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Wirtschaft Silikon gegen Krankenhauskeime: Rostocker Start-up begeistert Ärzte und TV-Löwen
Nachrichten Wirtschaft Silikon gegen Krankenhauskeime: Rostocker Start-up begeistert Ärzte und TV-Löwen
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22:26 07.11.2019
Konstantin Altrichter (l.) und Karl Hartmann von Daisygrip Quelle: Frank Hormann / nordlicht
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Rostock

Mit einem Riemen aus Silikon haben Karl Hartmann und Konstantin Altrichter (beide 27) einen Löwen eingefangen und Lebensretter ausstaffiert. Was abenteuerlich klingt, umreißt die Erfolgsgeschichte von Daisygrip. Das Start-up aus Rostock will den Alltag in Kliniken und Arztpraxen revolutionieren.

Hartmann und Altrichter haben einen innovativen Venenstauer entwickelt, der das Blutabnehmen zur sauberen und sicheren Sache macht. Herkömmliche Stauschläuche bestehen aus einem Mix von Elastan und Baumwolle. Will man ausschließen, dass Krankheitserreger von einem auf den nächsten Patienten übertragen werden, müssten diese Standardgurte zwischen zwei Anwendungen im Dampfsterilisator abgekocht werden. Weil das aufwendig ist, passiert es in der Regel nicht.

Daisygrip löst das Problem: Der Stauer besteht aus beschichtetem Silikon. Mit Desinfektionsmittel einsprühen und abwischen genügt, um Keime abzutöten. Per Magnetschließe lässt sich der Gurt zudem problemlos mit einer Hand öffnen oder schließen.

Daisygrip – das Start-up in Bildern:

Daisygrip aus Rostock

Im Stauer stecken zwei Monate Entwicklungsarbeit und eine ungewöhnliche Materialsuche. „Wir haben gefühlt alle Bänder eingekauft, die der Baumarkt hergibt“, erzählt Hartmann und lacht. Nach etlichen Gurttests landen die beiden bei Silikon. Die Ursprungsform für den Verschluss produzieren sie in der WG mit einem 3D-Drucker. Anhand dieses Entwurfes stellt ein Partner Schließen im Spritzgussverfahren her.

Dann geht’s ganz schnell: Im März 2018 gründen Altrichter und Hartmann ihr Unternehmen. Ein halbes Jahr später bringen sie ihre ersten Daisys, wie sie ihre smarten Stauer nennen, auf den Markt.

Erfolg in der Löwenhöhle

Mit denen haben sie viele Mediziner und einen Investor der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ überzeugt: Milliardär Carten Maschmeyer beißt an. Der Deal kommt nach der Sendung zwar doch nicht zustande. Gelohnt hat sich der TV-Auftritt trotzdem, denn er macht das Start-up über Nacht bundesweit bekannt. Das zahlt sich aus: „Wir machen schon im ersten Jahr Gewinn. Welches Unternehmen kann das von sich behaupten?“, sagt Hartmann stolz.

Inzwischen sind Daisys auch in Österreich und der Schweiz im Einsatz. Das Auslandsgeschäft wollen die Rostocker mit Hilfe von Vertriebspartnern ausbauen. Sie sind auch selbst in aller Herren Länder unterwegs. So warben sie schon in Dubai für ihre Erfindung. Weil das Geschäft brummt, haben die Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten für Menschen mit Behinderung alle Hände voll zu tun: Bis zu 2000 Daisys setzen sie pro Woche zusammen.

Eigene Firma statt Weltkonzern

Für ihr Start-up ließen die Gründer sichere Jobs sausen: Bevor sie ihr Unternehmen gründeten, hat Karl Hartmann als Wirtschaftsingenieur beim Weltkonzern Johnson&Johnson gearbeitet, zu dem Marken wie Bebe und Dolormin gehören. Konstantin Altrichter praktizierte als Arzt.

Die Gründer sind ein eingespieltes Duo. „Konstantin war in meiner Parallelklasse. Erst haben wir gegeneinander Fußball, dann miteinander Volleyball gespielt“, erzählt Karl Hartmann. Nun machen Beide auch beruflich gemeinsame Sache. Ein Fulltime-Job, doch für ihre Firma nehmen sie gern Überstunden in Kauf. „Das Coole, wenn man mit seinem Kumpel gründet: Selbst wenn man mehr arbeitet, man hat immer einen Freund dabei“, sagt Hartmann.

Neue Produkte in Planung

An Arbeit dürfte es auch künftig nicht mangeln. „Wir haben zwei, drei konkrete Weiterentwicklungen in der Planung“, verrät Konstantin Altrichter und scherzt, „Wir sind noch in der Baumarktphase.“ Vielversprechend, denn dass im Baumarkt eine Erfolgsgeschichte beginnen kann, haben sie mit Daisygrip beweisen.

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