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Nachrichten Wirtschaft Megaliner machen riesigen Umweg für billigen Tankstopp
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15:12 24.08.2019
Das derzeite größte Containerschiff der Welt "MSC Gülsün" läuft erstmals das Container-Terminal Bremerhaven an. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Kiel

Autofahrer kennen das: Wenn es um zehn Cent pro Liter geht, lohnt sich beim Tanken auch mal ein Umweg. Bei Schiffen ist es ähnlich. Die beiden Containerriesen „MSC Gülsün“ und „Mumbai Maersk“ verließen Bremerhaven am Dienstag in Richtung Kaliningrad zum Tanken. Umweltschützer sind empört. Der Hafen der russischen Exklave ist inzwischen der Geheimtipp für Reeder auf der Suche nach günstigem Schiffstreibstoff. Die 400 Meter lange und 58 Meter breite „Mumbai Maersk“ wird bis Sonnabend aus dem russischen Tanker „Midvolga 3“ mit Schweröl gefüllt.

Das 6000-Tonnen-Tankschiff ist eines von einem Dutzend schwimmender russischer Öl-Tankstellen auf der Ostsee. Nach der „Mumbai Maersk“ kommt nächste Woche die „Moscow Maersk“ zum Öl-Rendezvous nach Kaliningrad. Ein Umschlag von Containern ist dort nicht vorgesehen. Ladehäfen sind für diese Flaggschiffe der Maersk-Flotte nur Rotterdam, Bremerhaven, Göteborg und Aarhus.

Containerschiffe machen riesen Umwege über Kaliningrad

Den rund 1000-Meilen-Umweg über Kaliningrad macht die „Mumbai Maersk“ nur zum Tanken. Wie eine Reederei-Sprecherin in Kopenhagen bestätigt, ist Kaliningrad einer von 130 Tank-Häfen für den führenden Reederei-Konzern mit seinen 716 Containerfrachtern. „Maersk tätigt Bunkereinkäufe auf Basis von wirtschaftlichen und operativen Gegebenheiten“, so die Sprecherin zur Auswahl von Kaliningrad.

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Die dort auf See übernommene Tankfüllung reicht bei der „MumbaiMaersk“ für eine zweimonatige Rundreise von Europa nach Asien und zurück. Im November wird der Frachter laut Maersk-Fahrplan wieder mit einem Umweg vor Kaliningrad tanken.

Nabu: Treibstoff ist einfach noch zu billig

„Treibstoff für Schiffe ist einfach noch zu billig. Hier muss sich wirklich was ändern, wenn die Politik es mit dem Klimaschutz ernst nimmt“, sagte Malte Siegert vom Nabu. Der Nabu fordert, wie auch andere Umwelt-Verbände, eine Besteuerung von Schiffs- und Flugzeugtreibstoffen. Damit sollen diese Verkehrsträger auch bei den Kosten für den Klimaschutz angemessen beteiligt werden.

„Eine Besteuerung von Bunkeröl macht nur dann Sinn, wenn sie auch für die Häfen in Russland gilt. Wird Schiffstreibstoff nur in der EU besteuert, produziert das nur noch mehr Verkehr“, mahnt Gerald Immens vom Nautischen Verein zu Kiel. Kostenvorteil: Umweg nach Kaliningrad fällt nicht ins Gewicht

„In der Gesamtrechnung ist der Kostenvorteil für das Volltanken in Russland schon jetzt so groß, dass der Verbrauch von hundert Tonnen Öl für den Umweg nicht ins Gewicht fällt“, so Immens.

Die russischen Tanker vor Kaliningrad bekommen Sonntag auch prominenten Besuch. Mit der „MSC Gülsün“ wird auch das derzeit weltgrößte Containerschiff neben der „Mumbai Maersk“ zum Tankstopp in Kaliningrad vollgetankt. Mit der Lage der russischen Exklave wirbt inzwischen ganz gezielt der russischen Ölkonzern Lukoil. Durch die Stationierung von Tankern sei es möglich, bis zu 6000 Tonnen Schweröl pro Containerschiff zu befüllen.

Reedereien machen Verträge über große Mengen

Bei diesen Mengen ist der Preisvorteil im Markt für Schiffstreibstoffe extrem groß. In Rotterdam kostet eine Tonne Schweröl (IFO380) etwa 300 Dollar. In Russland dürfte der Preis einen zweistelligen Prozentsatz niedriger sein. Bei Abnahme von 5000 Tonnen Schweröl macht da ein Preisnachlass von 30 Dollar pro Tonne bereits eine Ersparnis von 150.000 Dollar aus. „Zumal die Preisvorteile gerade bei dem Einkauf direkt beim Hersteller in Russland noch größer sein müssten. Große Reedereien machen ja Verträge über große Mengen“, so ein Insider aus dem Ölgeschäft. Maersk hat weltweit 700 Containerschiffe in Fahrt, MSC rund 550.

Frank Behling/RND

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