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Wirtschaft 40 Prozent Ökostrom sind kein Grund zum Jubeln
Nachrichten Wirtschaft 40 Prozent Ökostrom sind kein Grund zum Jubeln
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19:36 03.01.2019
40 Prozent der Stromversorgung in Deutschland wurden 2018 durch Ökostrom abgedeckt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Berlin

Endlich geschafft. Im vergangenen Jahr haben die Erneuerbaren ihren Anteil am deutschen Strommix erstmal über die Marke von 40 Prozent geschraubt. Ein Erfolg? Die Antwort lautet: Ja und zugleich Nein. Ja, weil wir weiter sind als Nachbarn, die in puncto Wind und Sonne erheblich stärker begünstigt sind, etwa Italien oder Frankreich. Nein, weil hierzulande viel mehr möglich wäre. 50 Prozent wären ohne große Anstrengung locker drin.

Die Auswertung der Daten durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat ergeben, dass es im höchsten Hochsommer eine Riesenlücke bei der Stromerzeugung durch Erneuerbare gab: Eine extrem stabile Wetterlage brachte nicht nur Gluthitze, sondern auch eine bislang nicht gekannte Windflaute. Die Ausfälle wegen stillstehender Windmühlen konnten aber durch Solarstrom nicht ausgeglichen werden, obwohl die Sonne erbarmungslos vom Himmel knallte. Weil es nicht genug Photovoltaikanlagen gibt, um die Energie einzufangen.

Der Grund dafür: Die Bundesregierung hat den Ausbau des Sonnenstroms stark rationiert. Was schon lange nicht mehr konsistent mit einer Politik ist, die sich angeblich der Energiewende und dem Klimaschutz verschrieben hat. Doch es geht auch darum, die extrem starke Lobby der konventionellen Stromerzeugung mit ihren Braun- und Steinkohlekraftwerken zu besänftigen.

„Sind Politiker zu dumm, um die Energiewende zu organisieren?“

Deshalb ist auch der Umgang mit der Windenergie ambivalent, die inzwischen neben der Braunkohle zwar zur wichtigsten Säule für die Stromerzeugung geworden ist. Aber im vorigen Jahr ist die Zahl der neu ans Netz gegangenen Anlagen eingebrochen. Deren Leistung dürfte sich im Vergleich zu 2016 halbiert haben. Das hat viele Ursachen. Man könnte auch von multiplem Politikversagen sprechen.

Es dauert unendlich lange, bis die Bürokratie Genehmigungen fürs Aufstellen der Türme mit den Rotoren erteilt. Es fehlt an Flächen, wo die Anlagen noch aufgestellt werden dürfen – teilweise wird das Ausweisen von Standorten durch Landespolitiker mit Schikanen noch gezielt sabotiert. Hinzu kommt, dass noch unter der früheren Bundesregierung der Ausbau mittels der Einführung von Ausschreibungen nicht nur gebremst wurde. Das Regelwerk hatte so gravierende Konstruktionsfehler, dass die Windbranche massiv verunsichert wurde. Was noch immer nachwirkt.

Sind unsere Politiker zu dumm, um die Energiewende vernünftig zu organisieren? Mutmaßlich nicht. Vielmehr sind sie verstrickt in permanente Moderationsprozesse. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist das beste Beispiel für einen Akteur der es allen recht will und dabei nur Murks erzeugt.

„Mutiger Schritt würde der Volkswirtschaft einen enormen Schub geben“

Die Bundesregierung hat sich bei ihren halbherzigen Bemühungen ein ganz großes Ziel als Bezugssystem gewählt: Das Eingrenzen der Erderwärmung. Das ist zwar ein hehres Vorhaben. Man kann aber gar nicht genug Fragezeichen hinter die Frage setzen, ob das wirklich zu schaffen ist.

Dabei wurde überdies aus dem Blick verloren, dass es einen viel handgreiflicheren und pragmatischeren Angelpunkt gibt – jenseits aller Eisbär-Rettungsromantik. Die Erneuerbaren sind die Kernkomponente des Energiesystems des 21. Jahrhunderts, das unsere gesamte Ökonomie umkrempeln wird. Sie sind schon jetzt billiger und effizienter als Öl, Kohle, Gas und Atomkraft. Gerade haben sich die Tore in diese neue Welt weit geöffnet. Wobei der technologische Fortschritt noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber Haushalte können sich schon jetzt mit Solarstrom weitgehend selbst versorgen.

Lesen Sie auch: Deutschland rutscht beim Klimaschutz-Index weiter ab

Demnächst werden Bürger mit selbstgemachtem Strom die Akkus ihrer Fahrzeuge aufladen. Nachbarn oder ganze Wohnquartiere können sich die Erzeugergemeinschaften zusammenschließen und die Abrechnung der Kosten automatisieren. Künstliche Intelligenz kann den Energiefluss der überregionalen Stromnetze aussteuern.

Die Politik ist für all dies zumindest halbblind. Weil sie im kurzatmigen Moderieren die Übersicht verloren hat. Jammerschade. Denn ein mutiger Schritt nach vorne würde der Volkswirtschaft einen enormen Schub geben. Was nebenbei auch den Kohleausstieg nebst einer staatlichen Flankierung des sogenannten Strukturwandels in den Braunkohlerevieren massiv vereinfachen würde.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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