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Nachrichten Wissen Klimaforscher: „Heutige Unwetter sind noch nicht Ende der Fahnenstange“
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16:47 13.06.2019
Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Quelle: Markus Scholz/dpa
Hannover

Mojib Latif ist Meteorologe und Klimaforscher am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und zählt zu den bekanntesten Klimaexperten Deutschlands. Für seine Forschungen zur globalen Erwärmung erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland sprach mit ihm über die Ursachen der vorherrschenden Unwetter und die Rolle des Klimawandels.

Herr Latif, seit Wochenbeginn wüten schwere Unwetter in Deutschland. In Berlin verursachte der Starkregen massive Überflutungen, in Bayern gab es Erdrutsche und Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle. Wie kommt es zu solchen Wetterauswüchsen?

Für solche schweren Unwetter sind bestimmte Wetterlagen verantwortlich: Wenn es heiß und feucht ist, also schwül, kann es richtig krachen. Eine solche Luftmasse enthält mehr Wasserdampf, wodurch mehr Wärmeenergie freigesetzt werden kann, wenn der Wasserdampf kondensiert. Gewitterwolken schießen kilometerweit in die Höhe. Dort kühlt sich die Luft ab, es bilden sich Eispartikel. Hagel bildet sich, wenn sich Wasser an die Eispartikel anlagert. Die Hagelkörner fallen nach unten, können aber in den starken Aufwinden wieder nach oben gejagt werden. Je häufiger dieser Prozess stattfindet, umso mehr neue Schichten bilden sich. Das geht so lange weiter – bis die Körner so schwer sind, dass sie runterplumpsen.

Sind extreme Wetterlagen in Deutschland durch den Klimawandel häufiger geworden?

Wir gehen von einer maßgeblichen Rolle des Klimawandels aus. Der konkrete Nachweis ist derzeit schwierig, weil wir nicht über die nötigen Langzeitmessungen verfügen – das braucht viele Jahrzehnte. Aber wir beobachten einen Trend für ganz Europa, den Anstieg von extremen Niederschlägen. Ist ja auch logisch, denn wird die Luft wärmer, enthält sie mehr Wasserdampf – und es können mehr Unwetter entstehen mit Starkniederschlag und auch Hagel.

Ist denn schon eine globale Erwärmung von einem Grad dafür ausschlaggebend?

Das ist so. Ist es ein Grad wärmer, kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen – und durch die freigesetzte Energie potenziert sich das Ganze noch einmal. Deutschland verzeichnet bereits jetzt eine Erderwärmung von 1,5 Grad.

Mit welchen Wetterlagen müssen wir also künftig noch rechnen?

Sie sind ja schon extrem – aus kleinen Bächen werden reißende Flüsse, die ganze Ortschaften fluten. Aber ja, das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Im vergangenen Sommer hätten wir uns über mehr Wasser noch gefreut.

Die Dürre ist die andere Seite der Medaille. Wir müssen künftig damit rechnen, dass diese beiden Wetterlagen – also extreme Hitze und Trockenheit und Starkregen – häufiger und intensiver auftreten. Beides wird Auswirkungen auf das Gemeinwohl haben.

Die Wetterextreme haben dazu beigetragen, die Gesellschaft wachzurütteln – und dem Klimawandel mehr Beachtung zu schenken.

Das haben wir jetzt ja auch bei der Europawahl gemerkt. Die Politik hat das Thema bisher ja möglichst ignoriert – ähnlich wie das bei den steigenden Mieten der Fall war. Lobbyinteressen der Wirtschaft erschienen da wichtiger. Doch wenn die Wähler erst einmal den etablierten Parteien abspringen, weil die zu wenig für das Klima und die Umwelt machen, müssen die Parteien ihre Strategie ändern. Und wenn die Politik nicht umsteuert, wird die Temperatur weiter steigen – und die Folgen der Wetterextreme werden schon in einigen Jahrzehnten nicht mehr beherrschbar sein.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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