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Wissen Achtung, Dürre – künftig frühere Vorhersagen für Bauern
Nachrichten Wissen Achtung, Dürre – künftig frühere Vorhersagen für Bauern
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17:18 26.03.2019
Dürreschäden wie hier im Juli 2018 der verdorrte Winterroggen in Aukrug (Schleswig-Holstein) könnten mit dem neuen Vorhersage-Tool des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zumindest verringert werden. Quelle: dpa
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Berlin

Wann ist der Boden so trocken, dass es für die Pflanzen kritisch wird? Bauern in Deutschland sollen künftig frühzeitiger vor Dürren gewarnt werden. Entsprechende Vorhersagen möchte der Deutsche Wetterdienst (DWD) Landwirten ab dem kommenden Jahr anbieten, wie DWD-Vizepräsident Paul Becker bei der Vorstellung in Berlin sagte. „Der Trend der Erwärmung ist global ungebrochen.“ In Deutschland werde man künftig häufiger mit Dürren rechnen müssen.

Weil Niederschlagsvorhersagen mehrere Wochen im Voraus weitgehend unbrauchbar seien, setzt der DWD für die neuen Dürre-Prognosen auf Berechnungen der Bodenfeuchte. Damit ist die Menge des im Boden gespeicherten Wassers gemeint. Vorhersagen von bis zu sechs Wochen im Voraus würden möglich, weil sich der Boden deutlich träger verhalte als die Atmosphäre, erläuterte Becker. Diese sei „hoch variabel“ in Deutschland: „Einen Tag haben wir Niederschlag, einen Tag haben wir keinen.“

Bodenfeuchte-Vorhersage als verlässliches Instrument

Mit dem neuen Vorhersage-Instrument hätte die lang anhaltende Dürre in vielen Regionen Deutschlands im Juni 2018 bereits Mitte Mai „mit ordentlicher Qualität“ vorhergesagt werden können, so Becker. Die Einbußen der Landwirte hätten sich mit diesem Wissen aus DWD-Sicht zumindest verringern lassen. „Wenn ich noch genügend Wasser im Boden habe und auf eine trockene Situation hinlaufe, dann kann ich mir überlegen, wann ich dünge“, erläuterte Becker. Auch bei der Wahl eines günstigen Zeitpunkts zum Spritzen eröffne sich ein Spielraum.

Die Abbildung stellt oben die vorhergesagte und in der unteren Reihe die tatsächliche Bodenfeuchte dar. Quelle: DWD

Nach 20 Jahren Tests könnten die Berechnungen zu bevorstehenden Dürren den Landwirten voraussichtlich 2020 im Internet zur Verfügung stehen, so der DWD. Sollte sich bereits in den kommenden Monaten eine gravierende Lage abzeichnen, werde man das natürlich auch bekanntgeben, sagte Becker. Bislang zeigten die Modelle für das aktuelle Jahr jedoch keinen eindeutigen Trend.

Bauern sollten sich Klimawandel anpassen

Angesichts des Klimawandels müssten Bauern auch über andere Sorten und Anbaumethoden nachdenken, betonte Becker. Die Dürre-Vorhersagen seien nur ein Baustein bei der Anpassung an den Klimawandel. Im Zuge dessen wird eine Zunahme von Wetterextremen erwartet. Dazu zählt zum Beispiel auch Starkregen.

2018 fielen in Deutschland laut Wetterdienst nur 60 Prozent der sonst üblichen Niederschläge, zehn der zwölf Monate fielen zu trocken aus. Das vergangene Jahr war laut DWD das vierttrockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Der Deutsche Bauernverband hatte von einem katastrophalen Ausmaß der Dürreschäden gesprochen. Bis Ende Januar wurden rund 9500 Anträge auf staatliche Hilfen mit einem Volumen von 84,5 Millionen Euro bewilligt.

Von RND/dpa/Gisela Gross