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Seewirtschaft Angel-Kutter suchen nach Rettungsring
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00:00 06.03.2017
Andreas Retzlaff organisiert seit mehr als 20 Jahren Angelfahrten in der Ostsee. Zu dem Familienbetrieb gehört auch sein Sohn Erik.
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Freest/Sassnitz

Angelkutterbetreiber starten in diesen Tagen in eine schwierige Saison: Den Schiffseignern geht das nautische Personal aus. Zusätzlich vermasselt die erstmals für Angler geltende neue EU-Fangquote ihnen das Geschäft. In ihrer Not hoffen sie auf Hilfe aus der Politik.

„Wir sind zwischen Baum und Borke geraten“, sagt Andreas Retzlaff (47). Seit mehr als 20 Jahren bringt er Freizeitangler mit seiner „Moret“ vom Liegeplatz in Rostock-Schmarl zum Angeln raus auf die Ostsee. Der 1949 gebaute 17-Meter-Kutter ist ein kleiner Familienbetrieb: Zur zweiköpfigen Besatzung gehört noch Retzlaffs Sohn Erik Morawietz (19). Es sei nie leicht gewesen, den Betrieb über Wasser zu halten. Doch dieses Jahr könne eine eine Art Schicksalsjahr für die Branche werden.

Seit Januar darf ein Angler in der Laichzeit im Februar und März nur noch maximal drei Dorsche am Tag fangen, in der übrigen Zeit bis zu fünf (die OZ berichtete). Grund für die Obergrenze sind schwindende Vorkommen. Die Quoten für Berufsfischer, die es schon lange gibt, wurden dieses Jahr verschärft. Beide Gruppen – Kutterbetreiber und Fischer – leben zu großen Teilen vom Dorsch. Gut 20 Angelfahrten-Kutter gibt es noch in MV, schätzt Retzlaff.

„Wir haben 30 Prozent weniger Anmeldungen“, sagt Tilo Rössler (37), Geschäftsführer der Rostocker Firma Angel- und Seetouristik. Noch sei es zu früh für ein Fazit, die Saison fange ja gerade erst an. Aber durch Gespräche mit Kunden und Kollegen weiß Rössler, dass es ernst ist. Mit sieben Kuttern war das Unternehmen in den 1990er- Jahren einer der größten Anbieter in MV. Inzwischen sind nur noch zwei Boote übrig. Ein Problem sei fehlendes Personal. „Wir finden keine Kapitäne mehr“, sagt Rössler. Oft steuern noch aktive Seeleute im Rentenalter mit solider DDR-Ausbildung die Schiffe. Doch diese Gruppe wird immer kleiner. „Wir müssen sehen, wie dieses Jahr wird“, meint Rössler. Er schließt nicht aus, dass es das letzte für die Angelfahrten sein könnte.

„Psychologie ist wichtig“, meint Andreas Retzlaff. Viele Angelfahrten-Teilnehmer, die teils aus ganz Deutschland und der Schweiz anreisen, fangen gar keine fünf Dorsche. Aber die Aussicht, dass bei fünf in jedem Fall Schluss ist, bremst die Angelfreude. Aber es gibt noch weitere Motive: „Die meisten Leute haben kein Geld“, sagt Viktor (56). Seinen Nachnamen möchte der Ukrainer, der seit 20

Jahren in Rostock lebt und Stammkunde auf der „Moret“ ist, nicht sagen. „Wenn ich 45 Euro für die Fahrt bezahle und nur drei kleine Dorsche fange, ist das ein hoher Kilopreis“, meint er. Ihm gehe es um den Spaß, was sich nicht jeder leisten könne.

Die Kutterbetreiber suchen nach Verbündeten. Es gab ein Treffen mit SPD-Landtagsabgeordneten, die grundsätzlich Unterstützung signalisierten. Wie die aussehen könnte, bleibt vage. Neue Geschäftsfelder, wie Seebestattungen oder Ausflugsfahrten, könnten eine Alternative sein, meint ein SPD-Sprecher. Retzlaff hält das für schwierig. Die einfachen Kutter müssten erst umgebaut werden, außerdem seien diese Märkte längst dicht. Mehr bringen würde konkrete Hilfe. Etwa Nachlässe bei den Liegeplatzgebühren, um die hohen Betriebskosten zu senken.

Die meist betagten Holzrumpf-Kutter gelten als Sonderfahrzeuge und dürfen nur Passagierfahrten anbieten, weil sie Bestandsschutz genießen. „Jeder Kutter, der sich abmeldet, ist weg und kommt nicht wieder“, sagt Retzlaff. Die Sicherheits-Anforderungen sind so hoch wie in der Berufsschifffahrt. Anderthalb Dutzend Zertifikate, die jährlich erneuert werden müssen, sind nötig, dazu regelmäßige Gesundheits-Checks der Besatzungsmitglieder. Das alles geht ins Geld. Je nach Größe kostet es 30000 bis 80000 Euro im Jahr, um einen Kutter betriebsbereit zu halten. Das muss erst mal hereinkommen. Wenigstens Retzlaff will auf keinen Fall aufgeben: „Was soll mein Schiff sonst machen?“

Stellnetzfischer auf Heringsjagd

Nach den Schleppnetzfischern sind nun auch die Stellnetzfischer an der Ostseeküste in die Heringsfischerei gestartet. Nach erfolgreichen Probefängen in den vergangenen Tagen startete am Samstag die Fischereigenossenschaft Freest – die größte in Vorpommern – mit acht Kuttern in den Heringsfang. Mit einer Fangmenge von 26 Tonnen war das ein gelungener Auftakt, sagte Genossenschafts-Chef Michael Schütt.

Die Fischereigenossenschaft liefert ihren Hering traditionell nach Dänemark. Dort wird der Rogen für den asiatischen Markt verarbeitet. Die Filets werden mariniert. Die Preise seien gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Nach dem Rückzug des Eises in den küstennahen Boddengewässern ziehen mehrere Fischereigenossenschaften auf der Insel Rügen und dem Festland mit der traditionellen und als behutsam geltenden Fischerei den Hering aus den Gewässern. Die Kutter in Stahlbrode landen seit drei Tagen stabile Fänge um 2,5 Tonnen an, wie der Chef der Stahlbroder Fischer, Bernd Schütze, sagte. Im Euro-Baltic-Fischwerk in Sassnitz werden neben dem Schleppnetzhering derzeit bereits täglich 20 Tonnen Stellnetzhering angelandet und verarbeitet. „Diese Mengen werden in den nächsten Tagen weiter steigen, wenn der Heringsrogen reifer geworden ist und dafür höhere Preise gelten“, sagte der Geschäftsführer des Fischwerks, Uwe Richter

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die erlaubten Heringsfangmengen für die Kutter- und Küstenfischer um acht Prozent. Diese Entwicklung sei erfreulich, sagte der Vizechef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Michael Schütt. Dennoch sei das einstige Niveau, das die Fischerei vor den jahrelangen massiven Quotenkürzungen hatte, noch nicht erreicht. In diesem Jahr dürfen beispielsweise die Freester Fischer etwa 2500 Tonnen Hering fangen, 2008 waren es 3200 Tonnen. Mit der diesjährigen Qualität der Heringe zeigten sich Fischverarbeiter wie auch Fischer zufrieden. M. Rathke

Gerald Kleine Wördemann

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