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Nachrichten Wirtschaft Das sind die fünf größten Probleme der Bahn
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15:38 10.12.2018
Die Bahn sucht ihren Weg: Das Unternehmen hat mit vielen Problemen zu kämpfen, von denen auch die Kunden in Mitleidenschaft gezogen werden. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Berlin

Der erste Schnee, hohe Temperaturen im Sommer oder ein kurzer Warnstreik. Vergleichsweise geringe Anlässe genügen bereits und bei der Deutschen Bahn bricht wie am Montag das Chaos aus. Warum ist das so? Warum funktioniert die Bahn im Krisenfall so schlecht? Die fünf größten Probleme des Unternehmens.

Schlechtes Streik-Management

In vielen europäischen Ländern ist es üblich, so genannte Streikfahrpläne festzulegen. Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ fordert dies auch für Deutschland. „In diesen legen die Tarifpartner fest, welche Züge im Streikfall verkehren werden, um ein Mindestmaß an Mobilität zu garantieren“, sagt Lukas Iffländer, Vizechef des Fahrgastverbands. Ein Streikfahrplan könne das Angebot massiv reduzieren und so den Arbeitgeber noch immer hart treffen. Der jeweils geltende Plan müsse genau wie der Streik 48 Stunden im Voraus über Aushänge, Apps, Newsletter und Internetseiten kommuniziert werden.

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Rein betriebswirtschaftliche Denkweise

„Bei der Bahn gibt es fast ausschließlich eine betriebswirtschaftliche Sichtweise aber keine volkswirtschaftliche“, erklärt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von „Pro Bahn“ gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Konkret bedeutet das: Im Zweifel wird auf eine Ersatzweiche verzichtet oder eine Ersatzstrecke einfach nicht gebaut, da dies Kosten verursacht. Aber im Notfall steht diese Infrastruktur dann eben auch nicht zur Verfügung. Naumann: „Das ist ungefähr so, als würde man auf der Autobahn auf den Standstreifen verzichten, da dieser ja auch nicht immer genutzt wird. Auf diese Idee würde wohl niemand kommen.“

Unregelmäßige Finanzierung

„Leider gibt es keine Kontinuität bei der Finanzierung der Bahn und wechselnde Unterstützung aus der Politik“, so Naumann. Mal gab es vom Bund fünf Milliarden Euro, im nächsten Jahr drei Milliarden Euro. Dies mache die langfristige Planung nicht nur für die Bahn, sondern auch bei den Zulieferern der Bahn schwierig. Inzwischen scheint aber eine gewisse Kontinuität für die Zukunft gewährleistet.

Bürokratie und Effizienzlücken

„Die Bahn ist an vielen Stellen noch zu bürokratisch und die Strukturen nicht auf der Höhe der Zeit“, so Naumann. Dies gelte beispielsweise bei der Übermittlung von Informationen – auch wenn die Bahn in dem Bereich an Verbesserungen arbeite. Ein Beispiel: In Stellwerken werden bestimmte Daten bei Störfällen noch immer händisch und nicht per Computer übermittelt. Dies mache die Bahn langsam und binde Kapazitäten, die dann womöglich an anderer Stelle fehlen.

Wettbewerbsnachteile

Die Bahn bekommt weniger Kunden und verdient damit weniger Geld, als sie könnte. „Sie ist gegenüber den Wettbewerbern klar benachteiligt“, sagt Neumann. Während die Bahn für den Strom, mit denen sie ihre Loks betreibt, die Öko-Steuer zahlt, ist beispielsweise das Kerosin für Flugzeuge steuerfrei. Ähnlich ist es bei den Bahntickets. Für diese gelten der normale Steuersatz, bei Flugtickets ins Ausland fällt dieser aber gar nicht an. Auch im Güterverkehr ist die Bahn beispielsweise gegenüber der Schifffahrt an vielen Stellen benachteiligt.

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Von Christian Burmeister/RND