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Wirtschaft Stundenlang warten auf nächsten Zug: Neuer Intercity verärgert Rostocker Pendler
Nachrichten Wirtschaft Stundenlang warten auf nächsten Zug: Neuer Intercity verärgert Rostocker Pendler
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21:10 07.11.2019
So sehen die neuen Züge der Baureihe „Kiss“ aus. Sie werden aber erst ab 8. März planmäßig auf der neuen IC-Strecke Rostock-Berlin-Dresden eingesetzt. Quelle: DB AG
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Rostock

Am 15. Dezember rollt der neue und lange ersehnte Intercity (IC) Rostock-Berlin-Dresden erstmals über die Gleise. Manche Pendler können sich darüber nicht so sehr freuen – trotz nur noch zwei Stunden Fahrtzeit zwischen Berlin und Rostock, 39 Minuten weniger als der Regionalexpress (RE) benötigt. Für Unmut sorgen die Abfahrtzeiten ab Rostock. Weil beide Züge, IC und RE, jeweils im Zweistundentakt unterwegs sind, wäre eine Abfahrt in Richtung Hauptstadt zur jeden vollen Stunde möglich. Zumindest in der Theorie.

Tatsächlich schließt der IC aber stets 14 Minuten vor dem Regionalexpress seine Türen. Zum nächsten Zug mit Halt in Waren an der Müritz, Neustrelitz und Berlin müssen Bahnkunden 106 Minuten warten. Im morgendlichen Berufsverkehr gab es diese Lücke bisher nicht. Um 7.23 Uhr fuhr bisher ein Intercity auf der Strecke, etwa eine Stunde vor und nach dem Regionalexpress. Doch diese Verbindung fällt Mitte Dezember weg.

Lücke verärgert Pendler

„Das Angebot wird dadurch massiv schlechter“, kritisiert Christian Bahls. Noch pendelt der Rostocker täglich zur Arbeit nach Neustrelitz, ins Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Mit dem Winterfahrplan will er nur noch am Wochenende nach Hause fahren. Denn ohne den 7.23-Uhr-Zug säße er entweder eine Stunde zu früh oder eine Stunde zu spät im Büro. Eine kleine Wohnung in Neustrelitz hat Bahls, der sich als Wissenschaftler beruflich mit Mobilität beschäftigt, schon. Er wird nicht der Einzige sein, für den die lang ersehnte Fernzugverbindung Rostock-Berlin-Dresden mit Enttäuschungen verbunden ist.

Die morgendliche Fahrplan-Lücke dürfte noch weit mehr Pendler treffen: Laut Statistischem Landesamt fahren etwas mehr als 1000 Rostocker zum Arbeiten nach Berlin. Wie viele davon den Zug nehmen, ist unbekannt. Im Regionalexpress RE5 werden nach Angaben des Schweriner Verkehrsministeriums jährlich eine Million Fahrgäste gezählt, die meisten nutzen ihn für Verbindungen innerhalb von MV.

Pro Bahn fordert bessere Abstimmung

Marcel Drews, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, findet die Lücke ebenfalls „unglücklich“. Er hofft, dass sie mit einem der nächsten Fahrpläne wieder geschlossen wird. „In der Gegenrichtung schafft die Bahn das ja auch“, sagt Drews. Von Berlin nach Rostock sind die Abfahrtzeiten von Intercity und Regionalexpress besser aufeinander abgestimmt.

„Die Angebotsänderungen in der Region führen für Fahrgäste mitunter zu einer Umstellung gewohnter Reiseverbindungen“, sagt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Die Ballung der Abfahrten von IC und RE in Rostock ließ sich nicht vermeiden. Grund dafür sind die unterschiedlichen Fahrtzeiten. Weil der Regionalexpress 39 Minuten länger unterwegs ist als der IC, erreichen beide Züge Berlin etwa mit einer Stunde Abstand. Das relativiere die eng zusammenliegenden Abfahrten, zudem seien so bessere Anschlüsse möglich.

Hamburg ist Pendler-Ziel Nummer eins

Knapp 76 000 Beschäftigte pendeln aus MV zur Arbeit in ein anderes Bundesland. Für Rostocker ist dabei Hamburg das häufigste Ziel, 1164 Rostocker arbeiten in der Alsterstadt, sowie 1067 in Berlin (Statistisches Landesamt, Stand Juni 2018). Hamburg liegt als Pendler-Arbeitsort auch in Schwerin, Nordwestmecklenburg und in Ludwigslust-Parchim vorn. In Vorpommern-Greifswald ist es Berlin (1252 Pendler), in Nordwestmecklenburg und im Landkreis Rostock Schleswig-Holstein (10 746 und 1179). Insgesamt arbeiten in Hamburg rund 11 500 Personen aus MV, in Niedersachsen sind es 8700, auf Platz drei folgt Berlin mit 7100.

Auch innerhalb von MV arbeiten viele nicht am Wohnort. Fast jeder sechste Arbeitnehmer aus Rostock ist im Landkreis Rostock beschäftigt, in der Gegenrichtung sogar mehr als jeder Vierte. Aus Vorpommern-Rügen wird am häufigsten nach Vorpommern-Greifswald gependelt und von dort an die Mecklenburgische Seenplatte.

Auch Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) betont die Vorteile des neuen Schnellzugs: „Uns war als Land wichtig, dass es wieder eine ständige Fernverkehrsverbindung von Rostock nach Berlin und zurück gibt. Dieses lang geforderte Ziel ist mit dem neuen Angebot zunächst erreicht.“ Insgesamt verbessere sich die Erreichbarkeit von MV auf dem Schienenweg deutlich.

Neue Züge erst ab März

In den vergangenen Tagen testete die Bahn die Wagen für die neue IC-Verbindung – gebrauchte Doppelstock-Triebwagen der Baureihe „Kiss“ des Schweizer Herstellers Stadtler. Die waren bislang für die österreichische Westbahn unterwegs. „Kiss“ steht für „komfortabler, innovativer spurtstarker S-Bahn-Zug“.

Zwischen Dresden und Rostock wird eine für den Fernverkehr umgebaute Variante eingesetzt, die bis zu 200 Stundenkilometer schnell fahren kann. Planmäßig werden sie aber erst ab 8. März eingesetzt, bis dahin fahren andere Züge. Ab Mai soll der neue IC auch am Flughafen Schönefeld halten, später auch am BER. Die komplette Strecke bis nach Dresden schafft der neue Zug in etwas mehr als vier Stunden – das ist fast zwei Stunden schneller als der Fernbus.

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Von Gerald Kleine Wördemann

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