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16:09 26.03.2019
Pocken-Viren flimmern über den Bildschirm, ein Mann verfolgt am dem Fernsehgerät das Wissensmagazin "Galileo". Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Berlin

Die Diskussion um eine mögliche Masern-Impfpflicht ist nicht neu. Immer wieder, wenn es in Deutschland regionale Masernausbrüche gibt, kommt das Thema auf den Tisch. In Deutschland gab es bislang nur ein einziges Mal eine Impfpflicht – gegen Pocken.

Die Pocken gehörten zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten für den Menschen überhaupt, die für rund ein Drittel der Betroffenen tödlich verlief, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI). Auch in Deutschland gab es bis 1972 immer wieder Ausbrüche der Krankheit, mit entsprechend vielen Toten. Die Krankheitslast war vor allem im 19. Jahrhundert sehr hoch.

Erste Krankheit, gegen die geimpft werden konnte

Die Pocken waren die erste Krankheit, gegen die überhaupt geimpft werden konnte – der britische Arzt Edward Jenner entdeckte 1798 die Möglichkeit, Menschen gegen die Pocken zu immunisieren. In Deutschland wurde 1874 eine breite Impfpflicht gegen Pocken eingeführt. Sie verpflichtete alle Deutschen, ihre Kinder im Alter von einem und zwölf Jahren gegen die Pocken impfen zu lassen.

Das Foto zeigt in Magdeburg einen Impfausweis, wie er zu Zeiten der DDR üblich war. Zu sehen ist der Eintrag zu einer am 18.11.1970 durchgeführten Pockenschutzimpfung. Quelle: Andreas Lander/dpa

Schon damals sei diese Impfpflicht umstritten gewesen und nach starken öffentlichen Debatten in der Weimarer Republik sowie in der Anfangsphase im Nationalsozialismus vorsichtig gelockert worden, wie Historiker und Schriftsteller Malte Thießen in dem Beitrag vom immunisierten Volkskörper zum „präventiven Selbst“ in den „Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte“ erklärt.

Im geteilten Deutschland wurde die Impfpflicht auf der Grundlage des Reichsimpfgesetzes wieder eingeführt, im Westen ab 1949 und in der DDR seit den Fünfzigerjahren. In der DDR sind dann auch Impfungen gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Kinderlähmung und Tuberkulose zwingend gewesen – ab 1970 auch gegen Masern.

Diskussionen um Persönlichkeitsrechte

Wie Historiker Thießen ausführte, hatte diese Ausweitung der Impfpflicht auch mit dem Selbstverständnis des sozialistischen Staates zu tun. Dessen Gesundheitspolitik, die auf eine effektive Ausrottung von Infektionskrankheiten zielte, sollte damit zugleich die Erfolge des Sozialismus bei der Schaffung einer neuen Gesellschaft demonstrieren.

Seit den Fünfzigerjahren wurde laut Thießen diese Impfpflicht immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert, weil sie nach Meinung der Kritiker gegen das im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verankerte Persönlichkeitsrecht verstieß. Das Bundesverwaltungsgericht entschied allerdings schon 1959, dass die verpflichtende Pockenschutzimpfung mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

RKI: Größter Erfolg des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Nach einer globalen Impfkampagne durch die Weltgesundheitsorganisation wurden die Pocken 1979 für ausgerottet erklärt – das Virus sei vom Planeten verschwunden, eine Impfpflicht daher nicht mehr notwendig, erklärt RKI-Sprecherin Marieke Degen. „Die Ausrottung der Pocken ist bis heute einer der größten Erfolge des öffentlichen Gesundheitsdienstes“, sagt sie.

Auch die Masern sollen – so das erklärte Ziel der WHO – ausgerottet werden. Um das zu erreichen, müssten 95 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein. In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es derzeit keine gesetzlich verankerte Impfpflicht für den Menschen, nur Impfempfehlungen.

Pockenimpfstoff für Bundesbevölkerung eingelagert

Ganz gebannt ist aber auch die Gefahr von Pocken nicht. In den vergangenen Jahren wurde etwa immer wieder auch vor einem möglichen Anschlag mit Pocken-Viren gewarnt. Für den Fall einer neuerlichen Ausbreitung seien vor über zehn Jahren Vorräte an Pockenimpfstoff eingelagert worden, mit denen im Notfall die komplette Bundesbevölkerung geimpft werden könnte, schreibt die „Deutsche Apotheker Zeitung“. Allerdings hätten die eingelagerten Impfstoffe keine Zulassung mehr.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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