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Wirtschaft Weil es billiger ist: Fisch für MV wird in China verarbeitet
Nachrichten Wirtschaft Weil es billiger ist: Fisch für MV wird in China verarbeitet
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08:39 15.04.2019
Bei den norwegischen Lofoten fangen Fischer den begehrten Skrei, wie der während der Laichzeit gefangene Kabeljau genannt wird. Quelle: Bäsemann/dpa (Archiv)
Rostock

Fisch ist beliebt in Mecklenburg-Vorpommern: frisch vom Markt, in Dosen, eingelegt oder geräuchert. Oder als Filet aus dem Supermarkt. Etwa Kabeljau. Der Verwandte des Ostsee-Dorschs hat jedoch häufig eine sehr lange Weltreise hinter sich, bevor er gebraten oder gedünstet auf den Tellern der Verbraucher im Nordosten landet – und zwar von Norwegen nach China und zurück bis nach Deutschland.

Bis zu 1,70 Meter lang und 55 Kilogramm schwer kann der nordostarktische Kabeljau nach Angaben des Thünen Instituts für Ostseefischerei in Rostock werden. Die wichtigsten Fangnationen seien Norwegen und Russland. Besonders beliebt als Speisefisch sei der während der Laichzeit bei den Lofoten gefischte Kabeljau. Der sogenannte Skrei zeichne sich durch sein feines und weißes Fleisch aus.

Verarbeitung in China ist billiger

Statt diese Delikatesse jedoch auf direktem Weg an die europäischen Märkte zu liefern, frieren viele Fischereiunternehmen die gefangenen Fische am Stück ein und transportieren sie zig-tausende Seemeilen über den Globus nach China. Der Umweg werde in Kauf genommen, weil die Verarbeitung in China billiger sei, sagt der Geschäftsleiter des Vereins Fair-Fish, Billo Heinzpeter Studer, mit Sitz in der Schweiz. Ähnlich werde beispielsweise mit Krabben aus der Nordsee verfahren, die man eigens zum Pulen nach Marokko transportiere.

Das Fisch-Informationszentrum (FIZ) der deutschen Fischwirtschaft in Hamburg bestätigt, dass „ganzer Kabeljau aus norwegischen Gewässern in China zu Filets verarbeitet wird“. Laut einer Studie des Europäischen Dachverbands der Fischindustrie und des Fischgroßhandels wurden in den vergangenen Jahren zwischen 150 000 und knapp 170 000 Tonnen gefrorene Filets pro Jahr aus China in die EU importiert. Zahlen für Deutschland liegen allerdings nicht vor. Auch das FIZ nennt ökonomische Gründe für die Kabeljau-Filetierung in China: Durch eine Filetierung per Hand erfolge „eine bessere Verwertung der Fische“.

Auch Seelachs wird in China filetiert

Das ARD-Magazins „Markt“ recherchierte vor einigen Jahren die Verarbeitung von Seelachs. Große Teile der Fänge dieser dorschartigen Fische – ihre ursprünglichen Bezeichnungen lauten Köhler oder Pazifischer Pollack – nehmen demnach ebenfalls den langen Umweg zur Verarbeitung in China. Das betreffe 60 Prozent des deutschen Seelachses und 15 Prozent des gesamten deutschen Fischimports.

Fischverbrauch in MV rückläufig

13,5 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte wurden in Deutschland pro Kopf nach den aktuellsten Zahlen des Fisch-Informationszentrums (FIZ) im Jahr 2017 verzehrt. Der Weltdurchschnitt liegt bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 20,5 Kilogramm, wobei die Isländer mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 90 Kilogramm Weltmeister sind, gefolgt von Norwegen und Portugal mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 60 Kilogramm.

In Mecklenburg-Vorpommern haben private Haushalte den FIZ-Angaben zufolge im Jahr 2017 insgesamt rund 8500 Tonnen Fisch und Fischereierzeugnisse gekauft. Das ist ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren, als 8950 Tonnen im Jahr 2016 und 10 000 Tonnen im Jahr 2015 eingekauft wurden.

Der Anteil des in Deutschland verkauften Kabeljaus am gesamten Fischverkauf lag 2017 bei 2,5 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 3,6 Prozent. Am meisten gekauft werden Lachs (2017: 19 Prozent), Alaska-Seelachs (17,5 Prozent), Hering (16,2 Prozent) sowie Thunfisch (14,3 Prozent).

In den chinesischen Werken würden die Fische wieder aufgetaut und anschließend im Akkord filetiert – „bis zu zwölf Stunden am Tag, aber für weniger als einen Euro“, heißt es. Die Arbeiten würden alle per Hand erledigt, und die Fische dabei zum Beispiel entwurmt. Dadurch sei die Ausbeute größer als bei einer maschinellen Filetierung, bei der wurmanfällige Teile entfernt würden.

Filets werden mit Wasser aufgepumpt

Und: Der Fisch werde in China mit deutlich mehr Wasser glasiert als nötig. Dadurch würden die Filets schwerer und somit lukrativer, weil die Verbraucher das Wasser ja mitbezahlen, heißt es bei „Markt“. Oft werde den Kabeljau-Filets Wasser injiziert, sagt Studer, der dabei auf Recherchen französischer Medien verweist. Die Verbraucher erhielten somit „ein mit Wasser aufgepumptes Produkt“.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert ebenfalls den tausende Kilometer langen Kabeljau-Umweg über China. An diesem Aspekt könne man erkennen, „wie wenig nachhaltig die moderne Fischhandelskette ist“, sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Schon seit Jahrzehnten kann Deutschland seinen Fischbedarf nicht mehr durch die eigene Fischerei in Nord- und Ostsee decken.“ Schuld daran seien „Missmanagement, fehlende Kontrollen und eine absurde Subventionspolitik“.

Axel Meyer

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