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Wissen Heuschnupfen: Fliegen 2019 mehr Pollen durch die Luft?
Nachrichten Wissen Heuschnupfen: Fliegen 2019 mehr Pollen durch die Luft?
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09:20 01.05.2019
Der Pollenflug macht jetzt im Frühjahr vielen Allergikern zu schaffen. Quelle: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com
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Hannover/Freiburg

Die Nase läuft und kribbelt, die Augen tränen und jucken. Der Heuschnupfen bringt momentan viele Allergiker fast um den Verstand. Ihr Körper reagiert auf sehr kleine Pflanzenteile in der Luft, die Pollen – und das heftig. Von den kleinen Pflanzenteilen fliegen im Frühjahr viel mehr herum als etwa im Winter, weil jetzt viele Pflanzen blühen. Allergiker scheinen zudem in diesem Frühjahr noch mehr von den Pollen geplagt zu sein als im vergangenen Jahr. Ob das wirklich so ist, weiß Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg (ZMMF) des Deutschen Wetterdienstes.

Pollenflug 2019: Wirklich stärker als in 2018?

Der Beginn der Hasel- und Erlenblüte setzte 2019 eine Woche früher ein als im langjährigen Mittel. Der Februar 2019 mit seiner milden, trockenen und sonnigen Witterung bot optimale Pollenflugbedingungen. Entsprechend hoch war die Pollenkonzentration in der Luft. Vor allem bei Erle wurden vielerorts sehr hohe Konzentrationen gemessen. Auch der März 2019 war sehr mild. Im Vergleich war die Witterung im Januar 2018 zwar ungewöhnlich mild, aber wechselhaft einhergehend mit hohen Niederschlägen, die zu einer Auswaschung der Pollen aus der Luft führte. Zudem waren Februar 2018 und März 2018 im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode zu kalt. Mit dem Kälteeinbruch stagnierte die Pflanzenentwicklung und der Pollenflug.

In diesem Jahr sind bei Erle vielerorts sehr hohe Pollenkonzentrationen gemessen worden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch wenn es einen Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration, also der Anzahl der Pollen pro Quadratmeter, und der Symptomstärke gibt, so ist die spezifische Immunantwort sehr individuell. Untersuchungen haben gezeigt, dass die individuelle Reaktionsschwelle zu Beginn einer Saison anders sein kann als gegen Ende einer Saison. Das heißt, dass bei gleicher Pollenkonzentration das Immunsystem am Anfang der Pollenflugsaison stärker als gegen Ende einer Saison reagiert. Auch der Allergengehalt der Pollen ist nicht immer der Gleiche.

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Woran liegt es, dass die Pollen in diesem Jahr früher und stärker fliegen?

Die Pflanzenentwicklung ist eng gekoppelt mit der Temperatur. Milde Temperaturen fördern das Wachstum, niedrige Temperaturen bremsen die Pflanzentwicklung und damit auch den Blühbeginn. Wie groß das Wärmebedürfnis ist, ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich.

Die Intensität des Pollenflugs ist überwiegend witterungsbestimmt. Milde, sonnige und trockene Witterung mit leichtem Wind fördert die Pollenfreisetzung, während eine kühle und nasse Witterung diese hemmt. Auch Pollen beispielsweise aus dem Ausland, die durch Winde zu uns transportiert werden (Fernstransport), können die lokale Pollenbelastung zusätzlich beeinflussen.

Ob viele Blüten („Mastjahr“) oder weniger Blüten für das nächste Jahr angelegt werden , hängt von vielen Faktoren ab: beispielsweise von der Photosyntheseaktivität der Vorjahre, vom Standort, dem Umweltstress und der Pflanzenart. Pionierhölzer wie Weide, Papel, Birke und Erle pflegen jährlich gut anzusetzen.

Die milde Witterung in den vergangenen Wochen förderte also die Pflanzenentwicklung. Ein verbreiteter Blühbeginn – aktuell von Birke und Esche - ist zu beobachten und die meteorologischen Bedingungen für die Pollenfreisetzung sind sehr günstig.

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Warum reagieren Pollen-Geplagte so sehr auf die Pollen?

Pollen enthalten Eiweiße (Allergene), die vom Immunsystem als Fremdstoff wahrgenommen werden. Kommt man mit den Allergenen in Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten von Nase und Augen, reagiert das Immunsystem mit einer spezifischen allergischen Immunantwort. Nach neuesten medizinischen Erkenntnissen setzen Pollen auch eine Reihe von ungesättigten Fettsäuren frei. Diese Fettsäuren werden auch als pollenassoziierte Lipidmediatoren (PALMs) bezeichnet. Sie sind in der Lage, das Immunsystem so zu beeinflussen, dass Allergie fördernde Reaktionen in Gang gesetzt werden. PALMs wirken auch bei nicht-allergischen Menschen auf das Immunsystem und können die Entwicklung von Allergien fördern.

Bis wann dauert die Allergiezeit in diesem Jahr im Extremfall?

Die Pollenflugsaison 2019 startete mit Hasel und Erle verbreitet im Februar 2019. Vereinzelt wurden bereits im Januar geringe Konzentrationen von Hasel- und Erlenpollen beobachtet.

Ambrosia blüht im Spätsommer / Herbst. Es ist möglich, dass die Blüte bis Oktober andauert.

Welche Bundesländer sind 2019 zuerst vom Pollenflug betroffen?

Die Haselblüte setzte zuerst in den nördlichen Bundesländern NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein. Die Erlenblüte begann in NRW. Mitte Februar setzte diese verbreitet in weiten Teilen Deutschlands ein.

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Von RND/js

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