Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Gewerkschafts-Chef: 26 Prozent mehr Lohn im Gastro-Gewerbe sind angemessen
Nachrichten Wirtschaft Gewerkschafts-Chef: 26 Prozent mehr Lohn im Gastro-Gewerbe sind angemessen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:55 04.09.2019
Die Tarifbindung in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu. Aber noch nicht genug, meint Stefan Körzell, Mitglied im Bundesvorstand Deutschen Gewerkschaftsbundes. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock

Beim Lohn ist Mecklenburg-Vorpommern noch immer Schlusslicht in Deutschland. Um das zu ändern, müssten mehr Beschäftigte nach Tarif bezahlt werden, meint Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, im Gespräch mit der OZ. Der 56-jährige Hesse schlägt den Tarifzwang für Firmen vor, die öffentliche Aufträge übernehmen oder Fördermittel bekommen.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Körzell, die Gewerkschaften kritisieren schon lange, dass viele Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern keinen Tariflohn bekommen, sondern oft deutlich weniger. Wie wollen Sie das ändern?

Körzell: Die Situation hat sich in Mecklenburg-Vorpommern bereits leicht verbessert. Laut Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarktforschung wurden 2018 47 Prozent der Beschäftigten nach Tarif bezahlt, ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Das gilt auch für die Betriebe. Hier sind mittlerweile 27 Prozent tarifgebunden, im Jahr davor waren es noch 24 Prozent. Da entwickelt sich etwas in die richtige Richtung. Wir wollen, dass die Tarifbindung weiter zunimmt, aber dafür muss auch die Politik ihre Versprechen einlösen.

Wie könnte das aussehen?

Körzell: Wir wollen zum Beispiel, dass staatliche Aufträge nur noch an Unternehmen vergeben werden, die tarifgebunden sind. Die neue EU-Entsenderichtlinie macht das rechtlich möglich. Das Gleiche muss auch bei Fördermitteln der EU gelten, etwa aus dem Europäischen Sozialfonds, durch die viel Geld nach Mecklenburg-Vorpommern kommt. Dass das Geld fließt, ist gut, aber der Staat darf dafür durchaus ein paar Bedingungen stellen. Zum Beispiel die Tarifbezahlung. Mecklenburg-Vorpommern ist hier schon auf einem guten Weg, mit seinem Vergabegesetz nach einem Mindestlohn, der automatisch an Tariferhöhungen angepasst wird. Aber jetzt muss es noch weitergehen.

Vor allem in der Tourismusbranche hätten viele Arbeitnehmer gerne höhere Einkommen. Wie wollen Sie denen helfen?

Körzell: Mecklenburg-Vorpommern ist das Tourismusland in Deutschland, das freut uns. Aber für das Tourismusland Nummer eins gehört es sich nicht, wenn man bei der Entlohnung die Rote Laterne hält. Deswegen unterstützen wir die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, die für den Nordosten eine Tarifsteigerung von bis zu 26 Prozent beziehungsweise 2,50 Euro mehr pro Stunde fordert.

Pflegeunternehmen geraten nach eigenen Angaben in Existenznot, weil die Personalkosten immer weiter steigen, Angehörige werden stark belastet. Das liege auch an den jährlichen Lohnerhöhungen. Wie lässt sich das lösen?

Körzell: Gerade in der Pflegebranche wird sehr viel Personal gesucht, in der Altenpflege fehlen 45 000 Fachkräfte. Gleichzeitig weigern sich viele private Unternehmen, Tarifverträge abzuschließen, die gute Lohn- und Arbeitsbedingungen garantieren. Um junge Leute für diese harte Arbeit zu gewinnen, muss man ihnen einen Lohn zahlen, der sie überzeugt, in diese Branche zu gehen – und die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. Die Tarifbindungen müssen von den Kostenträgern erstattet werden, hier muss es einen Ausgleich geben, damit es nicht zu Belastungen und schlechterer Versorgung kommt. Auch deswegen werben wir für bessere Löhne, damit mehr Geld in die Sozialkassen kommt.

Mehr zum Thema:

Der Osten holt auf: Menschen in MV haben wieder mehr Geld

Experten erwarten spürbare Rentenerhöhung für 2020

Streiks im Reinigungsgewerbe: Droht Rostock ein schmutziger Sommer?

Von Gerald Kleine Wördemann

Die Plastiktüte verschwindet aus Deutschland: Mit Karstadt Kaufhof hat eine weitere große Kaufhofkette den Verzicht angekündigt. Dass nun auch Modehändler mitmachen, halten Experten für ein gutes Zeichen.

02.09.2019

Vom Massenmarkt verdrängt, in der Nische auf dem Vormarsch: Musikkassetten, Retro-Konsolen oder Polaroid-Kameras aus den 80ern und 90ern liegen wieder im Trend. Ganz ohne moderne Technik geht es dabei aber nicht.

02.09.2019

Das ganze Ausmaß zeigt sich erst auf dem Luftbild: Autobauer Daimler hat derzeit Tausende Autos auf dem ehemaligen Flugplatz Ahlhorn (Kreis Oldenburg) geparkt. Über die Hintergründe wird viel spekuliert.

02.09.2019