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00:00 09.05.2014
Teilerfolg für Unternehmer Harald Selck
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Schwerin

Dem Land droht seit gestern eine gewaltige Klagewelle: Nach der Pleite der P+S-Werften erlitten zahlreiche Zulieferer Verluste in Millionenhöhe.

Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gibt die Verluste mit mindestens 50 Millionen Euro an. Viele fühlen sich von der Landesregierung getäuscht. Der Zulieferer KLH Selck aus Bad Doberan hat mit seiner Schadenersatzklage gegen das Land nun gestern vor Gericht überraschend einen Teilerfolg errungen. Die Landesregierung sei zur Hälfte für den Schaden, den das Unternehmen 2012 im Zuge der P+S-Werftenpleite erlitt, in die Pflicht zu nehmen, entschied das Landgericht in Schwerin. Wie hoch der Schaden ist, müsse in einer weiteren Verhandlung festgestellt werden.

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„Der Schaden für die öffentliche Hand könnte damit weiter wachsen“, sagte Johannes Saalfeld, Obmann der Grünen im Untersuchungsausschuss des Landtages zur Aufklärung der Pleite. Schon jetzt beziffert das Land den Verlust auf rund 270 Millionen Euro. Saalfeld: „Wie teuer die Pleite für das Land wirklich wird, ist seit heute wieder offen.“ Viele könnten dem Vorbild Selcks folgen, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Noch im März hatte die Richterin in der gescheiterten Güteverhandlung Zweifel an Selcks Sicht angemeldet. Unternehmern hätte klar sein müssen, dass es ein Restrisiko gibt. Der Kühlanlagenbauer KLH Selck hatte nach eigenen Angaben rund eine Million Euro verloren und dafür die fehlerhafte Informationspolitik der Regierung verantwortlich gemacht. Dem Urteil zufolge sieht das Gericht aber auch eine Mitverantwortung des Unternehmers selbst. Nähere Erläuterungen habe die Richterin nicht gegeben, sondern auf die schriftliche Urteilsbegründung in den kommenden Wochen verwiesen, sagte Gerichtssprecher Detlef Baalcke.

„Das kommt für mich überraschend. Im Vorfeld wurde mir gesagt, dass ich keine Chance habe“, sagte Harald Selck. Er empfahl anderen Geschädigten, ebenfalls ihre Ansprüche vor Gericht geltend zu machen. „Offenbar hat unsere Argumentation das Gericht doch überzeugt“, sagte Rechtsanwalt Matthias Mück, der den Unternehmer vertritt. Vertreter des Wirtschaftsministeriums hätten die Zulieferer noch im Juni 2012 aufgefordert, die Werften jetzt nicht im Stich zu lassen. Das Land habe dabei auf ein positives Gutachten für die Werften-Sanierung verwiesen und erklärt, das Schiffbauunternehmen mit einer Landesbürgschaft abzusichern. „Damit trat das Land als Sachwalter der Werften auf“, erklärte Mück. Die Zulieferer hätten den Zusagen vertraut. Notfalls werde Selck bis vor den Bundesgerichtshof als höchste Instanz ziehen, hatte der Anwalt schon zu Prozessbeginn angekündigt.

Wird das Urteil von beiden Seiten angenommen, verhandelt das Landgericht demnächst über die Schadenshöhe. Im Falle einer Berufung würde der Fall zunächst ans Oberlandesgericht Rostock gehen. Wie OZ und NDR enthüllten, standen die P+S-Werften in Stralsund und Wolgast schon im August 2011, also ein Jahr vor dem Insolvenzantrag, kurz vor der Pleite.

Zulieferer verloren 50 Millionen Euro
30 Zulieferer aus Mecklenburg-Vorpommern verloren durch die Pleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast insgesamt 50 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen fehlen den Firmen, weil bereits vereinbarte Aufträge nicht mehr eingelöst wurden. Auf etwa eine Milliarde Euro beliefen sich die Forderungen der P+S-Gläubiger insgesamt.



Corinna Pfaff und Jörg Köpke

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