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Wirtschaft Landwirte wollen ihr Ansehen in der Bevölkerung aufpolieren
Nachrichten Wirtschaft Landwirte wollen ihr Ansehen in der Bevölkerung aufpolieren
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00:26 27.03.2015
Pauschale Bauernschelte ist fehl am Platz.“ Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Linstow

Tierhaltung und Düngereinsatz: In diesen Knackpunkt-Bereichen sehen sich Mecklenburg-Vorpommerns Bauern wachsender Kritik ausgesetzt — von Tierschützern und Medien. „Zu Unrecht“, wie Verbandspräsident Rainer Tietböhl gestern auf dem Landesbauerntag in Linstow (Landkreis Rostock) in den Saal rief. Pauschale Bauernschelte sei fehl am Platze, meinte er.

Mit ihrem Unmut wandten sich die Delegierten an den NDR-Intendanten Lutz Marmor, der als Referent vor den Bauern auftrat. Marmor verteidigte die Medien: „Journalismus muss kritisch und unbequem sein.“ Das sei wichtig für eine freie und offene Gesellschaft.

Tietböhl legte sich auch mit Bürgerinitiativen an. „Wer sind denn die wahren Tierschützer, das sind doch wir als Tierhalter“, meinte er. „Hätten wir sonst diese guten Leistungen?“ Fakt ist: Die Erträge auf den Feldern sind seit 1990 enorm gewachsen.

Der Schweriner Agrarstaatssekretär Peter Sanftleben, der den erkrankten Agrarminister Till Backhaus in Linstow vertrat, hatte dafür Zahlen parat: Wurden vor 25 Jahren noch knapp 58 Dezitonnen Weizen oder 27 Dezitonnen Raps pro Hektar geerntet, waren es 2014 fast 91 Weizen und rund 45 Dezitonnen Raps. Mehr als 9200 Liter Milch geben die Kühe im Schnitt — doppelt so viel wie 1990. Doch Zukunftssicherung der Branche habe „viel mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Landwirtschaft zu tun“, benannte Sanftleben den kritischen Punkt. Die meisten Menschen würden sich regionale Produkte wünschen, aber einen „regionalen Schweinestall“ wollten dann viele nicht im Dorf haben. Das sei ein Widerspruch.

Auch Tietböhl beklagte eine zunehmende „Entfremdung“ der Bevölkerung von der Landwirtschaft. „Wer mehr Tierwohl will, muss mehr bezahlen“, machte er deutlich. Einem wissenschaftlichen Gutachten, das die Universität Hohenheim (Baden-Württemberg) zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Nutztierhaltung vorlegte, konnte Tietböhl nichts abgewinnen.Wenn die Bauern die darin gestellten Ziele erfüllen sollten, wären sie „nicht wettbewerbsfähig und ganz schnell weg vom Markt“, befürchtet Tietböhl. „Dann wandert die Tierhaltung ab.“ Schon jetzt könnten sich viele Agrarbetriebe nur durch gute Einnahmen aus Ackerbau und Biogasanlagen halten.

Um die Zukunft der Betriebe zu sichern, riet Tietböhl seinen Berufskollegen ab, Agrarflächen zu verkaufen. „Wir sollten den Boden für kommende Generationen sichern.“

Außerdem bemängelte der Präsident, dass „alle immer nur von Tierschutz reden“. Wie es den Menschen in den Ställen gehe, sei ebenso wichtig. „Wir brauchen moderne Arbeitsplätze.“ Tierobergrenzen lehnte Tietböhl dagegen deutlich ab — außer beim Wolf. Für das unter Naturschutz stehende Raubtier verlangt der Verband eine „Bestandsobergrenze“. Das Land solle festlegen, wie viele Wölfe für MV verträglich sind. Tietböhl: „Ich warne davor, erst zu reagieren, wenn etwas Schlimmes passiert ist.“ Rinder- und Schafherden könnten nicht „wirklich wolfssicher“ eingezäunt werden.

Die Delegierten positionierten sich auch zur neuen Düngeverordnung: Strengere Vorgaben lehnten sie ab. Um ihr Ansehen in der Bevölkerung zu verbessern, setzen die Landwirte auf Image-Kampagnen und mehr Präsenz „in der Nähe der Politik“. Es werde geprüft, ein Büro in Schwerin zu eröffnen. Um das zu finanzieren, beschloss der Bauerntag gestern sogar eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge.



Elke Ehlers

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