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Wirtschaft Immobilienmarkt: Verkäufer soll den Makler bezahlen
Nachrichten Wirtschaft Immobilienmarkt: Verkäufer soll den Makler bezahlen
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19:13 25.02.2019
Der Käufer zahlt: Ein Kugelschreiber liegt auf einer Kleinanzeige des Immobilienteils einer Tageszeitung, das Wort «Courtage» ist eingekreist. Quelle: Marijan Murat/dpa
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Rostock

Wer bestellt, der zahlt. Dieses Prinzip soll nach dem Willen der SPD künftig für Makler gelten, die Kaufimmobilien vermitteln. Bislang läuft es meist anders herum: Wer eine Wohnung oder ein Haus veräußern will, wendet sich an einen Makler, damit dieser einen möglichst hohen Preis herausholt. Die Kosten für diese Dienstleistung – bis zu 7,14 Prozent des Kaufpreises – wird fast immer dem Käufer aufgebürdet. Das können für ein Einfamilienhaus oder eine große Wohnung schon mal mehrere Zehntausend Euro sein. „Ein eigenes Zuhause wird gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren“, sagte Bundesjustizministerin Katharina Barley (SPD) der „Süddeutschen Zeitung“. Sie will diese Zielgruppe mit der Einführung des Bestellerprinzips entlasten. Das wurde für Mietwohnungen bereits 2015 eingeführt. Ob die CDU bei der Ausweitung auf den Kaufmarkt mitzieht, ist aber fraglich.

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Da freut sich auch der Staat

Ein überfälliger Vorstoß, findet Jurist Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Ein Blick in die Immobilienportale bestätigt: Fast alle Angebote stammen von Maklern. Und wer über sie kauft, zahlt fast immer den Höchstbetrag von 7,14 Prozent Provision – sechs Prozent plus 1,14 Prozent Mehrwertsteuer. Auch die Sparkassen – etwa die Rostocker Ospa und die Sparkasse Vorpommern arbeitet auf diese Weise als Makler. Die hohe Gebühr ist „ziemlich unangemessen“, findet Verbraucherschützer Wins. Für ihn ist das Marktversagen: Wettbewerb finde nicht mehr statt, der Kunde müsse jede Preis schlucken, der ihm vorgesetzt wird. Und in begehrten Städten wie Greifswald und Rostock sei der Aufwand der Makler überschaubar, um eine attraktive Immobilie zu verkaufen.

In Ostdeutschland zahlt fast immer nur der Käufer

Schätzungen zufolge werden jährlich 500 000 Wohnimmobilien bundesweit veräußert, zwei Drittel davon unter Beteiligung eines Maklers. Peter-Georg Wagner vom Immobilienverband IVD Nord hält eine Maklerquote von 50 Prozent für realistisch. Der Markt ist groß: Drei Milliarden Euro gaben Käufer 2017 in MV für Betongold aus, einschließlich Gewerbeimmobilien. Käufer profitierten vom jetzigen Zustand , argumentiert der IVD. Er habe mit dem Makler einen Ansprechpartner, der etwa für ihn einen Preisnachlass verhandeln kann, etwa bei Mängeln. Das sei „gelebter Verbraucherschutz“, heißt es beim Maklerverband.

Während in vielen Regionen eine Aufteilung der Courtage zwischen beiden Seiten üblich ist, zahlt in Ostdeutschland in der Regel nur der Käufer. In Schleswig-Holstein etwa ist die Teilung der Gebühr gängige Praxis, so Wagner. „Es ist ein wünschenswertes Anliegen, die Nebenkosten für die Käufer zu senken“, sagt die Rostocker Maklerin Julia Pittasch. Um das zu erreichen, sollte der Staat besser die Grunderwerbssteuer senken, die 2020 in MV von fünf auf sechs Prozent steigt. Das Bestellerprinzip werde laut Julia Pittasch dazu führen, dass die Gebühren den Kaufpreis weiter erhöhen. Unter dem Strich bezahlten die Käufer dann sogar mehr als vorher, weil mit dem Preis auch die Nebenkosten steigen. Die Rostockerin schlägt eine Gesetzesänderung vor: Bisher bekommen Makler nur dann Geld, wenn verkauft wird. „Es wäre doch besser, wenn wir unsere Dienstleistung als Beratung abrechnen können, wie ein Architekt.“ Das ist rechtlich bisher nicht möglich.

Maklerin aus Anklam: Aufwand wird oft unterschätzt

Der Aufwand werde oft unterschätzt, meint Anja Gerland. Die Maklerin aus Neetzow bei Anklam vermittelt Bauerhöfe und Häuser auf dem Land. Bevor ein Angebot fertig ist, führt sie Gespräche, fertigt Fotos sowie Grundrisse an, recherchiert im Grundbuch und Katasteramt. „Viele Leute glauben, sie könnten das umsonst bekommen“, sagt sie. Pro Jahr führt sie zwei bis drei Gerichtsverfahren, weil Käufer und Verkäufer sie austricksen und mit die Courtage prellen wollen. „Es heißt immer, die Makler sind die Bösen. Aber das stimmt sonicht“, sagt sie. Den Makler reinzulegen, um ein paar Tausend Euro zu sparen, sei fast schon ein Volkssport. Neue Häuser zu finden, werden schwieriger, weil viele Verkäufer inzwischen selbst in Gratisportalen wie Ebay-Kleinanzeigen inserieren. „Das Bestellerprinzip würde die Arbeit noch mehr erschweren. „Für viele kleine Makler wäre das der Todesstoß“, sagt Anja Gerland.

Gerald Kleine Wördemann

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