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Wirtschaft Abgesagte Fusion: Jetzt ist Scholz erst recht gefordert
Nachrichten Wirtschaft Abgesagte Fusion: Jetzt ist Scholz erst recht gefordert
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17:29 25.04.2019
Deutsche Bank und Commerzbank bleiben zwei getrennte Geldhäuser. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Berlin

Sechs Wochen lang haben Teams von Deutscher Bank und Commerzbank verhandelt, um nun wohlbegründet festzustellen, was ihnen das Bauchgefühl vorher sagte: Eine Fusion der beiden größten deutschen Institute hilft niemandem, kann aber erheblich schaden. Nun können beide Seiten dem Bundesfinanzminister mitteilen, dass sie es wenigstens versucht haben.

Olaf Scholz hätte so gern die Schöpfung eines „nationalen Champions“ gefeiert. Dass diese Lösung den maximalen Stellenabbau bedeutet, erklärten dem SPD-Politiker aber die Verdi-Kollegen. Dass der neue Verbund mehr Kapital bräuchte, erklärte dem Finanzminister die Aufsichtsbehörde Bafin.

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Die beiden Banken stehen nun vor den gleichen Problemen, zu denen ihnen schon vor zwei Monaten nur noch der untaugliche Fusionsversuch einfiel. Sie wollen ihre Strategien wieder im Alleingang verfolgen, was einen großen Nachteil hat: Es dürfte zu lange dauern, um im dramatischen Umbruch der Finanzindustrie nicht den Anschluss zu verlieren.

Selbst wenn man an das Wunder zweier reibungsloser Sanierungen glaubt, bleibt dem deutschen Bankenmarkt mit ein grundsätzliches Problem erhalten: Es gibt zu viele Banken. Das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Firmen haben die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken fest in der Hand. Zusätzlich drängen neue Konkurrenten, so genannte Fintechs, hinein. Und das Investmentbanking als Ertragsquelle bröckelt.

Unter diesen Bedingungen eine Großbank von Weltgeltung zu bauen, die vom Privatkunden bis zum Weltkonzern alle mit Finanzdienstleistungen versorgt, keine übermäßigen Risiken eingehen muss und auf allen Feldern wettbewerbsfähig ist, könnte sich als Ding der Unmöglichkeit erweisen. Und Deutschlands Banksystem mit der Aufteilung in Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Geldhäuser könnte sich als überholt erweisen.

Es fehlt also nicht an Aufgaben für den Finanzminister.

Von RND/Stefan Winter

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