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Wirtschaft Heringsfang in der Ostsee droht das Aus
Nachrichten Wirtschaft Heringsfang in der Ostsee droht das Aus
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12:04 01.06.2018
Der Rat für Meeresforschung empfiehlt einen Fang-Stopp in der westlichen Ostsee für 2019, die Fischer sind entsetzt. Quelle: dpa
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Kopenhagen/Rostock

Den Heringsfischern an der deutschen Ostseeküste droht im kommenden Jahr ein Fangstopp. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt in seiner Analyse, die Heringsfischerei in der westlichen Ostsee vorerst auszusetzen. Grund ist u.a., dass die Fische seit Jahren zu wenig Nachwuchs bekommen. Im Rest der Ostsee sei der Bestand gesünder – hier soll weniger, aber weitergefischt werden dürfen.

Die Empfehlung des ICES, die auch eine deutliche Erhöhung der Dorsch-Quote beinhaltet, ist nicht bindend. Letztlich legt der EU-Ministerrat die Fangquoten im Oktober fest. Die ICES-Analyse dient dafür jedoch als wissenschaftliche Grundlage. In den letzten Jahren wurde immer ein Kompromiss ausgehandelt. In diesem Jahr mussten die Fischer bereits eine Reduzierung der Quote um 39 Prozent verkraften. Der ICES empfiehlt hier eine deutliche Anhebung der Gesamtfangmenge um mehr als 100 Prozent.

Der Verband der deutschen Kutter- und Küstenfischer begrüßte die Anhebung der Dorschquote, kritisierte im Gegenzug die Empfehlung für den Hering. Der Bestand in der westlichen Ostsee sei seit einem Tief 2011 kontinuierlich gewachsen. Noch vor drei Jahren habe der Hering alle Kriterien für nachhaltigen Fang erfüllt – seitdem aber seien die Zielwerte scheinbar willkürlich erhöht worden. „Die Familienbetriebe der Heringsfischer würden eine einjährige Fangpause nicht überstehen“, warnte der Verband. Mit den kleinen Booten könne nicht einfach etwas anderes gefischt werden. Die Fischer in MV reagierten mit Entsetzen auf die Empfehlung des ICES. „Für viele Fischer kommt das einem Todesurteil gleich“, sagte der Vizechef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer in MV, Michael Schütt. Der Hering sei der Brotfisch der Fischer. Die Anhebung der derzeit niedrigen Dorschquote könnten die Verluste beim Hering nicht im Ansatz ausgleichen. Sollte der EU-Ministerrat der Forderung nicht komplett folgen, sei dennoch mit einer drastischen Kürzung zu rechnen.

Laut dem Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock ist die Kürzung zum einen in der seit 2004 sichtbaren schlechten Nachwuchsproduktion begründet. Zum anderen habe der Rat für Meeresforschung den Limitreferenzwert für die Biomasse an erwachsenen Heringen in der westlichen Ostsee von derzeit 90000 Tonnen auf 120000 Tonnen heraufgesetzt. Mit diesem „technischen“ Schritt sei der Bestand, dessen aktuelle Biomasse auf 105000 Tonnen geschätzt wird, automatisch in den „roten Bereich“ abgeglitten, erklärte der Institutsdirektor Christopher Zimmermann. Das Institut beobachte seit 2004 einen grundlegenden Wechsel der Umweltbedingungen, mit der Folge, dass die Produktivität der Heringe generell nicht mehr so groß sei. Der ICES habe aber diesen Ansatz leider nicht anerkannt. Zimmermann zufolge könnte der Schleppnetz-Fischerei in der Ostsee jetzt sogar die Aberkennung des MSC-Siegels drohen, da eine Biomasse unter dem Referenzwert nicht zertifizierbar sei. Die Bemühungen um das MSC-Siegel für die Stellnetzfischerei könnten damit auch ins Leere laufen.

Auch der Vizepräsident des Fischereiausschusses im EU-Parlament, Werner Kuhn (CDU) aus MV, äußert sich besorgt: „Ich kann nur an die Vernunft derer appellieren, die letztendlich über die Quoten zu entscheiden haben. Eine gänzliche Einstellung des Heringsfangs würde für unsere kleinen und handwerklichen Fischereibetriebe den Bankrott bedeuten.“

Theresa Münch und Martina Rathke

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