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Wissen Hilfsbereitschaft: Wer hilft, kommt im Leben weiter
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09:36 04.04.2019
Wer hilfsbereit ist, lebt besser, sagt Achtsamkeits-Coach Helmut Nowak. Quelle: Dieter Hawlan - stock.adobe.com
Hamburg

Im Wald kursiert das Gerücht, der Bär habe eine Todesliste aufgestellt. Die Tiere sind deshalb in heller Aufregung. Schließlich traut sich der Hirsch zum Bären und sagt zu ihm: „Sag mal, Bär, ich habe gehört, dass du eine Todesliste hast.“ „Ja, habe ich“, antwortet der Bär. „Und? Stehe ich da auch drauf?“, fragt der Hirsch. Der Bär erwidert: „Ja.“ Der Hirsch verschwindet daraufhin und versteckt sich tief im Wald. Zwei Tage später wird er tot aufgefunden. Als Nächstes geht der Keiler zum Bären: „Ich habe gehört, du hast eine Todesliste aufgestellt.“ „Ja.“ „Steh ich da auch drauf?“ „Ja, da stehst du auch drauf.“ „Mist!“ Erschreckt läuft der Keiler davon und versteckt sich. Auch er wird zwei Tage später tot aufgefunden. Jetzt ist das Chaos im Wald perfekt. Ganz verängstigt geht das Kaninchen zum Bären: „Sag, Bär, ich hab gehört, dass du eine Todesliste aufgestellt hast?“ „Ja, das ist so.“ „Sag, steh ich da auch drauf?“ „Ja, da stehst du auch drauf.“ Das Kaninchen überlegt: „Du, Bär, könntest du mich bitte von der Liste streichen?“ „Na klar, nichts einfacher als das“, sagt der Bär.

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Eine Bitte kann viel bewirken

Diese etwas skurrile Geschichte ist dazu angetan, vielfältige Reaktionen auszulösen wie etwa Irritation, ein Lächeln, Nachdenklichkeit. Ich selbst sehe sie als Metapher für eine Erfahrung und Realität in Bezug auf die Kraft und Bedeutung einer Bitte. Vorweg: Ich meine nicht Betteln, sondern Bitten.

Nehmen wir ein Beispiel: Eine Mutter sagt zu ihrem jugendlichen Sohn: „Tim, würdest du bitte den Müll nach draußen bringen?“ Ist das eine Bitte? Sie werden vielleicht sagen: Na klar. Oder auch: Es hängt davon ab, in welchem Ton und mit welcher Gestik die Mutter das sagt. Ob es sich tatsächlich um eine Bitte handelt, wissen wir jedoch erst dann, wenn wir uns die Reaktion der Mutter auf die Antwort ihres Sohnes anschauen. Sagt Tim beispielsweise „Nö, las mal stecken“, heißt das, er weigert sich, den Müll rauszutragen. Wenn daraufhin die Mutter verärgert reagiert, sich beklagt oder dem Sohn die Leviten liest, dann kann man sicher sein, dass es sich ihrerseits gar nicht um eine Bitte gehandelt hat, sondern um eine Forderung.

Nowak: „Eine Bitte sollte ein Angebot sein, keine Forderung“

Nur wenn die Mutter ein Nein ihres Sohnes ohne Murren und Meckern annehmen kann, weil sie weiß, dass Tim in diesem Moment lieber einem ihm wichtigeren Bedürfnis nachgehen möchte, ist von einer Bitte auszugehen. Zugegeben, das mag jetzt vielleicht bei dem einen oder der anderen Stirnrunzeln verursachen oder inneren Widerstand wecken. Insbesondere bei jenen, die in einem Zuckerbrot-und-Peitsche-Klima aufgewachsen sind. Die Art der Bitte, für die ich werbe, ist eine, die gestellt wird mit einer gewissen Nikolaus-Haltung. Was ist das nun, werden Sie vielleicht fragen. Ich meine damit die innere Haltung bei der Äußerung einer Bitte. Und diese Haltung ist folgendermaßen zu verstehen: Mit einer Bitte mache ich jemandem ein Geschenk, ein Angebot. Ich gebe ihm die Möglichkeit, ein angenehmes Gefühl zu bekommen. Wieso das? Weil es ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist, anderen Menschen zu deren Wohlbefinden zu verhelfen.

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Hilfe: Wer etwas für andere macht, ist zufriedener

Und erfüllte Bedürfnisse wiederum belohnt unser Organismus mit Wohlgefühl. Wir haben hier also eine Win-win-Situation vom Feinsten: Derjenige, der jemanden freundlich um etwas bittet, freut sich, wenn dieser der Bitte nachkommt. Und der Erfüllende wiederum freut sich über das angenehme Gefühl infolge seines freiwilligen Beitrags, jemand anderem zu helfen beziehungsweise ihm einen Gefallen zu tun. Das spiegelt sich auch wider in der Freude beim Schenken oder beim ehrenamtlichen Engagement.

Noch allgemeiner gefasst: Wer an andere denkt und ihnen seine Zeit schenkt, weil er für sie etwas erledigt, dem geht es besser, als wenn er selbst immer nur nimmt und auf die Unterstützung seiner Mitmenschen setzt.

Hilfsbereite Menschen machen eher Karriere

Hilfsbereite Menschen machen übrigens eher Karriere. Mit diesem Befund sorgte der renommierte US-amerikanische Organisationspsychologe Adam Grant vor einiger Zeit für Aufsehen. Mehr als sieben Jahre lang hat er Hinweise in der Arbeitswelt gesammelt, gebündelt und ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass persönlicher Erfolg zum Wohle aller möglich ist. Wie? Das erläutert er in seinem Buch „Geben und Nehmen: Warum Egoisten nicht immer gewinnen und hilfsbereite Menschen weiterkommen“.

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“Mit einer Bitte gebe ich jemandem die Möglichkeit, ein angenehmes Gefühl zu bekommen“, sagt Helmut Nowak. Er ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung. Quelle: Helmut Nowak/Montage: RND

Von RND/Helmut Nowak

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