Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wissen Körbe und Taschen flechten: Alte Technik neu entdeckt
Nachrichten Wissen Körbe und Taschen flechten: Alte Technik neu entdeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 30.05.2019
Körbe können ganz leicht geflochten werden. Man muss nur einige kleine Kniffe berücksichtigen. Quelle: Samuel Künti
Hannover

Es sind nur ein paar simple Streifen aus Papier, Stroh, Leder oder Weide – sobald man sie allerdings übereinander legt, miteinander verbindet und zusammenflicht, entstehen die schönsten Dinge daraus: Körbe zum Einkaufen oder Aufbewahren beispielsweise, oder Matten, Armreifen, Etuis, Hüte und Gürtel. Mal orthogonal, mal diagonal geflochten, mal aus buntem Stoff, mal aus einfarbigem Stroh, mal mit Henkel, mal mit Deckel – die Welt der Flechtobjekte ist groß. Ein jeder hat etwas Geflochtenes zu Hause und in seinen Alltag integriert, doch die wenigsten wissen, wie es entsteht. Die Schweizerin Monika Kürti beschäftigt sich seit 25 Jahren intensiv mit dem Handwerk des Flechtens. Hier erklärt sie, wie selbst Anfänger einen Korb flechten können.

Korb aus Papier: Einfach selber flechten

Der hier gezeigte Korb dient als Prototyp für jede Art von orthogonal geflochtenen Behältnissen. Der Korb wird trotz des viereckigen Bodens automatisch am oberen Rand rund werden, es sei denn, Sie achten streng darauf, dass alle eingeflochtenen Wandelemente immer genau an den Eckkanten geknifft sind – was viel Aufwand bedeutet.

Mit dem Korb-Boden wird begonnen

Bild 1 zeigt, wie man den Korb beginnt – mit dem Flechten des Bodens. Quelle: Samuel Künti

Flechten Sie eine Fläche aus sechs mal sechs Elementen, wie auf Bild 1 gezeigt. Ich empfehle einen Start aus der Mitte mit Fachbildung und Klammern in allen vier Ecken. Die Fläche mit einer Runde in Zwirnbindung sichern, wie auf Bild 2 gezeigt. Alle losen Flechtelemente auf gleicher Länge ausrichten.

Abbildung 2 beschreibt, wie man den Boden mit etwas Zwirnsfaden sichert. Quelle: Samuel Künti

Nach dem Boden folgt die Korb-Wand

Für den Wandaufbau sind zusätzliche Streifen nötig. Zunächst alle losen Flechtelemente einmal am Hilfsfaden entlang nach oben biegen. Wandelement und Ecken gemäß der Bodenfläche vorbiegen, wie auf Bild 3 gezeigt.

In Bild 3 wird erklärt, wie man das Flechten der Wand vorbereitet. Quelle: Samuel Künti

Flechten Sie den ersten Wandstreifen ein, und zwar eins zu eins, im gleichen Muster wie an der Bodenfläche. Kontrollieren Sie, ob der Flechtrhythmus am Übergang vom Boden zur Wand stimmt. Die Streifenenden überlappen sich auf einer Strecke von circa fünf bis sechs Zentimetern. Die Enden weisen nach innen oder liegen unter einem aufrechten Streifen. Die Runde mit Klammern sichern, wie auf Bild 4 gezeigt.

Bild 4 zeigt, wie die Wand des Korbes entsteht. Quelle: Samuel Künti

Die weiteren Wandstreifen auf die gleiche Art einflechten, dabei die Überlappungsbereiche im Wechsel auf allen vier Seiten anordnen, wie auf Bild 5 gezeigt.

In Abbildung 5 erkennt man, wie der Rand vorbereitet wird Quelle: Samuel Künti

Zum Schluss kommt der Korb-Rand

Für den abgebildeten Korb arbeiten Sie mit den restlichen losen Enden der Flechtelemente auf der Korbaußenseite eine leicht gezackte Abschlusskante mit gespaltenen Enden. Auf der Korbinnenseite befestigen Sie die losen Enden im fertigen Geflecht.

Es ist vollbracht: So sieht der fertige Korb aus. Quelle: Samuel Künti

Das Material:

Das wird gebraucht für einen Korb mit einem Boden von 12 mal 12 cm und einer Höhe von 16 cm: Indisches Geschenkpapier aus dem Museumsshop, Bogen von circa 76 mal 56 cm, in zwei Farben. Daraus: 6 Streifen in einer Farbe, je 2 cm breit und 76 cm lang, 14 Streifen in einer zweiten Farbe, je 2 cm breit und 76 cm lang. Wenn Sie sich nach diesen Angaben richten, haben die Flechtelemente von Anfang an die nötige Länge, ein Verlängern ist nicht notwendig.

Interview mit Korbmacherin Monika Künti

Erst hat sie Ethnologie studiert, dann wurde sie Mutter, später Korbflechterin: Monika Künti hat in ihrem Leben immer alles aus vollem Herzen gemacht – so auch die Herausgabe ihres jüngsten Buches „Aus Streifen geflochten. Geschichte, Techniken, Projekte“. Mehr über die Schweizerin und ihre Arbeit erfährt auf ihrer Flechtwerk-Seite. Im Interview erklärt Künti, wieso Flechten als Handwerk wieder beliebter wird.

