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Wirtschaft Neue Seidenstraße von MV nach China: Experte warnt vor „Kolonialisierung“
Nachrichten Wirtschaft Neue Seidenstraße von MV nach China: Experte warnt vor „Kolonialisierung“
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20:01 06.11.2019
MV wird künftig über eine Zugverbindung mit der Neuen Seidenstraße, einer Handelsroute nach China, verbunden sein. (Symbolfoto) Quelle: Ole Spata / dpa
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Mukran/Greifswald

Wohlklingendes Projekt: MV wird künftig über eine Zugverbindung mit der Neuen Seidenstraße, einer Handelsroute nach China, verbunden sein. Am 12. November soll der erste Zug im Fährhafen Sassnitz-Mukran ankommen. Prof. Jan Körnert, Wirtschaftsexperte an der Universität Greifswald, ist skeptisch.

Prof. Jan Körnert, Uni Greifswald Quelle: OZBILD

Grundsätzlich sei der freie Welthandel zu begrüßen. „Auf ihm fußt vielfach der Wohlstand der beteiligten Länder“, so Körnert. Viele der asiatischen Binnenstaaten hätten keinen direkten Zugang zum Meer und litten unter einem geringen Bruttoinlandsprodukt. „Ein freier Welthandel benötigt entsprechende Warentransportverbindungen. Sind diese schienenbasiert, können Binnenländer verstärkt am Welthandel teilhaben“, erklärt Körnert, der in Greifswald vor allem zu internationalen Kapitalmärkten lehrt.

Die von China initiierte Seidenstraße verspreche den Beteiligten „eine Wohlstandssteigerung“, sagt Körnert. Er schätze aber die Gefahr einer „Kolonialisierung der asiatischen Binnenstaaten durch China für deutlich höher ein als die wirtschaftspolitischen Chancen“.

Warnung: Chinesen könnten Demokratie schädigen wollen

Zudem sei China ein autoritäres Regime. Bei länderübergreifenden Großinvestitionen sollten die langfristigen wirtschaftspolitischen Ziele des Investors beachtet werden. „Staatsfonds autoritärer Regime können über Großinvestitionen leicht demokratie- und rechtsstaatsfeindliche Ziele verfolgen“, sagt der Experte. „Dieses Problem verstärkt sich, wenn China beziehungsweise sein Staatsfonds auch noch Kredite an diese Länder gibt.“

Körnert hat noch viele Fragen zu den künftigen Beziehungen mit China. Wird mit der Seidenstraße eine wirtschaftliche Abhängigkeit bei den Anrainerstaaten erzeugt? „In den Arbeiterlagern der Großbaustellen herrschen zum Teil erbarmungswürdige Zustände. Arbeiter aus Nachbarländern werden wie Sklaven gehalten.“ An wen fließt der versprochene Wohlstand? Schließlich stelle sich die Frage nach der Klima-Effizienz – „wenn 250 Güterzüge ein Containerschiff ersetzen“.

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