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Wirtschaft Selbstkomponierte Seifenoper: Rostockerin erfolgreich mit Naturkosmetik
Nachrichten Wirtschaft Selbstkomponierte Seifenoper: Rostockerin erfolgreich mit Naturkosmetik
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17:00 12.11.2019
In der Manufaktur ihres Fachgeschäfts Biobalsam stellt Juliane Giesel Naturkosmetik wie Seifen und Cremedeos her. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Rostock

Zitrusnoten betören die Sinne, sobald man die Manufaktur Biobalsam von Juliane Giesel (30) betritt. Was so frisch nach Lemongras und Melisse duftet, ist ein waschechter Soap-Star und bei Fans von Naturkosmetik begehrt: Haarseife. „Der absolute Renner“, sagt die Rostockerin.

Rein pflanzliche Pflegeprodukte sind gefragt wie nie. Frei von künstlichen Zusätzen, dafür Natur pur und in Handarbeit gesiedet – mit der Kombination glückt selbst einem Klassiker das Comeback: Seifen sind zurück in deutschen Badezimmer.

Nickerchen für Schaumschläger

Für den Beauty-Liebling ihrer Kunden verseift Juliane Giesel auf 50 Grad Celsius erwärmte Fette und Öle mit Lauge. Mit einem Pürierstab rührt sie die Flüssigkeiten zusammen. Dabei dickt der klare Mix zu goldgelbem Seifenleim ein. „Hat was von Vanillepudding“, sagt sie und lacht.

Noch ein paar ätherische Öle dazu, dann muss es ruckizucki gehen, sonst wird die Masse zu zäh. Juliane Giesel wuchtet den 10-Liter-Topf über eine Silikonform und gießt den Leim hinein. „Da sind Muckis gefragt“, scherzt sie. Dann wird’s kuschelig: Kaum ist die Form verschlossen, wickelt die Siederin sie zusammen mit zwei Wärmflaschen in eine Wolldecke ein. „Ich leg’ die Seife schlafen.“

Nach eins, zwei Tagen ist der meterlange Barren so fest wie Butter, die frisch aus dem Kühlschrank kommt. Dann legt Juliane Giesel den Block in ein Gerät, das aussieht wie ein überdimensionaler Eierschneider und teilt die XL-Seife in handliche Stücke. Einshampoonieren sollte man sich damit aber nicht. Die Seifen müssen mindestens vier Wochen reifen. Dann ist der pH-Wert so weit gesunken, dass der feste Schaumschläger die Haut nicht mehr reizt.

So werden bei Biobalsam Seifen gesiedet:

So entsteht eine „Biobalsam“-Seife

Mit Biobalsam hat sich die Betriebswirtin einen Traum erfüllt. Auf die Idee dazu kam sie in Berlin, wo sie eine Weile lang lebte und am eigenen Leib erfuhr, was grüne Pflege bewirken kann. „Ich hatte Neurodermitis. Dank Naturkosmetik ist die fast komplett weg.“ Weil ihr, zurück in ihrer Heimatstadt Rostock, das Angebot rein pflanzlicher Produkte nicht genügte, beschloss sie, selbst ein Fachgeschäft zu eröffnen.

Seit sechs Jahren bietet Juliane Giesel in der Großen Wasserstraße an, was das Herz von Naturkosmetikfans begehrt: Lotionen, Cremes und Make-up namhafter Hersteller füllen die Regale. Mittendrin steht Juliane Giesels selbstkomponierte Seifenoper – ein Stand voll dufter Stücke. Kaffee, Honig, Blumenwiese – 19 Seifensorten verströmen ihr Parfum. Sie sind eine Wohltat für feine Nasen und pflegen sensible Haut streichelzart.

Aus der Nische in den Mainstream

Davon konnte lange Zeit keine Rede sein. Früher taugten Seifen bestenfalls zum Händewaschen. Dank hochwertiger Inhaltsstoffe hat sich das starke Stück zur Pflege gemauster, mit der sich immer mehr Verbraucher von Kopf bis Fuß einseifen. Vom Nischenprodukt zum Mainstream, das freut Hersteller und Händler.

Die Branche boomt. Mehr als eine Milliarde Euro wird in Deutschland pro Jahr mit Naturkosmetik umgesetzt. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen, auch dank grünem Gewissen: Der Umwelt zuliebe greifen Kunden immer häufiger zu Produkten, die wie Seifen ohne Plastikhülle auskommen.

Verseifen, was die Region hergibt

Das Angebot wächst – nicht nur in Drogerien und Discountern. Kleine Manufakturen drängen auf den Markt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern stellen viele Seifensieder Produkte her, die sich gewaschen haben: Auf Rügen etwa bietet die Manufaktur „Inselseifen“ Haut- und Haarpflege mit Heilkreide an. „Jolu“ aus Dargun (Mecklenburgische Seenplatte) hat es mit Shampoo-Bars und Co. in Badezimmer und Lifestyle-Magazine geschafft. In Steinhagen bei Stralsund hat sich „Duft-Noten“ auf Ziegenmilchseife spezialisiert.

Ob Kräuter, Kreide oder Sanddorn – verseift wird, was die Region hergibt. Juliane Giesel genügt ein Griff zum Fensterbrett, schon hält sie eine Seifenzutat in Händen: Aus dem Saft der Aloe Vera, die in der Manufaktur gedeiht, macht sie einen Feuchtigkeitsbooster.

Auch Cremedeos, Badezusätze und Lippenpflege stellt die Rostockerin her. Verkaufsschlager ist die 2-in-1-Haarseife. Im begehrten Stück steckt neben Pflanzenölen auch saure Rinse. Die wirkt als natürliche Spülung, schließt die Schuppenschicht und lässt so selbst spröde Zotteln wie Seide glänzen.

Chefin liebt duften Job

Neben der eigenen Linie fertigt Juliane Giesel für Händler Sondereditionen an und verschickt sie quer durch die Republik. Dazu bietet sie im Onlineshop alles, was Haut und Haar schöner macht. Noch können Kunden aus den Vollen schöpfen. Damit das Seifenlager stets gut bestückt ist, wird täglich Nachschub produziert. Jetzt, da Weihnachten naht, haben Juliane Giesel und ihre Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. Kein Problem, die Chefin findet ihren Job dufte. „In Biobalsam steckt mein Herz.“

Marktanteil wächst

Immer mehr Käufer greifen zu Naturkosmetik. Während der deutsche Gesamtmarkt für Kosmetik 2018 stagnierte, legte der Bereich Naturkosmetik und naturnahe Kosmetik zu. Und Trend hält an: Experten gehen davon aus, dass sich der weltweit geschätzte Umsatz von derzeit ca. zehn Milliarden US-Dollar bis 2025 verdoppeln wird.

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