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Wissen Kultige Ampelmännchen: Wo Marx und Elvis den Verkehr regeln
Nachrichten Wissen Kultige Ampelmännchen: Wo Marx und Elvis den Verkehr regeln
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07:46 09.07.2019
Bei Rot spielt Elvis Gitarre: Blick auf eine Fußgänger-Ampel im hessischen Bad Nauheim. Elvis wohnte zwischen 1958 und 1960 in Bad Nauheim. Quelle: Carolin Eckenfels/dpa
Bad Nauheim

Der „King of Rock 'n' Roll“ regelt an einer Kreuzung im hessischen Bad Nauheim ab sofort den Verkehr – als Ampelmännchen. Eine Fußgängerampel ist dort jetzt mit der Silhouette von Elvis Presley (1935–1977) ausgerüstet worden. Bei Rot erscheint er mit ausgebreiteten Armen, bei Grün im lässigen Gang. Der „King“ hat eine Gitarre dabei, auch seine Haartolle ist unverkennbar.

Etliche Städte weichen vom EU-Einheitssymbol ab

In der Europäischen Union hält man eigentlich nichts von derlei individuellen Abweichungen. Das Euromännchen, das bereits die Schweizer Fußgängerüberwege dominiert, soll für eine Vereinheitlichung der Fußgängerzeichen in der Union sorgen. Doch vom Brüsseler Einheitssymbol weichen etliche Städte ab.

Streit im Ruhrgebiet um Bergmanns-Ampelmännchen

Im dänischen Fredericia etwa erinnern unterschiedliche „Ampelsoldaten“ an den Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1849. Die Augsburger Puppenkiste wurde mit einer Kasperle-Ampel in ihrer Nähe geehrt, Martin Luther steht in Worms bei Rot und kann nicht anders, womit an seinen Auftritt 1521 beim Reichstag zu Worms erinnert werden soll. Und die Stadt Neuruppin in Brandenburg ehrte ihren großen Sohn Theodor Fontane ebenfalls mit Symbolen auf einer Fußgängerampel.

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In Duisburg erinnern Bergmannsampeln an das Ende des Kohle-Abraums. Auch in anderen Städten des Ruhrgebiets sind die ein Thema: Die Stadt Essen tritt beim Bergmann-Ampelmännchen jedoch auf die Bremse – und will ein Sicherheits-Gutachten. In Dortmund wehrt sich die Stadtverwaltung gegen die Ampelmännchen, weil sie befürchtet, sie müsse für Schäden haften, falls Autofahrer oder Fußgänger die Ampelzeichen missverstehen.

Renaissance für ostdeutsche Ampeln

Ein wahres Stehaufmännchen hingegen ist der Mann mit Hut aus der DDR. Erfunden hat die Figur 1961 der Verkehrspsychologe Karl Peglau. 1970 wurde daraus der offizielle Ost-Ampelmann. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde er im Osten des Landes sukzessive ersetzt, was zu Protesten in der Bevölkerung führte. So kam das behütete Männchen wieder auf seinen angestammten Platz auf den ostdeutschen Ampeln – um von dort Schritt für Schritt auch den Westen der Republik zu erobern. Mittlerweile hat man ihm in Zwickau auch eine Ampelfrau zugedacht.

Mit dem tristen Einerlei an Deutschlands und Europas Fußgängerüberwegen ist es mancherorts vorbei. Immer öfter werden Kultfiguren und Persönlichkeiten zu Ampelsymbolen. Hier sehen Sie eine Auswahl.

Homosexuelle Ampelpaare setzen Zeichen

Individualisierte Ampelsymbole liegen derzeit im Trend. Ob Karl Marx in Trier, Otto in Emden, der Rattenfänger in Hameln oder die Mainzelmännchen – in Mainz: Immer mehr Städte kommen auf die (Marketing-)Idee, prominente Figuren mit Ampel-Abbildern zu ehren. Zudem gibt es in Großstädten wie Hamburg oder Wien Ampelfrauen- beziehungsweise -Männchen-Paare, um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften zu symbolisieren.

Elvis soll im Stadtbild präsenter werden

Zurück nach Bad Nauheim. Dort nimmt man die Sache mit Elvis ernst. „Es ist tatsächlich nicht nur ein Gag, sondern die Herzen der Elvis-Fans werden ein wenig höher schlagen“, sagt Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Presley sei wichtig für die Stadt, und man arbeite daran, dass er im Stadtbild wieder etwas präsenter werde.

Die hessische Stadt hält gerne die Erinnerung an den legendären US-Musiker wach – schließlich war Presley von Oktober 1958 bis März 1960 als Soldat im benachbarten Friedberg stationiert und wohnte während dieser Zeit in Bad Nauheim.

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Das Ampel-Duell der Nachbarstädte

Ein bisschen wetteifern die Nachbarstädte daher um „ihren“ Elvis. So hat Friedberg bereits seit Dezember 2018 mehrere Ampeln mit dem „King“: Bei Rot steht er am Mikrofon, bei Grün zeigt er seinen berühmten Hüftschwung. Bad Nauheims Rathaus-Chef Kreß sieht aber keine Konkurrenz: Die Städte ergänzten sich, man arbeite in vielen Feldern zusammen. Im Fall der Elvis-Ampel sei Friedberg einfach schneller und Vorreiter gewesen und habe Tipps für die Umsetzung gegeben.

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Von RND/dpa/dk