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19:23 04.02.2019
Verbal oder physisch: Mobbing hat viele Gesichter. Quelle: picture alliance
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Hannover

Mobbing: Ein sensibles Thema, das weit über kleine Streitereien unter Kindern hinaus geht. Wird die Schule zum Tatort, hat das nicht nur Folgen für den Lernprozess, sondern mündet oft in einer sozialen Isolation. Viele Mobbingopfer suchen die Schuld bei sich selbst und öffnen sich zu spät oder gar nicht ihren Eltern. Umso wichtiger ist es, dass Familie und Lehrer die Warnzeichen erkennen. Denn je länger der Psychoterror andauert, desto schwieriger ist es, eine passende Lösung zu finden.

Woran erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?

Kinder, die gemobbt werden, stehen unter psychischem Stress. Betroffene äußern zum Beispiel häufig, dass sie nicht in die Schule gehen möchten. Waren sie doch dort und kommen bei Schulschluss nach Hause, erzählen sie meist nicht viel aus ihrem Alltag. „Die Belastung kann sich allerdings auf verschiedenste Art und Weisen zeigen - ob das Kind nicht mehr gut schläft, keinen Appetit mehr hat oder sogar aggressiv wird, es sind meist plötzliche Veränderungen“, erklärt Dr. Sebastian Wachs, Mobbingintervention- und Jugendforscher, von der Universität Potsdam.

Wie läuft ein Mobbingprozess genau ab?

Häufig seien beim Mobbing drei Phasen erkennbar, sagt Wachs: Es beginnt mit der Testphase, in der ein geeignetes Opfer gesucht wird. Das sind oft Kinder, deren äußerliches Erscheinungsbild aus der Norm fällt, sei es durch Übergewicht, Körpergröße oder körperliche Schwäche. Eine sexuelle Orientierung, ein niedriger sozialer Status oder eine geringe Popularität können ebenfalls als „Gründe“ dienen. „Gelegentlich ist es sogar das Verhalten der Eltern, das dazu führt, dass Kinder gemobbt werden - beispielsweise ein Übermaß an elterlicher Unterstützung oder das Gegenteil, eine Vernachlässigung des Kindes“, so der Experte.

Lesen Sie hier: Kommentar: Wir müssen die großen Ängste der Allerkleinsten endlich ernstnehmen

Daraufhin folgt die Konsolidierungsphase, in der Attacken gegen das Opfer vermehrt auftreten. Finden die Täter Freude daran, schließt sich die Manifestationsphase an, in der sich bestimmte Mobbingstrukturen festigen.

Wie können Kinder gemobbt werden?

Zum einen gibt es das physische Mobbing. Hierunter fallen alle Handlungen, die darauf abzielen, Betroffene körperlich zu verletzen, zum Beispiel durch schlagen, treten, kratzen oder beißen. Darin sind Jungen oft involviert. Eine weitere Form des Mobbings ist der verbale Psychoterror. Diese Art umfasst sämtliche verbalen Attacken wie verletzende Spitznamen, Drohungen oder Beleidigungen. Als dritte „Strategie“ gilt das relationale Mobbing, bei dem Täter versuchen, soziale Beziehungen der Opfer bewusst anzugreifen oder zu zerstören. Dazu zählt nicht nur das Herausekeln aus sozialen Strukturen, sondern auch ein Ignorieren oder Ausschließen des Betroffenen. Das kann keineswegs nur direkt passieren, sondern beispielsweise auch durch das Verbreiten von Gerüchten. Hierbei werden oft Mädchen zu Täterinnen.

Wie kann man bereits in die frühe Phase des Mobbings eingreifen?

Wenn man den Verdacht hat, dass ein Kind gemobbt wird, sollte man sich die Zeit für ein ausgiebiges Gespräch nehmen. „Mobbing führt meist zu Gefühlen der Scham und Angst. Es ist nicht leicht, darüber zu sprechen. Deshalb braucht man Geduld und Zeit. Danach sollte man das Gespräch mit der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer und der Schulleitung suchen“, rät Dr. Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. „Mit dem Täter muss ein Einzelgespräch geführt werden.“

Wie können Eltern ihr Kind aus dieser Situation befreien?

Wichtig ist eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Nehmen Sie sich Zeit, nachzufragen, wie es in der Schule war und zeigen Sie Interesse. Wenn der Verdacht auf Mobbing besteht, sollten die Sorgen des Kindes ernst genommen werden und Sie sollten ihrem Kind klar machen, dass es keine Schuld hat. Wenn die Umstände weitgehend geklärt sind, sollten Eltern das Gespräch mit der Schule suchen und zuhause weiterhin daran arbeiten. Das funktioniert zum Beispiel, indem Sie in Rollenspielen Lösungsmöglichkeiten erarbeiten, wie das Kind auf bestimmte Situationen reagieren sollte. Erfolgt keine Intervention von Seiten der Schule, sollten Sie ihr Kind auf eine andere Schule schicken, um dauerhafte seelische Schäden zu vermeiden.

Wie werden Kinder zu Tätern?

Die Gründe, warum jemand zum Mobber wird, sind vielfältig: Machtgier, Neid oder Minderwertigkeitsgefühle können ausschlaggebend sein. „Oft sind die Täter den Opfern körperlich überlegen, sind älter als sie und erlebten einen wenig unterstützenden, sondern bestrafenden Erziehungsstil“, erklärt Wachs. Hinzu kommen die Mitläufer, die meistens ein schwaches Selbstwertgefühl haben und Anerkennung bei anderen, mobbenden Freunden suchen.

Von RND/jo

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