Flechten ist ihre Passion: Monika Künti ist gelernte Korbmacherin. Quelle: Samuel Künti

Frau Künti, seit 25 Jahren sind Sie begeisterte Korbflechterin. Woher stammt diese Leidenschaft?

Der eigentliche Auslöser für diese Leidenschaft war der Besuch einer Ausstellung über textile Techniken im Museum der Kulturen in Basel. Ich bin damals sofort beim Flechten hängen geblieben. Das war wie Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte sofort das Gefühl, so etwas möchte ich auch machen.

Sie haben dann angefangen, sich das Flechten selbst beizubringen. Wie das?

Ich habe mir Völkerkundebücher ausgeliehen und versucht, die Flechtwerke, die dort abgebildet waren, nachzubauen – statt mit Palmblättern eben mit Papier oder Kunststoff. Aber das war wenig zielorientiert. Heute gibt es jede Menge Ratgeberliteratur und Youtube-Tutorials, die einem weiterhelfen können. Damals gab es, was Anleitungsbücher anbelangt, so gut wie nichts.

Woher stammt das Flechten? Gibt es Regionen, die berühmt dafür sind?

Flechten ist universell. Es ist die älteste Kulturtechnik der Menschheit – auf allen Kontinenten, in allen Regionen dieser Welt. Als die Menschen anfingen, Dinge zu sammeln und zu transportieren, brauchten sie irgendwelche Behältnisse. Also begannen sie, Palmwedel oder Weidenzweige miteinander zu verflechten und ihnen eine haltbare Struktur zu geben. Da liegt der Ursprung. Über die Jahrtausende wurde das Handwerk dann entwickelt.

Sie schreiben, Flechtwerk sei reine Handarbeit. Gibt es tatsächlich noch keine Maschine, die flechten kann?

Es gibt Maschinen, die können ein Band flechten, zum Beispiel aus Stroh für Strohtaschen oder Strohhüte. Aber es gibt keine Maschine, die einen Korb, also ein dreidimensionales Objekt, flechten kann. Jeder einfache Holzkorb, den man für zwei, drei Euro in irgendeinem Billigladen kaufen kann, ist von Hand gemacht. Das ist jedoch den wenigsten Konsumenten bewusst.

Als Ihre Kinder größer waren, haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht und eine Lehre als Korbflechterin begonnen. Wie war das?

Spannend, denn ich musste erst einmal recherchieren, ob man diesen Beruf überhaupt noch lernen kann. Aber ich hatte Glück und habe nicht weit von Bern eine Lehrstelle gefunden. Auch in Deutschland kann man sich übrigens zum Korbflechter ausbilden lassen, und zwar im bayerischen Lichtenfels. Die Ausbildung dauert drei Jahre, der Beruf ist staatlich anerkannt. In meiner Lehrzeit habe ich das Flechten von der Pike auf gelernt – vom einfachsten Körbchen bis hin zum komplizierten Reisekoffer. Ich habe damals hauptsächlich mit Weide gearbeitet, das ist schließlich das gängigste Material in Mitteleuropa. Inzwischen arbeite ich auch mit anderen Stoffen und habe eigene Formen entwickelt.

Heute betreiben Sie in der Nähe von Bern ein Atelier, leiten Flechtworkshops und haben jüngst Ihr zweites Buch zum Thema geschrieben. Feiert Flechtwerk derzeit eine Renaissance?

Ja, durchaus. Ich habe das Gefühl, das bei den Menschen allgemein die Sehnsucht steigt, nicht mehr nur mit den Fingern irgendeine Tastatur zu bedienen, sondern mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. Das macht das Flechten so attraktiv. Man schafft etwas, man sieht etwas entstehen, gleichzeitig ist es meditativ und entschleunigend. Ein wunderbarer Ausgleich.

Ob Körbe, Taschen, Ringe, Schalen oder Etuis – muss man gelernter Korbflechter sein, um ein geflochtenes Objekt herzustellen?

Nein, überhaupt nicht. Das ist ja gerade die Idee meines Buches: Jeder kann flechten, jeder kann es mal probieren.

Was sind die wichtigsten Tugenden, die man mitbringen muss?

Man darf nicht erwarten, dass der erste Korb so aussieht wie im Buch abgebildet. Man muss sich zugestehen, Fehler zu machen. Wer Flechten lernen will, braucht Geduld und muss sich durchbeißen können.

Monika Küntis Buch „Aus Streifen geflochten“ ist im Haupt-Verlag erschienen, hat 200 Seiten und kostet 39.,90 Euro. Quelle: Haupt-Verlag

Von Sophie Hilgenstock/RND

Nachts zu träumen, ist ganz normal – und sich nicht daran erinnern zu können, ist auch nicht ungewöhnlich. Wer mag, kann sich die Fähigkeit zum Träume-Speichern aber antrainieren.

30.05.2019

Jungferngeburten gelten gemeinhin als Wunder. Doch im Fall der beiden Anakonda-Babys im „New England Aquarium“ in Boston gibt es eine streng wissenschaftliche Erklärung.

29.05.2019

Eltern haben es mit der Wahl des richtigen Rucksacks für ihr Kind nicht leicht – zumal für den Nachwuchs ohnehin das Design am wichtigsten ist. Wieso man trotzdem eher auf solide Marken statt auf knallbunte Zeichentrickhelden setzen sollte, hat die Zeitschrift „Öko-Test“ ermittelt.

29.05.2019