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Nachrichten Wissen Natürlicher Dünger stärkt Abwehrkräfte von Pflanzen
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09:55 29.04.2019
Brennnesseln gibt es quasi überall und kostenlos. Sie taugen als natürliches Pflanzenschutzmittel und Dünger im Garten. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Nicht nur wir Menschen können mithilfe der Natur unsere Abwehrkräfte stärken. Auch für Pflanzen ist grüne Medizin geeignet. So werden sie zum Beispiel durch bestimmte Dünge- und Stärkungsmittel weniger anfällig gegenüber Mehltau oder gefräßigen Raupen. Helfende Tees, Brühe, Auszüge oder auch sogenannte Jauchen lassen sich recht einfach zu Hause herstellen. Diese natürlichen Helfer bieten mehrere Vorteile: Die Pflanzen vertragen sie gut, und man kann sie sicher anwenden. Davon ist Buchautor und Gärtnermeister René Wadas überzeugt. Ihm zufolge könne man diese Mittel nicht überdosieren. Außerdem gelten sie als absolut unbedenklich für den Erhalt der Artenvielfalt. Denn wie Wadas betont, geht es nicht darum, die Schädlinge komplett abzutöten, sondern gezielt einzudämmen.

Getrockneter Rainfarn stärkt Abwehr

Die Pflanzenmittel folgen einem einfachen Prinzip: Sie basieren auf Pflanzen, die selbst in der Lage sind, sich gegen Angreifer wie Blattläuse, Milben, Pilze und Bakterien zu wehren, weil sie bestimmte Stoffe beinhalten. Diese Stoffe werden aus den Pflanzen gewonnen, um sie schwächeren oder empfindlicheren zu verabreichen.

Ein Beispiel dafür ist der Rainfarn: Getrocknet hilft er als Bestandteil einer Brühe gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Blattläusen, Spinnmilben und Pilzerkrankungen wiederum lässt sich durch Jauchen aus Brennnessel und Beinwell erhöhen. Ein Tee oder eine Jauche aus Zwiebeln beugt wiederum Pilzen, Bakterien und einem Befall durch die Möhrenfliege vor. Ein Kaltwasserauszug mit Schafgarbe hilft ebenfalls gegen Pilze, aber auch gegen saugende Insekten.

Aber auch viele andere Stoffe haben eine heilsame Wirkung: Wadas rät beispielsweise, gegen den Buchsbaumzünsler mit einem Pulverzerstäuber Algenkalk zu versprühen. Sogar Milch ist ein probates Sprühmittel, und zwar gegen Mehltau. Sie wird im Verhältnis 1:6 mit Wasser gemischt.

Ein Pilz verteidigt sich

Auch Antibiotika kommen aus der Natur. Diese wichtigen Medikamente wirken gegen Krankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden. Rund 90 Jahre ist es her, dass der Forscher Alexander Fleming Antibiotika entdeckte, indem er mit Bakterien experimentierte. Er züchtete sie in speziellen Schälchen. Eines Tages ließ er aus Versehen einige davon neben dem Fenster stehen. Auf ihnen bildete sich schließlich eine Schicht aus Schimmelpilz. Direkt neben dem Schimmelpilz starben die Bakterien ab. Fleming wurde klar: Der Schimmelpilz produziert ein Mittel, das Bakterien abtöten kann. Damit war das Penicillin entdeckt.

Jauche muss zwei Wochen gären

Die Anwendungsweisen sind zwar vielfältig, folgen aber einem Grundprinzip: Die Helferpflanzen werden immer mit Wasser vermengt und ziehen eine bestimmte Zeit darin. Am aufwendigsten sind die Jauchen. Für sie benötigt man pro Liter Wasser, idealerweise sauberes Regenwasser, rund hundert Gramm frische, klein geschnittene Pflanzen. Beides kommt in ein Gefäß aus Glas, Steingut, Holz oder Plastik mit Deckel. „Metall ist eher ungeeignet, weil es darin zu chemischen Reaktionen kommen kann“, erklärt Marja Rottleb, Gartenreferentin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

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Jauche: So wird’s gemacht

Die Mischung muss rund zwei Wochen an einem warmen Ort gären. Das kann man fördern, indem man zwischendurch umrührt. Die Jauche riecht streng und sollte daher nicht gerade dort lagern, wo man gern im Freien sitzt. Wenn sich keine Blasen mehr bilden, ist die Jauche fertig. Geeignet sind für das Ansetzen von Jauchen unter anderem Ackerschachtelhalm, Brennnesseln, Beinwell und Zwiebel.

