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Seewirtschaft Eisbrecher „Stephan Jantzen“ entert Rostocker Museum
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Eisbrecher "Stephan Jantzen" entert Rostocks ehemaliges Schifffahrts-Museum

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16:39 24.02.2020
Ahoi „Stephan Jantzen“: Franziska Nagorny (v. l.), Assistentin der Kulturamtsleiterin Michaela Selling, Ex-Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, Toralf Jenß vom Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund (WSA), Jochen Pfeiffer, Vorsitzender des Vereins Societät Rostock maritim, WSA-Leiter Holger Brydda und Rostocks ehemaliger Oberbürgermeister Roland Methling freuen sich über das Eisbrecher-Modell. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Rostocks größte Flotte bekommt Zulauf im Mini-Format: Ein originalgetreues Modell der „Stephan Jantzen“ macht im ehemaligen Schifffahrtsmuseum fest. Der XS-Eisbrecher bereichert ab sofort die Dauerausstellung des Vereins Societät Rostock maritim.

Kaum geht der maritime Hingucker zwischen Großseglern, Dampfern und anderen Exponaten vor Anker, wird es von Bewunderern umringt. Einer von ihnen ist Roland Methling. „Ist das nicht ein schönes Stück?“, schwärmt Rostocks ehemaliger Oberbürgermeister. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir so ein exklusives Modell bekommen.“

Das Schiff hat eine lange Fahrt hinter sich. Es wurde aus Stralsund nach Rostock überführt – auf dem Landweg. Im Museum liegt es nun buchstäblich auf dem Trockenen, geschützt in einer Vitrine. Das Original trotzt zeitgleich Wind und Wetter: Knapp einen Kilometer Luftlinie entfernt schwimmt es auf der Warnow.

Fotos vom echten EisbrecherStephan Jantzen

Bilder vom Eisbrecher „Stephan Jantzen“

Seit 2009 ist Rostock Heimathafen der „Stephan Jantzen.“ Schlepper hatten den Eisbrecher von Stralsund aus hierher gebracht. Die Zeiten, in denen sich das Schiff auf der Ostsee durch dicke Schollen pflügte, lagen da schon lange hinter ihm.

Bärtige Haudegen zu Tränen gerührt

Der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ ist aus Rostocks Stadthafen kaum wegzudenken. Quelle: OVE ARSCHOLL

2005 wurde die „Jantzen“ außer Dienst gestellt. „Begleitet von den Tränen alter Haudegen. Ich habe noch nie so viele bärtige Männer weinen sehen“, erzählt Holger Brydda, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Stralsund.

Überbordend ist dagegen die Freude, als Brydda nun die Mini-„Jantzen“ vom Sund an die Warnow bringt. „Sie stand lange Zeit bei uns auf dem Flur und wurde langsam zum Staubfänger. Dafür ist sie doch viel zu schade“, befindet der WSA-Chef. „Sie gehört nach Rostock.“

Den passenden Liegeplatz hat der kleine Eisbrecher in der August-Bebel-Straße gefunden: Im ehemaligen Schifffahrtsmuseum soll er ab sofort alle Blicke auf sich ziehen. „Diese Aufmerksamkeit hat er verdient“, meint Jochen Pfeiffer, Vorsitzender des Vereins Societät Rostock maritim.

Die Geschichte der „Stephan Jantzen“

Die „Stephan Jantzen“ wurde 1967 in Leningrad gebaut – als letztes von 21 baugleichen Schiffen – und nach dem Warnemünder Lotsenkapitän Stephan Jantzen benannt. Bis 1990 gehörte der Eisbrecher zur Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei der DDR, bis 2005 zum Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund.

2006 kaufte es Immobilienhändler Paolo Zampolli. Im Jahr 2009 kam der Eisbrecher nach Rostock. Ab 2012 stritt Zampolli mit Kai Gunther Lehmann aus Heidelberg, der ebenfalls Besitzansprüche anmeldete.

Im Mai 2018 wurde der 68 Meter lange, 2300 Tonnen schwere und 5400 PS starke Stahlkoloss zwangsversteigert. Die Hansestadt Rostock bekam den Zuschlag – für 25 000 Euro. Der Verein Technische Flotte Rostock kümmert sich um den Erhalt des Schiffes.

So wertvoll wie ein Kleinwagen

Das Modell ist –„Pi mal Daumen“ – im Maßstab 1:70 gefertigt und eine Dauerleihgabe. Ganz herschenken will der Eigentümer das gut 50 Kilo schwere Schätzchen nicht, schließlich ist es zwischen 15 000 und 20 000 Euro wert. „So spendabel ist der Bund nicht“, sagt WSA-Chef Brydda und lacht.

Der Mini-Eisbrecher ist brandneu in Rostock, seine Geschichte in der Hansestadt steht ganz am Anfang. Das Original dagegen hat hier schon Abenteuer erlebt, die ganze Bücher füllen können.

Rostock in Acryl und Öl

Noch bis zum Sonntag, 1. März, läuft die Ausstellung zum alten und neuen Rostock in der ersten Etage der Societät Rostock maritim. 25 Malerinnen haben sich mit über 80 Bildern beteiligt, die Walter Kempowski, dem Rostocker Sohn, zu seinem 90. Geburtstag gewidmet sind.

Die Malerinnen haben ihre Motive frei gewählt – zum einen nach Vorlagen aus alten Postkarten und Büchern oder ganz aktuellen Motiven von Rostock, zum anderen wurden spezielle Details ausgewählt, wie die Rathausschlange, eine alte Gaslaterne oder eine Kirchenglocke. Die Bilder wurden in Acryl, Pastell und Öl auf Keilrahmen gemalt.

In den vergangenen beiden Jahren sind sie in Malworkshops unter der Kursleitung von Marianne Kindt aus Laage und Magrit Göllnitz aus Rostock standen. Seit 2004 arbeiten die Malerinnen in Workshops zusammen und beteiligen sich an verschiedenen Ausstellungen, besonders in Rostocker Kirchen.

Societät Rostock maritim e.V., August-Bebel-Straße 1

Jantzen“ schreibt abenteuerliche Geschichte

Rückblick: Ab 2012 bekriegen sich der New Yorker Immobilienhändler Paolo Zampolli und der Heidelberger Kapitän Kai Gunther Lehmann. Beide wollen Besitzer der „Jantzen“ sein. 2015 bestätigt ein Gericht Zampolli als rechtmäßigen Eigentümer. Weil der aber die Liegekosten nicht zahlt, beschlagnahmt die Hansestadt das Schiff.

Im Mai 2018 wird die „Jantzen“ zwangsversteigert. Die Stadt kauft sie für 25 000 Euro und setzt den Verein Technische Flotte als Betreiber ein. Bis heute kümmern sich die Ehrenamtler um den Erhalt des schwimmenden Oldtimers. Dafür investieren sie viel Herzblut und Geld: Das Schiff verschlingt monatlich mehrere Tausend Euro Unterhaltskosten und viele Arbeitsstunden.

Da haben es die Vereinsmitglieder der Societät Rostock maritim leichter: Ihnen genügt ein Staubtuch, um ihren Mini-Eisbrecher ansehnlich herzurichten. Wer einen Blick in die Vitrine auf die kleine „Jantzen“ werfen möchte, hat ab sofort Gelegenheit dazu.

Öffnungszeiten

Die Societät Rostock maritim im ehemaligen Schifffahrtsmuseum ist montags bis freitags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Die maritime Bibliothek öffnet von Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr. Erwachsene zahlen 3, Kinder (12–16 Jahre) 2 Euro Eintritt.

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