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Neue Kabinen, bessere Küche, mehr Umweltschutz: Stena Line rüstet Fähren auf

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09:00 12.01.2020
Die Fähre „Sassnitz“ der Stena Line fährt in den Hafen Sassnitz-Mukran auf der Insel Rügen. Quelle: dpa
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Rostock

Mehr Passagiere, mehr Fracht, mehr Service, weniger Plastik: Die schwedische Fährreederei Stena Line GmbH & Co. KG mit Sitz in Rostock bietet mit den SchiffenMecklenburg-Vorpommern“ und „SkåneFährverbindungen zwischen Rostock und dem schwedischen Trelleborg und mit der „Sassnitz“ zwischen Mukran auf der Insel Rügen und Trelleborg an. Dazu kommen Verbindungen von Kiel und Travemünde (Schleswig-Holstein) nach Schweden und Lettland. Die OZ sprach mit Ron Gerlach, Geschäftsführer Stena Line Deutschland.

Herr Gerlach, wie gut sind Ihre Schiffe von und nach MV gebucht?

Die Passagierzahlen entwickeln sich gut, 2019 sind sie in Rostock um zwölf Prozent gegenüber 2018 gewachsen – insgesamt waren es etwa 430 000 Passagiere. 2020 rechnen wir mit etwa 440 000 Gästen. Und in Sassnitz-Mukran zählen wir knapp 300 000 Passagiere pro Jahr.

Wie viele Abfahrten gibt es von MV?

In Rostock haben wir in der Hauptsaison bis zu vier Abfahrten täglich. In Mukran legt die „Sassnitz“ in der Hauptsaison zweimal täglich in Richtung Schweden ab – in der Nebensaison einmal täglich.

Wie wichtig ist das Wetter für das Buchungsverhalten Ihrer Gäste?

Das ist schon wichtig – vor allem bei Spontanurlaubern. Aber generell ist in den letzten Jahren das Interesse an Deutschland in Skandinavien deutlich gewachsen. Das führt zum Beispiel dazu, dass in der Hauptsaison in Sassnitz das Schiff fast immer voll ist.

Eines der größten Fährunternehmen der Welt

Die schwedische Reederei Stena Line, gegründet 1962, gehört mit aktuell etwa 5000 Angestellten zu den größten Fährunternehmen der Welt. 2018 transportierte die Flotte, bestehend aus 38 Schiffen, über 7,6 Millionen Passagiere, 1,7 Millionen Autos und 2,1 Millionen Frachteinheiten zwischen den Niederlanden und Großbritannien, auf der Irischen See sowie auf der Ostsee. Es werden 20 Routen bedient. Stena Line mit Sitz in Göteborg (Schweden) operiert in Deutschland vom Hauptsitz der Stena Line GmbH & Co. KG in Rostock aus sowie einem Büro in Kiel. Mit den SchiffenMecklenburg-Vorpommern“ und „Skåne“ werden Fährverbindungen zwischen Rostock und dem schwedischen Trelleborg und mit der „Sassnitz“ zwischen Mukran auf der Insel Rügen und Trelleborg angeboten. Dazu kommen Verbindungen von Kiel und Travemünde (Schleswig-Holstein) nach Schweden und Litauen.

Wie sehen denn Ihre typischen Passagiere aus?

Auf der Route RostockTrelleborg ist die Anzahl schwedischer und deutscher Gäste ausgewogen. Auf SassnitzTrelleborg ist der schwedische Anteil mit 70 bis 75 Prozent höher. Aus Schweden kommen viele Familien, die nachts nach Deutschland übersetzen und dann weiterfahren – nach Berlin oder Richtung Bayern, in die Alpen. Dazu kommen Geschäftsleute und in der Nebensaison auch viele Rentner.

Die Skåne war erst kürzlich in der Werft – was ist neu auf den Schiffen?

Wir investieren insgesamt fünf Millionen Euro in die Modernisierung der beiden Schiffe, die von und nach Rostock fahren, also auf der „Skåne“ und auf der „Mecklenburg-Vorpommern“. Die sind ja schon über 20 Jahre alt. Ziel ist, dass sie noch viele Jahre durchhalten. Dafür werden Kabinen und Restaurants erneuert, es wird alles moderner, skandinavischer Stil, einfach, viel helles Holz. Die „Mecklenburg-Vorpommern“ geht für die größten Arbeiten 2020 in Polen in die Werft, auch im laufenden Betrieb wird umgebaut – und bis Mitte Mai soll alles fertig sein. Man kann seit 2019 auch auf beiden Schiffen in sogenannten Schlafkapseln übernachten.

