Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wissen Deutschland rutscht beim Klimaschutz-Index weiter ab
Nachrichten Wissen Deutschland rutscht beim Klimaschutz-Index weiter ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:29 10.12.2018
Kohlekraftwerke wie das in Duisburg-Walsum am Rhein gelten als die größten Klimakiller.
Kohlekraftwerke wie das in Duisburg-Walsum am Rhein gelten als die größten Klimakiller. Quelle: epd-bild / Udo Gottschalk
Anzeige
Kattowitz/Hannover

Zur zweiten und entscheidenden Woche der Weltklimakonferenz in Polen sind am Montag Dutzende Regierungschefs und Minister angereist. Darunter ist auch die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Kaum angekommen, musste sie dort allerdings gleich eine ordentliche Schelte einstecken: Denn im alljährlichen Klimaschutz-Index ist die Bundesrepublik noch weiter zurückgefallen.

Der frühere Vorreiter rutschte demnach von Platz 22 auf Platz 27, hinter Staaten wie der Slowakei, Rumänien oder auch Indien. Ganz vorn liegt Schweden, gefolgt von Marokko und Litauen. Die ersten drei Plätze des Rankings bleiben wie in den vergangenen Jahren leer. Die Umweltorganisationen Germanwatch, CAN Europe und das New Climate Institute halten kein Land der Welt für so vorbildlich, dass es auf einer Siegertreppe stehen dürfte. Kein Land bringe den erforderlichen Beitrag, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wie es sich die Weltgemeinschaft vorgenommen habe, erklärten die Autoren der Studie zur Begründung. Schlusslichter sind der Iran, die USA und Saudi-Arabien.

Nach wie vor großer Verbrauch an Braunkohle

Verglichen wurden die Klimaschutz-Anstrengungen von 56 Staaten, die gemeinsam für mehr als 90 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. Im vergangenen Jahr belegte die Bundesrepublik noch Platz 22. „Die vergleichsweise schlechte Leistung in der Kategorie Treibhausgase lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass Deutschland nach wie vor einer der größten Verbraucher von Braunkohle ist“, schreiben die Autoren zur Begründung. Sollte es im nächsten Jahr eine Entscheidung für einen ambitionierten Kohleausstieg geben, könne dies das Land im Klimaschutz-Index „entscheidend nach vorn bringen“.

Die Umweltverbände kritisieren zudem, dass die Investitionen in Ökostrom-Anlagen zuletzt zurückgegangen seien und es keine ausreichende Strategie für einen klimaneutralen Verkehrssektor gebe.

USA rutschen auf vorletzten Platz ab

China, das weltweit bevölkerungsreichste Land und größter Produzent von Treibhausgasen, verbessert sich von Platz 41 auf 33. „Dies liegt in erster Linie am Trend der chinesischen Treibhausgasemissionen, da diese zwischen 2014 und 2016 nicht gestiegen sind“, so die Begründung. Neue Zahlen zeigten allerdings, dass die Emissionen wieder zugenommen hätten. Deshalb könnte die Volksrepublik im Index des nächsten Jahres wieder zurückfallen.

Die USA, die den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt haben, fallen bei den Emissionen um drei Plätze auf den vorletzten Platz. Zu der negativen Bewertung trage zudem bei, dass Maßnahmen zur CO2-Minderung gestoppt worden seien und Präsident Donald Trump den menschlich verursachten Klimawandel leugne, teilt Germanwatch mit. Für das Engagement außerhalb der nationalen Ebene gab es indes Lob: „Vor allem Städte und einzelne Bundesstaaten wollen eine ambitioniertere Klimapolitik erreichen“, steht im Klimaschutz-Index.

Von Sonja Fröhlich/RND/epd