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Wachstum trotz Konjunkturflaute – mit diesen Strategien sind Unternehmen aus MV erfolgreich

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19:00 11.02.2020
Mitarbeiter beschichten bei der Krebs Korrosionsschutz GmbH in Rostock ein Rohr für Windenergieanlagen. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Die Unternehmen Krebs und SEAR aus Mecklenburg-Vorpommern behaupten sich auch in Krisenzeiten und setzen auf weiteres Wachstum, während die Konjunktur weltweit deutlich abkühlt. Die OZ hat mit ihnen gesprochen, wie sie Brexit, Handelsstreit und Angst vor Rezession trotzen.

Anti-Rost-Experten setzen auf langfristige Geschäfte

Die 1949 in Hamburg gegründete Unternehmensgruppe Krebs hat nach der Wende mehrere Standorte in MV etabliert – in Wismar, Rostock und Lubmin. Mit seinen rund 400 Mitarbeitern hat sich das Familienunternehmen auf Korrosionsschutz für die Industrie spezialisiert.

„Eine unserer großen Stärken gegen Konjunkturflauten ist, dass wir auf die langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kunden setzen, nicht auf kurzfristige Geschäfte“, sagt der Geschäftsführer der Krebs Korrosionsschutz GmbH in Rostock, Andreas Biermann. Ein Fokus liege dabei auf mehrjährigen Dienstleistungspaketen, etwa mit Firmen wie Liebherr-MCCtec, EEW Special Pipe Constructions oder Anbietern im Offshore-Bereich.

Krebs halte dafür eigene Schwerlastlogistik vor: Mit Transportern und Mobilkranen – die Firma Warnowkran gehört seit zwei Jahren zur Krebs-Gruppe – könnten große Bauteile bewegt werden. Für die Beschichtung von Komponenten des größten von Liebherr gebauten Offshore-Krans habe Krebs eigens eine Halle auf dem Betriebsgelände errichtet.

Abhängigkeiten an Auftraggeber verringert

Wichtig sei es auch – neben einer guten Ausbildung der Mitarbeiter –, die Geschäfte auf breite Füße zu stellen. „Nach den Erfahrungen von zwei Werften-Insolvenzen in Wismar haben wir schon vor Jahren unsere Abhängigkeiten von Werft-Aufträgen verringert“, erklärt Biermann. Zwar erledige Krebs Aufträge, wie die Beschichtung von Winden, Reling oder Schornsteinen, übernehme aber nicht mehr den Korrosionsschutz für ein komplettes Schiff.

Krebs achte darauf, die Fühler in verschiedene Bereiche auszustrecken. So habe das Unternehmen ebenso Tanks im Ölhafen beschichtet wie die Container für das Hostel Dock Inn in Warnemünde. Weitere Kunden seien die Peene-Werft in Wolgast, Tamsen Maritim in Rostock sowie Raffinerien, Energielieferanten und die Deutsche Bahn. „Um uns gegen Krisen zu wappnen, schauen wir bei den Aufträgen und Kunden nicht nur auf das nächste Jahr, sondern auf die nächsten fünf bis zehn Jahre“ betont Biermann. Als neues Geschäftsfeld will Krebs auf dem Gebiet der Korrosionsbeschichtung von Strommasten Fuß fassen.

Mechatroniker-Azubi Clemens Runzel (18) verkabelt bei SEAR in Rostock einen Schaltschrank. Quelle: Dietmar Lilienthal

SEAR: Erfolgreich auf dem Markt der Megatrends

Die Geschichte des Rostocker Elektrotechnik-Unternehmens SEAR reicht bis 1904 zurück. Dabei war es auch mal „volkseigener Betrieb“ und Teil von Siemens oder der Deutschen Seereederei. Seit 2006 agiert SEAR nach einem Management-Buyout selbstständig und wächst seither.

In den vergangenen zehn Jahren sei der Umsatz von 30 Millionen auf 50 Millionen Euro pro Jahr erhöht worden, erklärt Geschäftsführer Mayk Wiese. Die Zahl der Mitarbeiter sei in dem Zeitraum von 160 auf rund 300 gestiegen. Die SEAR-Gruppe setzt den Angaben zufolge auf folgende Schwerpunkte: Energieübertragung und -verteilung mit dem Bau von Umspannwerken, erneuerbare Energien mit Offshore-Service, Batteriespeicheranlagen und Rückbau von kerntechnischen Anlagen sowie Automatisierung und Digitalisierung.

Finanzierung auf mehrere Partner verteilt

Damit das Unternehmen bei Konjunkturschwankungen auf Kurs bleibt, hat es beispielsweise seine Abhängigkeiten auf mehrere Finanzierungspartner verteilt, erklärt Wiese. So stelle das Land MV über Landesbürgschaften die Finanzierung zusammen mit den Banken sicher. „Ebenso setzen wir auf eine breite Kundenbasis, um nicht nur von einem Kunden abhängig zu sein“, betont Wiese.

Um weiteres Wachstum zu generieren, richtet das Unternehmen zudem sein Geschäftsmodell an „Megatrends“ aus. Aktuell große Themen sind demnach: Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. So will SEAR unter anderem die Ingenieurdienstleistungen ausbauen und hat dafür im vergangenen Jahr das Unternehmen Marine- und Automatisierungstechnik Rostock (MAR) vollständig übernommen.

„Auch gehen wir Joint Ventures mit anderen Unternehmen ein, um Kunden die komplette Wertschöpfungskette anbieten zu können“, so der Geschäftsführer. Kunden wollten oftmals nur einen Ansprechpartner für den Auftrag haben. Ebenfalls investiere SEAR in die Ausbildung der Mitarbeiter und pflege Beziehungen zu Kunden und Lieferanten. In diesem Jahr werde das Unternehmen unter anderem in Nordrhein-Westfalen im Auftrag von Siemens eine Konverterstation errichten.

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Von Axel Meyer-Stöckel

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