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12:59 04.04.2019
Rainfarn hilft in einer Brühe gekocht gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Quelle: dpa-tmn
Bonn

Ob Karotten, Nüsse oder Ingwer: Zur Stärkung der Abwehrkräfte tragen viele bewusst bei, indem sie sich richtig ernähren. Wie der Mensch können auch Pflanzen mit natürlichen Mitteln gestärkt werden und sind dann weniger anfällig gegenüber Mehltau, gefräßigen Raupen und Co. Ein Großteil der Dünge- und Pflanzenstärkungsmittel lassen sich einfach selber zu Hause herstellen – man spricht hierbei von Tees, Brühen, Auszügen oder Jauchen.

Wieso eine natürliche Pflanzenstärkung?

Sie bieten mehrere Vorteile: Zum einen werden die natürlichen Pflanzenstärkungsmittel von Pflanzen gut vertragen. Zum anderen könne man sie sicher anwenden, erklärt Buchautor und Gärtnermeister René Wadas. Diese Mittel könnten nicht überdosiert werden und gelten als absolut unbedenklich für den Erhalt der Artenvielfalt. Denn wie Wadas betont, geht es nicht darum, die Schädlinge komplett abzutöten, sondern gezielt einzudämmen. Die Pflanzenmittel folgen einem einfachen Prinzip: Genutzt werden Pflanzen, die durch bestimmte Stoffe selbst in der Lage dazu sind, sich gegen Angreifer wie Blattläuse, Milben, Pilze und Bakterien zu wehren. Diese Bestandteile werden aus ihnen gewonnen, um sie anderen schwachen oder empfindlicheren Blumen, Bäumen oder Sträuchern zu verabreichen.

Gezielte Wirkung durch den richtigen Stoff

Ein Beispiel für ein natürliches Pflanzenstärkungsmittel ist der Rainfarn. Getrocknet hilft er als Bestandteil einer Brühe gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Blattläusen, Spinnmilben und Pilzerkrankungen lässt sich durch Jauchen aus Brennnessel und Beinwell erhöhen. Ein Tee oder eine Jauche aus Zwiebel beugt wiederum Pilzen, Bakterien und einem Befall durch die Möhrenfliege vor. Ebenfalls gegen Pilze, aber auch saugende Insekten hilft ein Kaltwasserauszug mit Schafgarbe. Aber auch viele andere Stoffe haben eine ähnliche Wirkung: Wadas rät, gegen den Buchsbaumzünsler mit einem Pulverzerstäuber Algenkalk zu versprühen. Sogar Milch ist ein probates Sprühmittel – und zwar gegen Mehltau. Es wird verdünnt im Verhältnis 1:6 mit Wasser gemischt.

Pflanzenstärkungsmittel richtig anwenden

Die Anwendungsweisen sind zwar vielfältig, aber folgen einem Grundprinzip: Die Helfer-Pflanzen werden immer mit Wasser vermengt und ziehen eine bestimmte Zeit darin. Am aufwendigsten sind die Jauchen. Für sie benötigt man pro Liter Wasser, gerne sauberes Regenwasser, 100 Gramm frische klein geschnittene Pflanzen. Beides kommt in ein Gefäß aus Glas, Steingut, Holz oder Plastik mit Deckel. „Metall ist eher ungeeignet, weil es darin zu chemischen Reaktionen kommen kann“, erklärt Marja Rottleb, Garten-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Die Mischung muss rund zwei Wochen an einem warmen Ort gären. Das kann man fördern, indem man zwischendurch umrührt. Vorsichtig: Die Jauche riecht streng und sollte nicht direkt an der Terrasse lagern. Wenn sich keine Blasen mehr bilden, ist die Jauche fertig. Geeignet sind für das Ansetzen von Jauchen unter anderem Ackerschachtelhalm, Brennnesseln, Beinwell und Zwiebel.

Die Jauche: Dünger, Stärkung oder Schädlingsmittel

„Zum Gießen sollte die Jauche im Verhältnis 1:10 und zum Sprühen 1:50 mit Wasser verdünnt werden“, empfiehlt Rottleb. Gegossen dienen sie als Dünger oder Stärkung, gesprüht als Blattdünger und als Schädlingsmittel. Alternativ kann man eine Jauche auch nur zwei bis drei Tage ziehen lassen, führt der Nabu aus. Dann dient eine Mischung mit Wasser im Verhältnis 1:50 zur Schädlingsabwehr.

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Tees und Brühen als Dünger

Tees und Brühen werden häufig zur Düngung direkt auf das Blatt gegeben und können laut Nabu auch auf Pilze und Läuse abschreckend oder vorbeugend wirken. Sie ziehen kürzer als Jauchen, und es werden jeweils die gleiche Menge an Wasser und Pflanzen genutzt.

Für einen Tee werden die Bestandteile mit kochendem Wasser übergossen und ziehen darin 15 bis 20 Minuten lang. Abgekühlt kommt der Tee unverdünnt zum Einsatz. In einer Brühe werden die Pflanzenteile erst für 24 Stunden eingeweicht, dann für 15 bis 30 Minuten aufgekocht und anschließend gefiltert. Nach dem Abkühlen werden Brühen im Verhältnis 1:10 zur Abwehr und Vorbeugung und 1:20 als Blattdüngung mit Wasser gemischt und auf die Blätter gesprüht.

Ätherische Öle mit Kaltwasserauszug sichern

Manche Pflanzen, etwa die Schafgarbe, lassen sich im Kaltwasserauszug nutzen, bei der die Pflanzenteile für 24 Stunden in kaltem Wasser einweichen. So bleiben die ätherischen Ölen erhalten. Anschließend abseihen und 1:1 verdünnt oder unverdünnt zur Schädlingsabwehr und zur Bodenpflege nutzen. „Die Wirkung verbessert sich, je öfter ein Pflanzenstärkungsmittel angewendet wird“, erklärt Wadas. Alle Sprühlösungen sollte man an einem bewölkten Tag oder in den frühen Morgenstunden verteilen. Das verhindert, dass die Tropfen im Sonnenlicht auf den Blättern wie Brenngläser wirken und diese verletzen.

Effektive Mikroorganismen für hohe Fruchtbarkeit

Ebenfalls auf natürliche Weise stärken Effektive Mikroorganismen (kurz: EM) Pflanzen. Es gibt mehrere Gruppen dieser Kleinstlebewesen. Einige arbeiten zersetzend und andere enzymbildend, also aufbauend. Sie sorgen zusammen mit einem organischen Dünger, den sie im Boden gut aufspalten, für ein aktiveres Bodenleben und für hohe Fruchtbarkeit. Gerade beim Tomaten-, Salat- und Gemüseanbau soll so eine reiche Ernte generiert werden.

Für den Privatgarten gibt es inzwischen viele fertige Lösungen, in denen die Kleinstlebewesen enthalten sind. Um ein Mittel dieser Art selbst herzustellen, wird eine Urlösung mit Effektiven Mikroorganismen, auch als EM1 bekannt, und Zuckerrohrmelasse benötigt. In einem Fermenter gärt die Mischung dann rund acht Tage lang. Sie ist bereit, wenn der pH-Wert bei 3,2 bis 3,9 liegt. Die Masse hat außerdem eine bräunliche Farbe und einen säuerlich-brotartigen Geruch.

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Von RND/dpa/jo

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