Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Umweltverbände fordern Fangstopp für Dorsch in der östlichen Ostsee
Nachrichten Wirtschaft Umweltverbände fordern Fangstopp für Dorsch in der östlichen Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 13.05.2019
Kritischer Zustand: Umweltschützer fordern, den Dorschfang in der östlichen Ostsee sofort einzustellen. Quelle: OZ-ARCHIV
Anzeige
Rostock

Umweltschützer schlagen Alarm – und fordern einen „sofortigen Fangstopp“ für den Dorsch in der östlichen Ostsee. Grund sei der „kritische Zustand“ des Dorschbestands östlich von Bornholm, heißt es in einer Mitteilung mehrerer Umweltverbände, darunter die Deutsche Umwelthilfe und der WWF. Der kollabierende Bestand werde aber „selbst nach einem sofortigen Fangstopp noch immer im roten Bereich“ bleiben.

Die Umweltverbände berufen sich auf einen Bericht des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) sowie auf Daten von Forschungsfahrten aus dem vergangenen Jahr. Demnach sei die Dorschpopulation auf eine „verheerend geringe“ Größe geschrumpft. „Die Fischereiminister der Ostseestaaten und die Europäische Kommission müssen unverzüglich Sofortmaßnahmen ergreifen und den Fischfang stoppen“, heißt es. Eile sei geboten, sonst würden Fangschiffe die letzten Dorsche wegfischen, die sich in der im Mai beginnenden Laichzeit fortpflanzen könnten.

Dänemark fordert massive Kürzung der Dorsch-Quote

Die dänische Fischereiministerin Eva Kjer Hansen hat Medienberichten zufolge bereits reagiert. Sie wolle sich in den nächsten Wochen mit ihren Amtskollegen anderer Ostsee-Anrainerstaaten treffen. Ziel sei es, eine Senkung der Dorsch-Fangquoten in der östlichen Ostsee um 70 Prozent durchzusetzen. Was bedeuten würde, dass die kommerzielle Fischerei in dem Gebiet ganz eingestellt werden müsse. Nur der Beifang von Dorsch beim Fischen auf andere Fischarten solle erlaubt bleiben.

Von einem Fangstopp in der östlichen Ostsee wären auch deutsche Fischer betroffen. Dadurch „würde der Fischereidruck in der westlichen Ostsee wachsen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands der Kutter- und Küstenfischer MV, Michael Schütt. Fischereibetriebe, die gegenwärtig hauptsächlich westlich von Bornholm fischten, würden dann auf die westliche Ostsee ausweichen.

Auch deutsche Fischer fangen Ost-Dorsche

Deutsche Fischer verfügen derzeit über eine Quote von rund 2200 Tonnen Ost-Dorsch; die Quote ist damit genauso hoch wie für die West-Dorsche, die sie unter anderem vor den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns fangen dürfen. Vor allem deutsche Fischereibetriebe mit Kuttern, die länger als 20 Meter seien, nutzen das östliche Fanggebiet, erklärt Schütt. Denn der Spritverbrauch durch die längere Anfahrt müsse sich durch die Fangmengen rechnen.

So werden Fangquoten ermittelt

Die EU-Fischereiminister legen jedes Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen fest. Zuvor gibt die EU-Kommission Empfehlungen auf der Grundlage des ICES-Gutachtens, in dem der Zustand der einzelnen Bestände untersucht wurde. Bei den Verhandlungen müssen dann Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände gefunden werden. Die Gesamtfangmenge bestimmt, wie viel Fisch von der jeweiligen Art gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten als Quoten verteilt.

In den vergangenen Jahren hätten deutsche Fischer, etwa aus Sassnitz auf Rügen, das östliche Fanggebiet selten genutzt, sagt der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbands, Claus Ubl. In diesem Jahr sei das jedoch anders. Weil die Heringsquote extrem stark gesenkt wurde, würden Ost-Dorsche von deutschen Kuttern wieder stärker befischt. Durch einen Fangstopp ginge den Betrieben diese Alternative verloren. Ubl: „Wir sind daher gegen eine komplette Schließung, sondern für einen langfristigen Bestandsaufbau durch angemessene Quotenreduzierungen.“

Thünen-Institut: Umweltverbände dramatisieren

Unterdessen wirft der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, den Umweltverbänden vor, zu „dramatisieren“. Die herangezogenen Daten seien 16 Monate alt, und in der Zeit „können sich die Bestände komplett ändern“. Aktuelle Daten würden erst Ende Mai veröffentlicht. „Bis zu diesem Zeitpunkt kann noch niemand sagen, ob der ICES eine Schließung der Fischerei empfiehlt“, betont Zimmermann. Dass es dem Bestand des Ost-Dorschs schlecht gehe, sei seit Jahren bekannt.

Die Salzwassereinströme aus der Nordsee hätten zudem nicht die erhofften Verbesserungen für die Fische gebracht. Zwar seien die Einströme nach Dezember 2014 weiter als bis zum Bornholmbecken vorgedrungen, der „damit eingetragene Sauerstoff hat sich aber viel schneller verbraucht, als wir angenommen haben“, erklärt Zimmermann.

Axel Meyer

Konditoreien stemmen sich erfolgreich gegen den negativen Trend in Teilen des deutschen Lebensmittelhandwerks. Während es immer weniger handwerkliche Bäckereien und Fleischerbetriebe gibt, wächst die Zahl der Konditoreien seit Jahren.

12.05.2019

Der Testbetrieb des E-Highways auf der Autobahn 1 bei Lübeck lässt weiter auf sich warten.

12.05.2019

Bei Volkswagen erhalten der Betriebsratschefs und weitere Betriebsräte wieder das normale, übertarifliche Gehalt. Dies war zuletzt gekürzt worden. Nach einem Vergleich vor Gericht ist damit nun Schluss.

10.05.2019