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Wissen Unfälle im Job: Wann Arbeitnehmer für Schäden haften
Nachrichten Wissen Unfälle im Job: Wann Arbeitnehmer für Schäden haften
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10:00 11.06.2019
Oft überlebt die Tastatur einen Kaffee-Unfall nicht – und eine neue muss her. Quelle: imago/McPHOTO
Berlin

Kaffee, der über die Tastatur im Büro verschüttet wird, falsch gesicherte Ladung oder ein Rechenfehler im Gutachten – in vielen Berufen kann ein falscher Handgriff oder Denkfehler teuer werden. Doch wer haftet dafür, wenn Angestellte im Job einen kostspieligen Fehler machen?

Haftung: Es kommt auf den Schaden an

„Schäden, die Arbeitnehmer verursachen, können den Arbeitgeber, andere Mitarbeiter, Kunden oder sonstige Dritte treffen“, erklärt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. Je nachdem, wer den Schaden hat, gelten jeweils andere Regeln für die Haftung. Verursacht ein Arbeitnehmer beispielsweise einen Unfall mit einem Firmenwagen oder schüttet Kaffee über den Arbeitslaptop, entscheidet ein „Stufenmodell der Haftung“ über die Konsequenzen. Hierbei kommt es auf die Schwere des Fehlers an.

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Stufenmodell der Haftung: Für Arbeitnehmer entscheidend

Das sogenannte „Stufenmodell der Haftung“ soll den Arbeitnehmer schützen – denn würden die herkömmlichen Haftungsregelungen gelten, würde ein Angestellter für jeden Fall von Vorsatz und Fahrlässigkeit haften. „Ein solches Ergebnis würde letztlich dazu führen, dass der Arbeitgeber einen Großteil seines Risikos, zum Beispiel in Bezug auf Schäden an Maschinen, auf den Arbeitnehmer abwälzen könnte“, erläutert der Anwalt für Arbeitsrecht Christopher Hilgenstock. „Das könnte für den Arbeitnehmer schnell die wirtschaftliche Existenzvernichtung bedeuten.“

Die Stufen des Modells erklärt Arbeitsrechtler Hilgenstock wie folgt:

Stufe 1: Bei leichtester Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer nicht. Das gilt für leicht entschuldbare Pflichtwidrigkeiten, also kleinere Ungeschicke, wie sie jedem täglich passieren können.

Stufe 2: Bei mittlerer Fahrlässigkeit haften sowohl Angestellte als auch Arbeitgeber. Der Haftungsanteil wird unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls bestimmt: Dazu zählt beispielsweise, wie viel ein Arbeitnehmer verdient und welche Unterhaltspflichten er hat. Seine Beteiligung fällt dadurch meist geringer aus als die des Arbeitgebers.

Stufe 3: Bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz soll der Arbeitnehmer in der Regel voll haften. Davon ist auszugehen, wenn er seine Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt hat. Der Fall des Vorsatzes geht einen Schritt weiter: Dabei begeht der Arbeitnehmer typischerweise eine vorsätzliche Straftat zulasten des Arbeitgebers, indem er zum Beispiel eine Maschine willentlich beschädigt.

Jedoch ist in Fällen der groben Fahrlässigkeit eine Reduzierung der Haftung des Arbeitnehmers nicht völlig ausgeschlossen. „Dies soll zumindest dann möglich sein, wenn ein zwischen dem eingetretenen Schaden und dem Verdienst des Arbeitnehmers ein deutliches Missverhältnis besteht“, so Hilgenstock. Nach der Rechtsprechung soll aber wohl dann kein Anlass für eine Haftungserleichterung gegeben sein, wenn der zu ersetzende Schaden nicht über drei Bruttomonatseinkommen des Arbeitnehmers hinausgeht.

Auch hierbei handelt es sich allerdings nicht um eine irgendwie geartete feste Grenze. Häufig wird ein Schadensersatzanspruch in diesen Fällen aber auch wesentlich höher angesetzt.

Berufshaftpflicht: Sinnvoll oder nicht?

Für Personenschäden unter Arbeitskollegen haften Arbeitnehmer grundsätzlich nicht. Wenn der Schaden nicht vorsätzlich verursacht wurde, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung. Angestellte brauchen deshalb im Regelfall keine Berufshaftpflichtversicherung. Bei allen nicht betrieblichen Tätigkeiten haften dagegen auch sie persönlich: „Beschädigt ein Arbeitnehmer fahrlässig Sachen seiner Arbeitskollegen, wie Kleidung oder Brille, muss er für den Schaden aufkommen“, warnt Suliak. Eine private Haftpflicht ist deshalb unerlässlich.

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Haftet der Arbeitgeber, wenn ein Kunde Schaden davonträgt?

Doch was ist mit Schäden, die Dritten entstanden sind wie zum Beispiel einem Kunden? Haftet dann der Mitarbeiter oder die Firma? „Betriebe haften bei schuldhafter Verletzung von vertraglichen Pflichten“, erklärt Suliak. Für Pfusch am Bau muss also die Baufirma geradestehen.

Anders ist es bei der sogenannten deliktischen Haftung: Wer fahrlässig oder vorsätzlich das Eigentum oder die Gesundheit eines Dritten schädigt, haftet persönlich und unbeschränkt. Darunter fällt zum Beispiel ein Unfall durch ein ungesichertes Baugerüst. „Die deliktische Haftung trifft nicht nur den Betrieb, sondern auch den Arbeitnehmer“, warnt Suliak. „Beide haften als Gesamtschuldner gegenüber dem geschädigten Dritten.“ Allerdings hat der Arbeitnehmer bei Schadenersatzforderungen einen Freistellungsanspruch gegenüber seinem Arbeitgeber – jedenfalls gilt das, wenn er im betrieblichen Auftrag und nicht grob fahrlässig gehandelt hat. In der Praxis wendet sich der Geschädigte deshalb meist direkt an den Inhaber des Betriebs.

Von RND/dpa/jo/js

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