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00:00 04.11.2014
Hatte schwer zu tragen: Bundesminister Christian Schmidt beim Entladen eines Kutters in Freest. Quelle: Sauer/dpa
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Freest

Ohne MSC-Siegel für ökologische Fangmethoden lässt sich Fisch nur noch schlecht vermarkten. Die Handelsketten bestehen auf dem Zertifikat.

Das Probelm: Die meisten Ostseefischer besitzen es noch gar nicht. „Wichtig ist es vor allem für den Hering, den Brotfisch der hiesigen Fischer“, sagte der Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU) gestern. Er hatte keinen Geringeren als Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sowie Vertreter von Fischereiverbänden, Erzeugergenossenschaften, Wissenschaft und Politik in die Fischereigenossenschaft Freest (Kreis Vorpommern-Greifswald) eingeladen.

Fischer Peter Labahn nahm den Bundesminister an Bord seines 75 Jahre alten Kutters. Kurz zuvor war er mit seinem Bruder Bodo mit reichem Fang zurückgekehrt: 2400 Kilogramm Barsch. Schmidt half beim Ausladen des Fischs. Im Hafen wartete bereits ein polnischer Lastwagen. Barsch sei in Deutschland nicht sehr gefragt, sagte Bodo Labahn. Der Preis sei mit 50 Cent je Kilogramm im Keller, im Vorjahr habe es noch bis zu drei Euro gegeben. Ein wenig Schuld habe der russische Einfuhrstopp: Es sei zu viel Fisch am Markt.

Nach den Worten Schmidts wird die MSC-Zertifizierung für die Schleppnetzfischerei zum Jahreswechsel abgeschlossen sein. Für die Stellnetzfischer werde die Zertifizierung noch länger dauern: „Ich gehe von ein bis zwei Jahren aus.“ Für die teure Zertifizierung erwäge er eine Unterstützung der Betriebe. Für die kleinen Betriebe sind die Ausgaben für die Überprüfungen hoch. Dennoch brauchten die Fischer das Siegel, sagte der Chef der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt.

Die kleinen handwerklichen Fischereibetriebe sind in Mecklenburg-Vorpommern in der Überzahl. Sie fangen aber weniger als ein Drittel der erlaubten Heringsmenge. Nach Angaben Werner Kuhns gibt es im Land 236 Fischereibetriebe im Haupt- und 130 im Nebenerwerb.

Der Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß, verwies auf weitere Probleme der Branche. So müsse die Sozialprämie für Tage, an denen die Fischer nicht ausfahren können oder dürfen, wieder eingeführt werden. Diese Sozialvergütung lief Ende 2013 aus, sie darf nach EU-Recht nicht mehr gezahlt werden. Schmidt kündigte an, er wolle kleinen Fischereibetrieben eine alternative, EU-konforme Unterstützung zukommen lassen. Dafür stünden 2,2 Millionen Euro im Haushalt bereit. „Ich werden keinen Pfennig von diesem Geld aus dem Haushalt herausnehmen“, betonte er.

Ein weiteres Problem sieht Verbandschef Kahlfuß im Rückwurfverbot von Beifang vom 1. Januar 2015 an. Er sehe noch keine Lösung dafür, was die Fischer mit den geringen Mengen Fischen anfangen sollen, die ins Netz gingen, obwohl sie zu klein sind oder wegen ihrer Schonzeit nicht hätten gefangen werden dürfen. Sie müssen künftig an Land gebracht werden und sollen in der Regel zu Fischmehl verarbeitet werden. Die nächste Fabrik für Fischmehl aber steht in Cuxhaven. Daher werde auch über Ausnahmen wie eine lokale Vermarktung oder über die Verringerung der Mindestgrößen von Fisch nachgedacht, hieß es aus dem Bundesministerium.

Wichtig ist es vor allem für den Hering,
den Brotfisch der hiesigen Fischer.“Europaabgeorneter
Werner Kuhn (CDU) über die Bedeutung
des MSC-Ökosiegels



Birgit Sander

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