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12:33 22.02.2018
Windrad an Windrad: Immer mehr Bürgerinitiativen machen gegen den ungezügelten Windkraftausbau mobil – in Mecklenburg-Vorpommern auch die Partei „Freier Horizont“. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
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Penzlin

Der große Anteil erneuerbarer Energien sorgt im Nordosten Deutschlands für hohe Netzentgelte und damit auch die höchsten Strompreise bundesweit. „Wir fordern endlich einen Stopp der Ausbaupläne“, sagte Norbert Schumacher als Vorsitzender der windkraftkritischen Partei „Freier Horizont“ in Penzlin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Letztlich zahlten hiesige Verbraucher den Umbau des Stromnetzes, nicht die Nutznießer der Wind- und Solarparks oder Biogasanlagen.

Norbert Schumacher von der Partei

„Freier Horizont“ FOTO: WÜSTNECK/DPA

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg werden zu ,Strom-Exportkolonien’“, meinte Schumacher. „Die Einwohner finanzieren einen Ausbau des Netzes, der für die hier lebenden Menschen gar nicht nötig wäre.“ Zu dem hohen Anteil der Öko-Energie an Land kommt die Leistung der Windparks auf See noch dazu“, erklärte Schumacher.

Der Windenergie-Lobbyverband hielt dagegen, dass der Energieversorger Eon, Hauptgesellschafter der Edis AG, eine Senkung der Strompreise für Haushaltskunden von rund acht Prozent angekündigt habe.

Grund seien sinkende Kosten für Stromtransport und Netzentgelte. Die Schweriner Landesregierung habe den Netzausbau immer gestützt, was sich nun auszahle, meinte Andreas Jesse, Landesvorsitzender im Bundesverband. Im Nordosten sollten durch gute Landes- und Regionalplanung rechtssicher nutzbare Flächen bereitgestellt werden.

Schumacher wies dieses Ansinnen resolut zurück. Er forderte die im Landtag vertretenen Parteien auf, sich bei dem Thema den Interessen der Bürger zuzuwenden. „Wir sollten den Protest gegen Windparks, wie in der Friedländer Großen Wiese, nicht rechten Gruppierungen oder der AfD überlassen“, sagte der Parteivorsitzende.

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm erwartet nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen in Berlin für die Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern weiter steigende Strompreise. Union und SPD verfolgten das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien „deutlich“ zu erhöhen.

Der Energiedienstleister Edis (Demmin/Fürstenwalde) hatte mitgeteilt, dass im Osten Mecklenburg-Vorpommerns und in Brandenburg nur an Land schon viermal mehr Ökostrom erzeugt wird, als maximal verbraucht werden kann (die OZ berichtete). Die bisher 36000 Ökostrom-Produzenten, darunter Agrarbetriebe und vor allem bei Solaranlagen auch viele private Haushalte, hätten mit einer Kapazität von mehr als 10000 Megawatt (MW) eine „Schallmauer“ erreicht. Immerhin: Das entspreche der Leistung aller noch am Netz laufenden deutschen Kernkraftwerke. An die Einspeiser von Ökostrom im Edis-Netz wurden 2017 rund 1,5 Milliarden Euro EEG-Vergütung ausgezahlt. Um die „Grünstrom“-Mengen aufzunehmen, erneuerte der Netzbetreiber mit einem Investitionsaufwand von mehr als einer Milliarde Euro rund 10000 Kilometer seines 80000 Kilometer langen Stromnetzes. Laut Edis-Vorstandsvorsitzendem Alexander Montebaur setzt sich diese Entwicklung „in rasantem Tempo fort“. Derzeit lägen Anträge für Öko-Stromanlagen mit weiteren 20000 Megawatt Leistung vor. Davon betreffen etwa 8200 MW Mecklenburg-Vorpommern, ergänzte Edis-Sprecher Michael Elsholtz. Aber: Mit 5100 MW beziehe sich größte Teil der Anträge auf Solaranlagen. Bei Windparks gibt es Anträge für weitere 2800 MW, etwa 200 Megawatt Leistung könnten durch Blockheizkraftwerke entstehen.

Vom Bündnis zur Partei

Vor zwei Jahren haben sich Kritiker des Windkraftausbaus erstmals in Deutschland zu einer Partei zusammengeschlossen. In dem von Windrädern umringten Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) gründeten 32 Männer und Frauen am 27. Februar 2016 die Partei Freier Horizont. Viele kamen aus einer der Bürgerinitiativen gegen Windparks, die sich zuvor landesweit zum gleichnamigen Aktionsbündnis gegen den unkontrollierten Windkraftausbau vereint hatten. Jetzt hadert der Freie Horizont mit seinem Ruf als Anti-Windkraftpartei. Es gehe nicht um die Ablehnung von Windkraft. Anliegen sei die Landesentwicklung, sagte Parteichef Schumacher. Nächstes Ziel sind die Kommunalwahlen 2019.

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