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Wirtschaft Fischer kontra Robben
Nachrichten Wirtschaft Fischer kontra Robben
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00:00 21.07.2018
Stralsund

Es war die Sensation des Jahres: Anfang März entdeckten Spaziergänger am Kap Arkona ein totes Robbenbaby. Weil an dem Neugeborenen noch die Nabelschnur hing, werteten Meeresbiologen den Fund als erste Kegelrobbengeburt seit mehr als 100 Jahren an der südlichen Ostseeküste. Fast zeitgleich wurden drei lebende Jungtiere mit dem für Neugeborene typischen Lanugo-Fell an der vorpommerschen Küste gesichtet. Vieles weist darauf hin, dass auch sie hier zur Welt kamen. Zeitweise hielten sich im Spätwinter bis zu 300 Tiere in den Boddengewässern auf. Sie waren den Heringsschwärmen gefolgt, die alljährlich zum Laichen einwandern.

Mit den Kegelrobben kehren die alten Konflikte an die Ostseeküste zurück. Tier und Mensch stehen deshalb in direkter Konkurrenz.

Robben sind wie Schweinswale „Top-Jäger“ und gehören seit Jahrhunderten zum Ökosystem Ostsee. „Sie leben dort, wo sie ausreichend Nahrung und geeigneten Lebensraum finden“, sagt der Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum, Michael Dähne. Aus der seit 2005 beobachteten langsamen Rückkehr der Tiere aber zu schließen, dass es den Kegelrobben wieder prächtig geht, ist nach Ansicht des Meeresbiologen zu kurz gegriffen. „Der Bestandszuwachs ist eher ein Anzeichen dafür, dass es den Robben zuvor richtig schlecht ging. Von den alten Bestandszahlen mit 100000 Kegelrobben in der Ostsee sind wir noch sehr weit entfernt.“ Aktuell wird die Zahl der in der Ostsee lebenden Robben auf etwa 30 000 Tiere geschätzt.

Die deutsche Ostseeküste galt dabei immer als Randverbreitungsgebiet der Kegelrobben. „Wie regelmäßige Zählungen ergeben, leben im Mittelwert derzeit fünf bis zehn Tiere dauerhaft an der deutschen Küste“, sagt Dähne. Vor mehr als 100 Jahren – so belegen es historische Quellen – betrug der dauerhafte Bestand an den heimischen Küsten etwa 100 Kegelrobben. Gezielte Bejagung und Giftstoffe wie toxische Polychlorbiphenyle (PCBs) und das Insektizid Dichlorphenyltrichlorethan (DDT) machten den Tieren im 19. und 20. Jahrhundert zu schaffen. Ab 1885 heizten Prämienzahlungen die Jagd auf Robben an: Das Deutsche Reich zahlte jedem Fischer bei Vorlage der Schnauze eines Tieres als Fangprämie fünf Reichsmark. Die Fischer konnten damit entgangene Fänge und Einnahmen kompensieren. 1955 wurden die Robben zwar in der DDR unter Schutz gestellt. Doch das PCB sorgte in den 70er und 80er Jahren dafür, dass 90 Prozent der Robbenweibchen unfruchtbar wurden. Trotz Schutz schrumpfte der Bestand auf ostseeweit 2500 Tiere. Erst mit dem Verbot der Gifte habe sich der Zustand verbessert.

Mit den Robben kehrten auch die alten Konflikte zurück. Fischer sehen heute die Raubtiere als Konkurrenten, klagen über zerrissene Netze, Fangeinbußen, Fraßschäden und fordern neben Entschädigungen auch Obergrenzen für die Meeressäuger. Als Nahrungsopportunisten jagen die Robben allen Fischarten nach, die sich ihnen bieten – Dorsch, Hering oder Wittling. „Die Raubtiere verzehren durchschnittlich fünf Kilogramm Fisch pro Tag“, sagt Dähne. Doch anzunehmen, dass sich mit einer Robben-Obergrenze die Heringsfänge verbessern, sei ein Trugschluss. Die Nische, die die Robben im Ökosystem einnehmen können, sei bei weitem noch nicht gefüllt. Forscher des Thünen-Instituts für Ostseefischerei sehen die Gründe für die durchwachsenen Heringsfänge in den rückläufigen Nachwuchszahlen. Die Larven können sich nicht mehr gut entwickeln und sterben früh ab. Diese Prozesse, die die Forscher seit etwa 2004 beobachten, seien klimabedingt.

Der Konflikt zwischen den Fischjägern Mensch und Robbe lässt sich nach Einschätzung der Forscher heute durch Ausgleichzahlungen und alternative Fangmethoden entschärfen. „Die Fischmengen, die die Robben verzehren, sind angesichts der großen Heringsschwärme nicht das eigentliche Problem“, sagt der Fischereibiologe Daniel Stepputtis vom Thünen-Institut für Ostseefischerei. Volle Stellnetze und Reusen wirkten aber wie gedeckte Tische, auf denen der Hering auf dem Silbertablett präsentiert werde. Die Rostocker Fischereibiologen entwickeln und testen derzeit neue Großreusen, die auch für Fischer im Zweierteam gut händelbar sein sollen. Die Fangkammer der sogenannten Pontonhebereuse lasse sich mit geringem Kraftaufwand über einen Kompressor an Bord heben. Ausgestattet mit einer doppelten Netzwand und einer Sicherung an den Reuseneingängen werde zum einen der Fisch vor dem Zugriff der Robben geschützt, sagte Stepputtis. Zugleich laufe die Robbe nicht Gefahr, in der nach oben geschlossenen Reuse zu ertrinken.

Kajüten-Gespräch der OSTSEE-ZEITUNG

Der 1. OZ-Kajütenschnack am 25. Juli auf dem Segler „Santa Barbara Anna“. Einlass ab 18, Beginn 18.30 Uhr. Der Segler liegt im Rostocker Stadthafen, in der Verlängerung der Schnickmannstraße.

Interessenten bitte anmelden: ☎ 0381 / 365384; E-Mail: chefredaktion@ostsee-zeitung.de. Plätze sind begrenzt.

Dr. Nico Nolte vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und Professor Ulrich Bathmann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde diskutieren über solche Fragen wie „Wie viel Windparks verkraftet die Ostsee?“ und „Welche Folgen haben diese für das Ökosystem in der Ostsee?“.

Ostseetag 2018 in Rostock

Am 30. August von 10 bis 18 Uhr im Stadthafen Rostock. Programm im Theatersaal der Bühne 602:

11.15 bis 11.45 Uhr – Die Ostsee im Jahre 2018. Forscher beleuchten den Zustand des Binnenmeers.

11.45 bis 13.15 Uhr – Podiumsdiskussion „Ist ein ,guter ökologischer Zustand’ der Ostsee erreichbar?“ Darüber diskutieren Vertreter von Bund, Land, Behörden und Naturschützer.

14.00 bis 15.30 Uhr – Ehrung der Preisträger des Schülerwettbewerbs „Meine Ostsee 2020“.

Angebote im Stadthafen:

„Open Ship“ an Bord der Forschungsschiffe „Elisabeth Mann Borgese“, „Clupea“ und „Deneb“. Präsentationsinseln zu verschiedenen Themen.

Weitere Infos: www.ostseetag.info

Martina Rathke

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