Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Per Flussschiff über die Ostsee
Nachrichten Wirtschaft Per Flussschiff über die Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.06.2018
Der Flusskreuzer „Junker Jörg“ ist von Hamburg nach Stralsund überführt worden. Am Dienstagabend machte das Hotelschiff am neuen Liegeplatz im Stralsunder Hafen vor dem Ozeaneum fest. Quelle: Fotos: Peer Schmidt-Walther
Anzeige
Hamburg/Stralsund

Strahlender Sommermorgen über dem Hamburger Hafen. Das FlusskreuzfahrtschiffJunker Jörg“ bricht vom Cruise Terminal Steinwerder zu einer besonderen Reise in ein neues Fahrgebiet auf. Nach Stralsund. Zunächst geht es die Elbe abwärts. Brunsbüttel: Der Lotse steigt über, wobei er nicht wie sonst klettern muss. Sein Versetzboot und das Deck der „Junker Jörg“ sind gleich hoch. Nach einer halben Stunde in der Schleuse ist das Schiff auf den Kanalwasserstand angehoben, das Tor öffnet sich. „Freie Fahrt!“ signalisiert die Verkehrslenkung.

Stralsund wird zweiter Heimathafen für den Flusskreuzliner „Junker Jörg“: Die OZ fuhr mit von Hamburg an den Sund.

„Junker Jörg“

Baujahr: 1991; Bauwerft: De Biesbosch, Dordrecht, Niederlande; Länge: 95 m; Breite: 11 m; Tiefgang: 0,95 m; Passagiere: max. 112; Crew: 26; Heimathafen: Lutherstadt Wittenberg; Flagge:

Deutschland; Routen unter anderem: Stralsund-Stettin-Stralsund, Hamburg-Kiel-Hamburg, Wittenberg-Dresden-Wittenberg, Wittenberg-Melnik/Prag-Wittenberg, Hamburg-Dresden, Veranstalter: Luther Travel Cruises

Info: www.hotelschiff.net

Kapitän Joachim Schramm aus der Elbe-Stadt Tangermünde freut sich: „Dann sind wir ja schnell an unserer Übernachtungsstelle in Rendsburg.“

Anzeige

Weit schweift der Blick übers platte Marschland: Felder, Wiesen, Wälder. Kanal-Romantik pur. Kühe blicken nicht mal auf, als der flache „Junker“ vorbeirauscht. Hinter Büschen und Bäumen ducken sich Gehöfte. „Seefahrt durch den Bauernhof!“, kommentiert ein Berliner Gast die Szenerie. Die Passagiere sind aus dem Häuschen. Besonders von den „Riesenpötten“, die hautnah vorbeiziehen. „Wir haben zwar Dampfer auf unseren Seen, aber nicht solche dicken wie hier“, schwärmt eine Schweizerin. Das sei auch ihr Motiv gewesen, mit auf die Tour zu gehen.

Voraus die Lotsenstation Rendsburg-Rüsterbergen. Ein orange leuchtendes Boot schwingt elegant im Halbkreis heran und schmiegt sich an die Steuerbord-Flanke von „Junker Jörg“. Der erste Lotse steigt ab, ein Kollege auf. Nur noch eine Rechtskurve und das weiße Schiff legt nach 62 Kilometern und rund vier Stunden im Hafen von Rendsburg an. Viel Zeit für die 110 Gäste, denn erst am nächsten Tag um 12 Uhr soll es weitergehen.

Insgesamt siebeneinhalb Stunden hat die Reise über Land auf dem knapp 100 Kilometer langen „Silberband“ zwischen den Meeren gedauert. Schleswig-Holstein zu Schiff – im Radfahrertempo von maximal 15 Kilometern pro Stunde. Mehr sind nicht erlaubt, um die Kanalböschungen zu schonen. Aber mit 85 Zentimetern Tiefgang geht vom schlanken „Junker“ ohnehin keine Gefahr aus.

Kaum hat das Flusskreuzfahrtschiff die 310 Meter lange und 42 Meter breite Schleusenkammer in Kiel-Holtenau verlassen, wird es von einer Segelschiffs-Armada umzingelt. Bei strömendem Regen kommen die Ein-, Zwei- und Dreimaster zurück von ihren Gästefahrten während der Kieler Woche. Direkt hinter dem Liegeplatz reckt sich der gewaltige Klüverbaum der russischen Viermastbark „Sedov“ über das Hafenbecken. „Junker Jörg“ durchquert die Kieler Förde, um die kleine Friedrich-Werft anzusteuern. Dort werden die 70 Schiffs-Fenster über der Wasserlinie mit insgesamt 140 je 25 Kilo schweren Stahlplatten wellenschlagsicher verschlossen. 3,5 Tonnen Stahl werden angeschraubt. Das ist so vorgeschrieben für ein Flusskreuzfahrtschiff, das die Ostsee überqueren will. Dazu sind auch eine Sondergenehmigung und Lotsen-Beratung vorgeschrieben. Die Wetterprognose muss entsprechend sein: nicht mehr als Windstärke drei, Wellenhöhe maximal ein Meter. Bis auf sechs Mann nautisch-technisches Personal verlässt die Crew das Schiff und fährt per Bahn nach Stralsund – weil nicht mehr Rettungsmittel vorhanden sind.

Dorthin soll die Leerfahrt gehen. Da das Drei-Deck-Schiff für viele Kanalbrücken zwischen Elbe und Oder zu hoch ist, bleibt nur der Weg über die Ostsee. Der lohnt sich aber, denn, so freut sich Kapitäns-Eigner Jan Harnisch aus der Lutherstadt Wittenberg, dem Heimathafen der „Junker Jörg“: „Die meisten Reisen in unserem neuen Fahrtgebiet von Stralsund über Lauterbach, Greifswald, Peenemünde, Wolgast, Swinemünde nach Stettin und zurück für 2018 und 2019 sind fast schon ausgebucht.“ Eine Route mit Alleinstellungsmerkmal, die ab 1. Juli erstmals befahren wird.

Am Dienstag ist es dann so weit: Alle Bedingungen erfüllt. 03.30 Uhr: Unter Beratung durch den Greifswalder Ältermann der Lotsen-Brüderschaft WiRoSt (Wismar, Rostock, Stralsund), Christian Subklew, nimmt Kapitän Joachim Schramm am Marine-Ehrenmal Laboe vorbei Kurs auf die offene See. Leichter Westwind schiebt das Schiff mit 8,7 Knoten nach Osten um die Insel Fehmarn herum in die Kadetrinne. Als der Seenebel sich verzieht, kommt Hiddensee in Sicht. Wenig später präsentiert sich voraus die markante Silhouette von Stralsund. Am Dienstagabend um 18.30 kann Schramm im Logbuch vermerken: „Fest am Hansekai nach 16 Stunden und 130 Seemeilen“.

Stralsunds Tourismus-Chef André Kretzschmar lässt es sich nicht nehmen, am Liegeplatz vor dem Ozeaneum an Bord zu kommen und die Führungsriege zu begrüßen: „Willkommen im neuen Heimathafen! Schiff und Route sind eine echte touristische Bereicherung für Stadt und Region.“

Peer Schmidt-Walther

Berlin/Wolfsburg - Parken auf dem Pannenflugplatz
28.06.2018
Rostock/Düsseldorf - Weniger Insolvenzen im Nordosten
28.06.2018