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Wissen Die Welt wird immer abhängiger von Bienen
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13:54 15.07.2019
Eine Wildbiene sucht in der Stadtgärtnerei an Blüten des Mehlsalbeis nach Nektar. Quelle: Uwe Anspach/dpa
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Bariloche

Die globale Nahrungsproduktion könnte durch die immer stärkere Abhängigkeit von Bienen und anderen Bestäubern gefährdet sein. Das ergab eine internationale Studie, in der analysiert wurde, welche Lebensmittel weltweit angebaut werden. Demnach werden immer mehr Pflanzen angebaut, die zumindest zu einem Teil durch Insekten bestäubt werden müssen, gleichzeitig gibt es aber mehr und mehr Monokulturen, die Insekten gefährden. Südamerika, Afrika und Asien sind demnach besonders gefährdet. Aber auch Deutschland steht auf der Liste.

Ein Forscherteam um Marcelo Aizen von der argentinischen Universidad Nacional del Comahue in Bariloche analysierte, welche Pflanzen von 1961 bis 2016 weltweit von Landwirten angebaut wurden. Dazu nutzen die Forscher die Datenbank der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAOSTAT). Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Change Biology“ veröffentlicht.

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Ohne Insekten verringert sich der Ertrag

Demnach wurden über die Jahre hinweg immer mehr Pflanzen angebaut, die zumindest teilweise von Insekten bestäubt werden. Die Fläche, die für solche Pflanzen genutzt wurde, vergrößerte sich im Untersuchungszeitraum um knapp 140 Prozent. Vor allem der Anbau von Sojabohnen, Raps oder Ölpalmen nahm zu.

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Die Abhängigkeit von Bestäubern ist je nach Pflanze sehr unterschiedlich. Meist droht ohne die Insekten kein kompletter Ernteausfall, aber der Ertrag verringert sich. Andere Pflanzen hingegen sind Selbst- oder Windbestäuber. So befruchten sich Sojabohnen zumeist selbst und benötigen nur zu einem ganz geringen Teil Insekten. Raps kann sich ebenfalls selbst befruchten, nutz aber auch Wind und Insekten dafür. Ölpalmen sind dabei vor allem auf den Rüsselkäfer angewiesen. Durch die landwirtschaftliche Entwicklung stieg die Abhängigkeit von Bestäubern der Studie zufolge um insgesamt etwa 70 Prozent.

Fehlende Pflanzenvielfalt wird zum Problem

Gleichzeitig stieg die Pflanzenvielfalt im Agrarbereich nur sehr gering. Dieses Ungleichgewicht sei ein langfristiges Problem, so die Forscher. Oft gäbe es Monokulturen und die Insekten könnten dann nur für eine kurze Zeit die Pollen einer einzigen Blütezeit sammeln, so die Autoren. Mit den Monokulturen gingen auch andere Probleme einher, wie der Einsatz von Pestiziden und der Verlust von Lebensräumen. Langfristig wäre so die Bestäubung nicht gesichert und damit auch die Ernährungssicherheit gefährdet, so die Forscher.

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Die Studie zeigte allerdings große Unterschiede zwischen den Ländern. Am stärksten betroffen sind demnach Staaten, in denen gleichzeitig die landwirtschaftliche Fläche vergrößert wurde, mehr von Bestäubern abhängige Pflanzen kultiviert werden und die Vielfalt beim Anbau zum Teil sogar abnahm. Zu den verwundbarsten Ländern zählen demnach Brasilien, Argentinien, Paraguay, Bolivien, Malaysia und Indonesien.

Auch Deutschland stark von Bienen abhängig

„Die betroffenen Regionen produzieren in erster Linie Nahrungsmittel für die reichen Industriestaaten“, so Co-Autor Robert Paxton von der Universität Halle-Wittenberg in einer Mitteilung der Universität. Die Konsequenzen von geringeren Ernten in diesen Ländern, würden daher vor allem die importierenden Länder spüren.

Neben anderen europäischen Ländern wird auch Deutschland in der Studie explizit erwähnt, weil die Bestäuberabhängigkeit hier steige, die Diversität aber abnehme. Dies bestätigt Alexandra-Maria Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg, die nicht an der Studie beteiligt war: „Wir haben in Deutschland vor allem Raps und Apfelplantagen, die beide bis zu einem gewissen Grad Bienen als Bestäuber brauchen. Für die Diversität brauchen wir wieder mehr Fruchtfolgen auf demselben Feld“, mahnt sie. „Weiter muss es in Zukunft eine kleinteiligere Landwirtschaft geben, damit mehr nebeneinander wachsen kann.“

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Mehr Informationen über Nahrungsmittel hilfreich

Gelingen könne dies aber nur, wenn die landwirtschaftlichen Förderungen so angepasst würden, dass die Landwirte von einer Umstellung profitieren. „Solange es Förderungen für die bewirtschafteten Fläche aber wenig für Diversifizierung gibt, ist das schwer umzusetzen.“

Teja Tscharntke, Professor für Agrarökologie an der Universität Göttingen hält es ebenfalls für entscheidend, dass es naturnahe Lebensräume für Bestäuber gibt. Grundsätzlich fordert Tscharntke bessere Informationen über Nahrungsmittel: „Für die Konsumenten wäre es hilfreich, wenn es für landwirtschaftliche Produkte eine verbindliche und klare Kennzeichnung der Produktionsbedingungen gäbe. Dies trifft vor allem auch auf Produkte zu, die importiert wurden. Soja aus Brasilien, das auf Kosten der Regenwaldrodung oder nach Vertreibung indigener Gruppen angebaut wurde, sollte bei uns keinen Platz haben.“

Von RND/dpa

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