„Zum Gießen sollte die Jauche im Verhältnis 1:10 und zum Sprühen 1:50 mit Wasser verdünnt werden“, empfiehlt Rottleb. Gegossen dient sie als Dünger oder Stärkung, gesprüht als Blattdünger und als Schädlingsmittel. Alternativ kann man eine Jauche auch nur zwei bis drei Tage ziehen lassen, führt der Nabu aus. Dann dient eine Mischung mit Wasser im Verhältnis 1:50 zur Schädlingsabwehr.

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Tees und Brühen werden häufig zur Düngung direkt auf das Blatt gegeben, sie können laut Nabu auch auf Pilze oder Läuse abschreckend oder vorbeugend wirken. Sie ziehen kürzer als Jauchen, und es werden jeweils die gleiche Menge an Wasser und Pflanzen genutzt.

Für einen Tee werden die Bestandteile mit kochendem Wasser übergossen und ziehen darin 15 bis 20 Minuten lang. Abgekühlt kommt der Tee unverdünnt zum Einsatz. In einer Brühe werden die Pflanzenteile erst für 24 Stunden eingeweicht, dann für 15 bis 30 Minuten aufgekocht und anschließend gefiltert. Nach dem Abkühlen werden Brühen in den Verhältnissen 1:10 zur Abwehr und Vorbeugung und 1:20 als Blattdüngung mit Wasser gemischt und auf die Blätter gesprüht.

Manche Pflanzen, etwa die Schafgarbe, lassen sich im Kaltwasserauszug nutzen, bei dem die Pflanzenteile für 24 Stunden in kaltem Wasser einweichen. So bleiben die ätherischen Ölen erhalten. Anschließend abseihen und 1:1 verdünnt oder unverdünnt zur Schädlingsabwehr und zur Bodenpflege nutzen.

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Pflanzenstärkungsmittel morgens sprühen

„Die Wirkung verbessert sich, je öfter ein Pflanzenstärkungsmittel angewendet wird“, erklärt Wadas. Alle Sprühlösungen sollte man übrigens an einem bewölkten Tag oder in den frühen Morgenstunden verteilen. Das verhindert, dass die Tropfen im Sonnenlicht auf den Blättern wie Brenngläser wirken und diese verletzen.

Ebenfalls auf natürliche Weise stärken effektive Mikroorganismen, kurz EM genannt, Pflanzen. Es gibt mehrere Gruppen dieser Kleinstlebewesen. Einige arbeiten zersetzend und andere enzymbildend, also aufbauend. Sie sorgen zusammen mit einem organischen Dünger, den sie im Boden gut aufspalten können, für ein aktiveres Bodenleben und für hohe Fruchtbarkeit.

„Meine jahrelangen Beobachtungen haben mir gezeigt, dass die Pflanzen mit EM wesentlich gesünder und kräftiger heranwachsen und gedeihen und gerade auch beim Tomaten-, Salat- und Gemüseanbau reiche Ernte bringen“, berichtet die Fachbuchautorin Karin Zwermann. Sie setzt seit zwölf Jahren auf EM – im Beet, im Kompost und sogar im Teich.

Es gibt inzwischen viele fertige Lösungen mit diesen Kleinstlebewesen für den Privatgarten. Mittel mit den aktivierend tätigenden effektiven Mikroorganismen (EMa) kann man aber auch selbst herstellen. Dafür braucht man eine Urlösung mit effektiven Mikroorganismen, als EM1 bekannt, und Zuckerrohrmelasse, erläutert Zwermann.

In einem Fermenter, einem speziellen Gefäß, gärt dann die Mischung rund acht Tage lang. Sie ist bereit, wenn der pH-Wert bei 3,2 bis 3,9 liegt – was mit Indikatorpapier gemessen wird. Die Masse hat außerdem eine bräunliche Farbe und einen säuerlich-brotartigen Geruch.

Von RND / Christine Schonschek

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