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Wissen Völkerball: Mobbing-Vorwurf ist lächerlich - Demütigungen gibt es auch in anderen Sportarten
Nachrichten Wissen Völkerball: Mobbing-Vorwurf ist lächerlich - Demütigungen gibt es auch in anderen Sportarten
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17:24 27.06.2019
„Brutal und entmenschlichend“: Kanadische Forscher haben in einer Studie ein vernichtendes Fazit zum Sportspiel Völkerball und der amerikanischen Variante Dodgeball gezogen. Quelle: imago images / ZUMA Press
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Buchholz

Knapp 30 Jahre lang dachte ich, Völkerball sei ein simples Spiel. Zwei Teams, ein paar Gummibälle, wer getroffen wird, muss raus. Nun kommen zwei kanadische Forscher zum Schluss, dass Völkerball „legalisiertes Mobbing“ sei. Eine steile These, die geradezu nach medialer Aufmerksamkeit schreit.

Diese wohlwissend nutzend legt die Studienautorin Joy Butler von der University of British Columbia in der Washington Post nach. Die Botschaft des Spiels sei „Es ist okay, andere zu verletzen“ und „Sportunterricht hätte wenig mit Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl“ zu tun. Sogar von „Entmenschlichung“ ist die Rede.

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Auch bei anderen Sportarten gibt es demütigende Situationen

Und plötzlich ist sie da – die empörte Debatte. Schulsporthasser berichten in Posts und Zeitungskommentaren über ihr eigenes Völkerball–Trauma, spenden der Forderung Applaus. Für sie ist es ein Spiel, das keinen Platz für Schwächere lässt. Auf der anderen Seite versammeln sich die „harten Jungs“, die früher vermutlich immer sofort in die Mannschaft gewählt wurden. Völkerball ist aus ihrer Sicht die Vorbereitung auf das harte Leben dort draußen auf der Straße. Und die Forderung nach einem Verbot ein weiteres Zeichen für die Verweichlichung unserer Gesellschaft. Verständnis für die andere Seite? Fehlanzeige.

Wie auch? Die einen hatten nie Freude an dem Spiel, die anderen litten nie darunter. Doch was wäre, wenn Völkerball einfach nur ein Spiel ist? Eins dazu, das wirklich viele Kinder gerne spielen. Eins, das genauso gut und so schlecht ist wie Fußball, Handball oder Bodenturnen. Auch bei diesen Sportarten gibt es demütigende Situationen, wenn man zu schlecht für die Mannschaft ist, immer zuletzt gewählt wird, selbst an der Rolle vorwärts scheitert. Auch hier gibt es Fouls und unfaire Situationen.

Es kommt auf den Sportlehrer an

Aber es gibt eben auch viele schöne Momente, die dafür sorgen, dass Mädchen und Jungen begeistert zum Training eilen und am Wochenende ihr Bestes geben. So hängt es vermutlich vom Sportlehrer ab, ob Völkerball einfach Lust auf Spiel und Bewegung schafft oder zum Trauma wird. Im besten Fall könnte es schließlich beim Völkerball nicht nur um das Leistungsprinzip gehen, sondern eben auch um Teamgeist, gegenseitige Motivation und Unterstützung für die Mitspieler – auch für die Schwächeren.

Noch eine kleine Anekdote an Rande: Mein größtes Trauma der Schulzeit stammt aus dem Musikunterricht: Die Lehrerin ließ mich trotz fehlendem Gesangstalent und Stimmbruch „My Heart Will Go On“ singen, allein vor der ganzen Klasse, neben dem Klavier. Mein Vorschlag für die nächste, pädagogische Empörungsdebatte: Die Abschaffung des Klaviers samt Vorsingen.

Von Birk Grüling/RND

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