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14:34 08.09.2019
Formel 1 und Klimaschutz: Kann das funktionieren? Quelle: imago images / LaPresse
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Monza

Es ist nur eine Kleinigkeit. Aber sie zeigt auch eine Geisteshaltung: Zweimal im Verlauf der vergangenen Rennwochenenden hielt Sebastian Vettel nach seinen TV-Interviewrunden die Fernsehreporter und Kameraleute dazu an, bitte ihre mitgebrachten und über den Boden verstreuten Plastikflaschen wieder mitzunehmen und möglichst in entsprechenden Recyclingbehältern unterzubringen. Und er half auch selbst mit beim Aufräumen.

In Zeiten von Klimawandel, Umweltbewusstsein und Fridays for Future möchte Vettel, dass die Formel 1, die am Sonntag in Monza startet, mit gutem Beispiel vorangeht. „Das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich denke, die Formel 1 ist eine weltweit operierende Plattform und sollte viel mehr tun“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass es ausreicht, nur die Effizienz unserer Motoren zu bewerben.“

Für Weltmeister Lewis Hamilton, seit Kurzem Teilhaber an einem veganen Burger-Restaurant in London, ist die technische Entwicklung ein wichtiger Punkt. „Ich denke, vor allem als Bernie Ecclestone da war, hat man nicht viel gemacht“, so der 34-Jährige. Immerhin sei aktuell ein Wandel erkennbar. „Wenn man sich die V8- und die V10-Motoren von früher anschaut, dann verwenden wir jetzt auf einer Renndistanz ein Drittel weniger Benzin“, erklärt er. „Das ist bereits ein Fortschritt. Aber es gibt auf jeden Fall noch mehr, was wir tun können. Auch bei Dingen wie der Menge an Plastik, die an einem Rennwochenende verwendet wird.“ Er selbst setze sich daher bei Formel-1-Sportchef Ross Brawn und Co. dafür ein. Außerdem arbeite er daran, dass sein Mercedes-Team in solchen Dingen eine „Führungsrolle“ übernehme.

Mercedes will 2022 europaweit CO₂-neutral produzieren

Grundsätzlich steht bei den Silbernen das Thema sowieso schon sehr hoch auf der Agenda – und im Gegensatz zu manch anderem Team scheut man sich dort nicht, auf Anfrage des RND dazu Stellung zu nehmen. Als Unternehmen wisse man, so heißt es da, dass man heute mit dem Klimawandel vor einer gewaltigen Herausforderung stehe, einer Herausforderung, die weit über die Formel 1 hinausgehe. Als Hochleistungsentwicklungslabor für die Automobilindustrie würden dabei Formel 1 und Formel E eine wichtige Rolle spielen.

Was den Mercedes-Verantwortlichen wichtig ist: dass es nicht mehr in erster Linie um einen direkten Transfer von Teilen in die Serie geht, sondern auch um Entwicklungsprozesse, Forschungs- und Lösungswege, um allgemeine Ziele zu erreichen. Die zum Beispiel darin bestehen, dass in weniger als drei Produktzyklen die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO₂-neutral werden soll und dass bis 2022 alle europäischen Werke CO₂-neutral produzieren, also auch die Formel-1-Standorte im englischen Brackley und in Brixworth. Der Einsatz von möglichst schadstoffarmen Transportfahrzeugen, auch eine Verlagerung von Transporten auf die Schiene und eine detaillierte Logistikplanung, um die zu transportierenden Mengen an Material zu minimieren, kommen dazu.

Fia-Chef Todt: „Natürlich muss sich die Formel 1 anpassen“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat selbst Kinder im Teenageralter, die bei Fridays for Future engagiert sind: „Die gehen freitags auch nicht in die Schule, die sind bei den Demos dabei. Und das ist auch absolut okay so. Ich halte diese Bewegung für gut und richtig.“ Und wenn ihn seine Kinder fragen, wie er denn seinen Job in der Formel 1 und die Formel 1 überhaupt rechtfertige? „Dann würde ich ihnen sagen, dass unsere Technologie die effizientesten Motoren auf dem Planeten darstellt, mit 50 Prozent thermischer Effizienz. Damit können wir viel für die Serie tun, dort dazu beitragen, wirklich nachhaltig zu werden.“

Fia-Präsident Jean Todt sagt: „Genau aufgrund dieser Problematik ist das gegenwärtige Motorenreglement ja so entscheidend. Hybridtechnologie, Energieeffizienz, immer geringerer Benzinverbrauch, das sind doch wichtige Faktoren für die Zukunft. Natürlich muss sich die Formel 1 anpassen an eine Welt, die sich verändert und immer kritischer auf Umwelt- und Sicherheitsfragen schaut. Auch wenn das manchen älteren Formel-1-Puristen nicht gefällt – wir können heute nicht mehr mit der Technologie von vor 30 Jahren unterwegs sein.“

In den Gesprächen der Teams mit den Bossen von Liberty Media stehen derzeit oft noch kommerzielle Themen im Vordergrund. Doch auch F-1-Oberchef Chase Carey kommt nicht um­hin zu betonen, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema sei. Den Verantwortlichen ist klar: Diejenigen, die auf sofortige Verbannung aller fossilen Brennstoffe und auf massive Veränderungen der Mobilitäts- und Lebensweise dringen, wird man wohl nicht überzeugen können. Diejenigen, die auf notwendige Veränderung durch technischen Fortschritt setzen, schon eher.

Von Karin Sturm/RND

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