verkehrswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. „Die Lieferketten werden enger, die Produktion genauer, aber die Menschen werden weniger.“

Auch Diess machte jüngst klar, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten werde. Im Bereich der Cloud-Dienste kooperiert VW bereits mit Microsoft. Hier geht es jedoch vorrangig um Mobilitätsdienste und um autonomes Fahren.

Zuliefer sollen eingebunden werden

Die Zusammenarbeit mit Amazon ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Langfristig soll auch die globale Lieferkette von Volkswagen mit über 30000 Standorten von mehr als 1500 Zulieferern und in die „Cloud“ eingegliedert werden.

Zwar seien die tausenden Lieferanten meist virtuell an die VW-Werke angebunden und werden so mit Aufträgen versorgt, aber auch diese Systeme wären nicht einheitlich.

Neue Zentrale in Berlin

In Berlin wollen Amazon und VW nun ein gemeinsames „Industrial Cloud Innovation Center“ aufbauen – mittelfristig sollen rund 220 Experte an mehreren IT-Zentren von Volkswagen an dem Projekt arbeiten. Ziel ist es, die „Industrial Cloud“ sowie erste Services Ende 2019 in Betrieb zu nehmen.

Eingefädelt hatten Diess und Amazon-Chef Jeff Bezos das Geschäft offenbar in der vorigen Woche. Der VW-Boss hatte die „Mars“-Konferenz von Bezos besucht, bei der Technik-Experten aus aller Welt zusammenkamen. Diess postete ein Selfie auf dem Business-Netzwerk LinkedIn, auf dem beide Männer gut gelaunt in die Kamera lächeln.

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