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06:00 31.05.2019
Rauchen ist tödlich – das ist bekannt. Trotzdem qualmen in Deutschland noch immer ein Viertel der Erwachsenen. Quelle: dpa
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Hannover

Rauchen ist tödlich, das steht unmissverständlich auf der Zigarettenschachtel. Wie tödlich, zeigt die Statistik: Um die 120 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen. Dennoch raucht hierzulande immer noch ein Viertel der Erwachsenen: 30 Prozent der Männer, 20 Prozent der Frauen. „Das ist viel im Vergleich mit anderen europäischen Ländern“, sagt Heino Stöver, Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS). Nur bei den Jugendlichen geht der Anteil deutlich zurück.

Zigaretten-Konsum: Gängige Präventionsmaßnahmen nicht zeitgemäß

Warum aber konsumieren so viele Menschen Zigaretten, wohl wissend, wie schädlich das ist? Suchtforscher Stöver erklärt es so: „Rauchen befriedigt urmenschliche Grundbedürfnisse, nämlich, etwas im Mund und zwischen den Fingern zu haben.“ Der Lungenzug bewirke eine „Körpersensation“, Tabakrauch wirkt auf die Psyche und putscht auf. „Zudem wird Rauchen immer noch als gesellig empfunden. Das macht es nach wie vor so attraktiv.“ Auch seien die gängigen Präventionsmaßnahmen nicht zeitgemäß. „Und man müsste stärker als bisher endlich auch Tabus thematisieren, wie zum Beispiel das Rauchen in der Schwangerschaft.“

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Zigaretten-Sucht: Ausstieg durch Schlussstrichmethode

Am besten gelinge der Ausstieg aus der Sucht mit der „Schlussstrichmethode“, sagt der Experte: Fast drei Viertel der Raucher, die erfolgreich aufhören, haben ihren Konsum von einem Tag auf den anderen eingestellt – ohne Ersatzprodukte zu nutzen. Friedrich Wiebel ist Bundesvorsitzender des ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit. Er glaubt, dass vielen Rauchern die Risiken nicht zur Genüge bewusst sind. „Es wird immer so getan, als ob die Öffentlichkeit ausreichend informiert wäre, das ist aber nicht so.“

Zum Thema: Großbritannien setzt auf E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung

Zigaretten zu rauchen sei im Grunde das Gleiche wie „seinen Mund an einen Auspuff zu halten“, sagt Wiebel. Thematisiert werde immer der Lungenkrebs, der ja auch für 30 Prozent der Todesfälle durch das Rauchen verantwortlich ist: „Raucher haben ein 20-mal höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als andere.“ Weitere 30 Prozent werden aber durch die chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) verursacht, eine qualvolle Krankheit, bei der die Patienten nach langem Leiden praktisch ersticken. An dritter Stelle stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch das Rauchen ausgelöst oder begünstigt werden. Dazu kommt das erhöhte Krebsrisiko entlang der „Rauchstraße“ im Körper, in Schlund, Rachen und Mundhöhle und ferner zum Beispiel auch ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsen- oder Gebärmutterhalskrebs. „Wer nur wenige Zigaretten raucht, sollte sich nicht in Sicherheit wiegen“, sagt Wiebel. Zwar sinke das Krebsrisiko. „Auf das Gefäßsystem des Körpers können aber schon kleine Dosen Rauch und selbst E-Zigaretten einen Effekt haben.“

Rauchen: So gelingt der Entzug

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte in den Tagen zuvor Tagebuch führen. Darin notiert der Raucher, wann und warum er zur Zigarette greift. So macht er sich klar, welche Situationen nach dem Aufhören schwierig werden könnten, erklärt Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Diese Situationen gilt es in der ersten Zeit zu vermeiden. Manches lässt sich allerdings nicht umgehen, die Mittagspause bei der Arbeit etwa oder das Warten auf den Bus. Es hilft eventuell, sich dafür vorher eine Ersatzhandlung zu überlegen. Wer zum Beispiel in der Pause mit einem Nichtraucher spazieren oder essen geht, verspürt das Verlangen idealerweise nicht ganz so stark. Dass es sich lohnt, komplett mit dem Rauchen aufzuhören, hat gerade eine neue Studie gezeigt. Demnach schadet schon eine Zigarette am Tag der Gesundheit.

Zigaretten-Sucht wird oft unterschätzt

Wiebel weiß aber auch, wie schwer das Aufhören ist. „Die meisten fangen früh an, und wer einmal abhängig ist, kommt nicht mehr davon los. Die Sucht wird oft unterschätzt. Nur 2 bis 3 Prozent der Raucher, die es versuchen, gelingt die Entwöhnung.“ Er sieht Raucher daher vor allem als Opfer der Tabakindustrie: „Wer Produkte verkauft, von denen er weiß, dass sie tödlich sind, begeht eine fahrlässige Tötung. Und der Staat, der nicht entschieden genug dagegen vorgeht, gibt die Lizenz zum Töten. Man muss verhindern, dass Leute an etwas sterben, nur weil jemand damit Profit machen will.“ Zigaretten müssten noch teurer werden, der Nichtraucherschutz weiter ausgebaut. Selbst wenn alle irgendwann auf das „Dampfen“ von E-Zigaretten umsteigen, würde Wiebel sich weiterhin engagieren: „Weil die auch nicht unschädlich sind.“

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Die regionale Nichtraucherinitiative Wiesbaden ist mit über 400 Mitgliedern die größte ihrer Art in Deutschland. Sie bietet Beratungen für ausstiegswillige Raucher an. „Die Mehrheit der Nichtraucher hat das Gefühl, dass für ihren Schutz schon alles getan sei“, sagt der Vorsitzende Horst Keiser. „Wir aber sagen, auch die Raucher müssen geschützt werden. Vor allem die Kinder, die es sich von den Eltern abschauen oder durch Passivrauchen geschädigt werden.“

Von RND / Irene Habich

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