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Wirtschaft IMK-Studie: Deutschland holt bei den Arbeitskosten langsam auf
Nachrichten Wirtschaft IMK-Studie: Deutschland holt bei den Arbeitskosten langsam auf
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14:48 03.07.2019
Pro Stunde kostet ein deutscher Arbeitnehmer mehr – doch immer noch deutlich weniger als beispielsweise in Dänemark.
Pro Stunde kostet ein deutscher Arbeitnehmer mehr – doch immer noch deutlich weniger als beispielsweise in Dänemark. Quelle: Monika Skolimowska/zb/dpa
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Berlin/Düsseldorf

Im EU-weiten Vergleich haben die Arbeitskosten in Deutschland in den vergangenen acht Jahren einer neuen Studie zufolge kräftig zugelegt. Doch die lange Lohnzurückhaltung anfang der 2000er Jahre sind noch lange nicht ausgeglichen, sagen Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie (IMK), das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört.

Durchschnittlich 35 Euro kostete Arbeitgeber hierzulande im vergangenen Jahr eine Arbeitsstunde ihrer Beschäftigten, wie aus der Untersuchung hervorgeht. Verglichen mit den 28 Mitgliedstaaten landete Deutschland dabei auf dem sechsten Platz.

Die Arbeitskosten, die hauptsächlich aus den vom Arbeitgeber zu zahlenden Löhnen und Sozialabgaben bestehen, lagen zuletzt damit deutlich über dem EU-weiten Durchschnitt von 27 Euro pro Stunde. Angeführt wird das Feld aber von anderen: In Dänemark, Luxemburg, Belgien, Schweden und Frankreich müssen Arbeitgeber zwischen 44,70 und 36,50 Euro pro Stunde ausgeben.

Allein von 2017 auf 2018 stiegen die Arbeitskosten in Deutschland um 2,3 Prozent. „Mit der guten Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre hat sich auch das Lohnwachstum in Deutschland beschleunigt“, schreiben die Autoren der Studie. „Allerdings sind die Effekte der langen Schwächephase der frühen 2000er Jahre noch nicht ausgeglichen“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien, bei der Präsentation der Studie.

Lohnzurückhaltung hat immer noch Folgen

Noch vor der Finanzkrise 2008/2009 sei das Bild ein völlig anderes gewesen. Zwischen 2001 und 2010 lag die Wachstumsrate der Arbeitskosten im Schnitt bei jährlich 1,7 Prozent und damit weit unter dem EU-Durchschnitt von 3,1 Prozent.

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Mit den niedrigen Löhnen einher ging demnach eine schwache Nachfrage aus dem Inland, dafür aber „ein enormer Anstieg der preislichen Wettbewerbsfähigkeit“. Die niedrigen Arbeitskosten hätten dazu geführt, dass Deutschland nach wie vor deutlich mehr Waren exportiere als einführe. Diese preisliche Wettbewerbsfähigkeit sei auch durch höhere Arbeitskosten noch nicht gefährdet.

Die gleiche Entwicklung beobachten die Wissenschaftler auch für die Lohnstückkosten - also die Arbeitskosten pro produzierter Einheit -, mit denen die Studienautoren auch die Produktivität in den Blick nehmen.

Deutlich zu niedriger Anstieg

Diese seien im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 um 2,8 Prozent gestiegen. „Dies ist der stärkste Anstieg seit 2012.“ Doch habe diese Erholung erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Betrachte man den Zeitraum seit Beginn der Währungsunion, seien die Lohnstückkosten deutlich schwächer gestiegen „als in fast allen anderen Mitgliedstaaten des Euroraums“. „Gemessen am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von knapp unter 2 Prozent war ihr Anstieg zwischen 2000 und 2018 deutlich zu niedrig“, heißt es weiter.

Um den steigenden Lohntrend der vergangenen Jahre beizubehalten und vor allem die Produktivität anzukurbeln, brauche es nun deutlich mehr Investitionen als zuletzt. „Wie in anderen Industrieländern auch hat sich der Produktivitätsfortschritt in Deutschland im Vergleich zu den 1990er Jahren spürbar verlangsamt.“ In ausbleibenden Investitionen sehen die Forscher einen wesentlichen Grund dafür.

Von RND/dpa