Was ist denn das?

Das ist ein Angebot zwischen Liegesessel und Kabine. Die Minikabinen werden toll angenommen, vor allem von jungen Leuten, Studenten, Geschäftsreisenden, Lkw-Fahrern.

Was gibt es sonst noch Neues?

Wir bieten an Bord jetzt viel mehr Auswahl an frisch gekochten Speisen an – dafür gibt es ein neues Logistikzentrum in Malmö. Und das gesündere, zeitgemäßere Essen kommt sehr gut an – auch bei den Lkw-Fahrern.

Aber man bekommt doch an Bord auch weiter Pommes und Bratwurst?

Natürlich!

Wie laufen die Geschäfte mit der Fracht?

Die Frachtentwicklung auf RostockTrelleborg ist trotz eines aktuell leichten konjunkturbedingten Rückgangs in den letzten Jahren überaus positiv verlaufen.

Stena Lines transportiert ja auch Eisenbahnwaggons – wie sind da die Zahlen für MV?

2019 haben wir knapp 20 000 Waggons befördert, Tendenz fallend. Ziel ist jedoch, die Anzahl auf bis zu 30 000 pro Jahr zu steigern. Noch ist das ein Nischenprodukt, aber wir sind überzeugt davon, dass mehr Güter von der Straße auf die Schiene kommen werden – dadurch wird auch bei uns die Nachfrage steigen. Wir sind da in Gesprächen mit Kunden, Verbänden und Politik in Schweden und Deutschland. Ziel ist, dass wir permanent Waggons auf den Schiffen haben. Um auch längere Güterzüge anlanden zu können, sollte die Gleislänge des sogenannten Trimodal-Terminals in Rostock von jetzt 600 Metern auf 740 Meter verlängert werden.

Seit 2015 führt die Deutsche Bahn ihre Verbindungen nach Schweden über Rostock. Hat denn die „Sassnitz“, die die Route Sassnitz–Trelleburg seitdem allein bedient, auch noch Eisenbahnwaggons an Bord?

Ja, im Sommer gibt es eine Zugverbindung für Passagiere zwischen Berlin und Malmö über Sassnitz, die kommt sehr gut an. Zudem sollen auch Stockholm und Berlin besser per Bahn verbunden werden – und für Bahnwaggons wurde die „Sassnitz“ ja eigentlich gebaut. Dann gibt es immer wieder Verbindungen mit richtigen Luxus-Personenzügen und manchmal auch Frachtverkehr.

Und sind auch mehr Passagiere per Zug und Fähre unterwegs?

Ja, wir haben da eine Art Greta-Effekt im Passagierbereich. Greta Thunberg ist ja per Zug und Fähre bei uns mitgefahren, dafür werben wir. Private Bahnreiseanbieter wie Snälltåget verdoppeln ab 2020 die Zahl ihrer Waggons, insbesondere auf der Strecke MalmöBerlin und in Zukunft auch mit der Verbindung StockholmBerlin.

Apropos Greta: Wie steht es um den Umweltschutz?

Also wir haben alles aus Plastik von Bord genommen und durch Glas und Porzellan ersetzt. Wir fahren sparsamer, seit 2018 nutzen wir im Hafen von Trelleborg Landstrom, ab 2020 auch in Kiel. Langfristig planen wir das auch in Rostock. In Kürze werden wir auch unser „KI-Fuel-Pilot“-System auf RostockTrelleborg einsetzen, dadurch eine bessere Routenführung erreichen und somit Treibstoff sparen.

„Stena Fuel Pilot“

Optimierter Fährbetrieb, geringerer Treibstoffverbrauch, weniger Emissionen – ein auf künstlicher Intelligenz (KI) basierender Steuerungsassistent soll bei Stena-Schiffen Treibstoff sparen. Das Modell „Stena Fuel Pilot“ simuliert verschiedene Szenarien, bevor es die bestmögliche Routen- und Schiffseinstellungen während der Fahrt vorschlägt. Dabei werden Umweltbedingungen wie Strömungen, Wetterbedingungen, Flachwasser und Geschwindigkeit im Wasser in verschiedenen Kombinationen berücksichtigt. 2018 wurde das Programm erstmals als Pilotprojekt auf der „Stena Scandinavia“ zwischen Göteborg und Kiel eingesetzt. Noch in diesem Jahr soll die Software flottenweit auf allen 37 Schiffen in Europa installiert werden.

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Von Thomas Luczak

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